05. August 2021

IAA 2021: München macht sich bereit

Die vielfach angekündigte Mobilitätswende blieb lange Zeit ein leeres Versprechen. Die vom 7. bis 12. September in München stattfindende IAA soll das Thema jetzt mit echten Inhalten füllen.

IAA 2021: München macht sich bereit
IAA 2021: München macht sich bereit

Über Jahrzehnte hinweg lockte die IAA als grosses Branchentreffen der Autoindustrie, Hersteller und Fans aus aller Welt nach Frankfurt. Luxus, Leistung und reichlich neue Autos standen im Mittelpunkt. Mittlerweile befinden sich die Mobilität und die Autobranche jedoch im Wandel, was sich nun mit aller Deutlichkeit auf das Format der IAA durchschlägt. Der Umzug nach München ist dabei eher Nebensache. Dank vieler Präsentationsbühnen auf den schönen Plätzen der Innenstadt soll aus dem Event auch ein familienfreundliches Strassenfest werden. Doch entscheidender für die inhaltliche Neuausrichtung ist die Zusammensetzung der Austeller und ihrer Exponate, die vermutlich nur wenige klassische Autofans vom Hocker reissen dürften. Doch die IAA will in diesem Jahr zeigen, dass Mobilität auch anders geht und künftig anders sein wird.

 

Den Wandel der vom Verband der deutschen Automobilhersteller (VDA) ausgerichteten IAA verdeutlicht allein ein Blick auf die Vorberichterstattung in den Medien. So gib es heuer weder Premieren-Feuerwerke noch PS-Superlativen. Stattdessen weniger Aussteller und somit auch weniger Autos und die Autos, die da sein werden punkte mit Reichweite statt mit Leistung. Noch vor wenigen Jahren waren auf der IAA alle namhaften und viele weitere Autohersteller vertreten, doch mittlerweile hat sich deren Liste auch coronabedingt drastisch verkleinert.

 

Die Japaner und der GM-Konzern bleiben fern, auch Stellantis mit seinen 14 Marken glänzt durch Abwesenheit. Das betrifft sogar die Stellantis-Tochter Opel. Die eigentlich urdeutsche Marke war bislang elementarer Bestandteil der IAA in der Frankfurter Ära. Doch trotz eines bereits angekündigten Wandels zum reinen Elektroauto-Hersteller hat die Blitzmarke in München auf einen Stand verzichtet.

 

Die München IAA steht ganz im Zeichen des Elektro-Autos und da soll es tatsächlich einige zum Teil wegweisende Neuheiten geben. Dazu wird unter anderem der Megane E-Tech Electric von Renault zählen. Der Kompaktstromer, der auf einer neuen Elektroplattform der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz aufsetzen wird, steht für das deutlich gereifte Elektroauto der zweiten Generation. Auch BMW wird mehrere Elektroneuheiten vorstellen und sich in seiner Heimatstadt zudem als grösster Aussteller präsentieren. Neben der gewagten Zukunftsvision Mini Vision Urbanaut und dem neuen Elektroscooter CE 04 sind bereits offiziell die beiden neuen Elektroautos iX und i4 angekündigt.

 

Auch der Daimler-Konzern, der mittlerweile ebenfalls eine klare E-Strategie definiert hat, wird sich mit neuen Elektroautos schmücken. Erwartet werden die elektrische E-Klasse EQE sowie eine elektrifizierte Variante der G-Klasse. Auch ein paar volksnahe E-Neuheiten dürften auf der IAA Premiere vorstellig werden. So wird Smart ein neues E-SUV und VW voraussichtlich einen bezahlbaren Elektro-Kompakten zeigen.

Die E-Mobilität werden die Besucher der IAA auf der sogenannten Blue Lane sogar hautnah miterleben können. Auf der Route, die Stände im Altstadtzentrum mit denen auf der im Münchener Osten gelegenen Messe Riem verbindet, sollen neben neuen batterieelektrischen Stromern auch Brennstoffzellen-Fahrzeuge wie der BMW X5 Hydrogen sowie Hybridfahrzeuge und E-Scooter unterwegs sein.

 

In besonders grosser Zahl dürften elektrifizierte Zweiräder auf der IAA auftauchen. Die Messestände von Repräsentanten der Fahrradindustrie sind nämlich fast so zahlreich wie die der Autoindustrie. Rund 50 Fahrradmarken sind vertreten, die vor allem die neuesten Pedelecs dem Publikum schmackhaft machen werden. Vielleicht werden diese nur schmückendes Beiwerk sein, doch zumindest von der Anzahl her begegnen sie den Autoherstellern auf Augenhöhe.

 

Doch die IAA soll nicht mehr nur Bühne für Produktneuheiten sein, sondern auch Visionen für eine umweltfreundlichere Mobilität verkaufen. Statt wie 2019 die Kritiker der Autoindustrie auszusperren, will man in München den Dialog anbieten. Ein Hersteller wie BMW wird deshalb seine Agenda von Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft nicht nur präsentieren, sondern das Messepublikum dazu einladen, sich aktiv in Gesprächen einzubringen.

 

Scharfe Kritiker der IAA wird der Aufruf zum Dialog allerdings kaum davon abhalten, wie schon 2019 gegen die im Kern weiterhin als Autoshow deklarierte Messe zu demonstrieren. Unter dem Motto #aussteigen hat sich ein breites Bündnis aus Organisationen wie Attac, BUND, Greenpeace oder den ADFC dazu aufgerufen, am Samstag, den 11. September gegen die als «grünes Täuschungsmanöver» bezeichnete IAA Mobility zu demonstrieren. Spannend könnte die Frage sein, wer an diesem Tag zahlreicher vertreten sein wird: Kritiker oder Fans der Autoshow? (pd/ir)

 

Tickets für die IAA 2021 sind ab sofort erhätlich.

 

www.iaa.de

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