25. Januar 2021

Halbleiter: Chipmangel bremst Autoindustrie

Weil es durch die Coronakrise zu einer weltweiten Verknappung von Halbleitern gekommen ist, haben mehrere deutsche Autobauer ihre Produktionskapazitäten teilweise dramatisch reduziert. Jetzt hat sich die Bundesregierung eingeschaltet.

Halbleiter: Chipmangel bremst Autoindustrie

Quelle: AdobeStock

Halbleiter werden nicht nur in nahezu allen modernen elektronischen Geräten verbaut, sondern auch Autos können heute nicht mehr ohne sie auskommen. Aktuell gibt es auf dem Weltmarkt jedoch zu wenige, worunter vor allem Autobauer leiden.

Erst kürzlich beschloss Daimler, dass Tausende Mitarbeiter in seinem Kompaktwagenwerk in Rastatt in Kurzarbeit gehen müssen. Nun sollen gemäss Informationen des «Handelsblatt» weitere Einschränkungen folgen – im Daimler Werk Bremen mit 12’500 Mitarbeitern. Kurz darauf meldete auch die Konkurrenz von Audi Kurzarbeit an. Betroffen sind davon zunächst 10’000 Mitarbeiter in Neckarsulm und Ingolstadt. Darauf folgte dann die Ankündigung von Volkswagen, dass dort ebenfalls die Arbeit im Werk Emden ruhen wird.

Andere Hersteller könnten schon bald folgen. Der Nachfrageüberhang bei Halbleitern könnte für die gesamte Autoindustrie zu einem mittel- bis langfristigen Problem werden. «Es wird mindestens sechs, vielleicht sogar neun Monate dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert», erklärt Thibault Pucken, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Inverto gegenüber dem Handelsblatt.

Die Verknappung des Chipangebots ist mutmasslich eine Folge der Corona-Krise. Während vor rund einem Jahr die Produktion in Erwartung einer langanhaltenden weltweiten Rezession zurückgefahren wurden, erholt sich die Branche viel schneller als erwartet. Doch die Kapazitäten der Chiphersteller lassen sich nicht so schnell an die wieder erhöhte Nachfrage anpassen.

Den Chipproduzenten seien die Hände gebunden, erläutert Inverto-Chef Pucken gegenüber dem «Handelsblatt»: «Auch die Halbleiterhersteller sind nicht voll integriert und auf viele Lieferanten angewiesen. Die müssen sich ebenso in der Schlange anstellen.» Die Herstellung von Halbleitern nehme aufgrund des komplexen Prozesses und der vielen Produktionschritte in unterschiedlichen Produktionsstätten mehrere Monate bis zu einem Jahr in Anspruch.

Grosse Autozulieferer versuchen nun den Herstellern von Konsumentenelektronik deren Halbleiter Kapazitäten abzukaufen, damit ihre Anlagen nicht stillstehen müssen. Doch dadurch alleine wird sich die Unterversorgung nicht lösen lassen. Es kommen also wohl schwere Zeiten auf die Autobauer zu.

Aufgrund der Halbleiter Knappheit und dem daraus resultierenden Chip-Mangel hat die deutsche Bundesregierung die Regierung in Taipeh um Hilfe ersucht. Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge habe sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier mit einem Brief an dessen taiwanesischen Amtskollegen gewandt. Die Bundesregierung möchte die taiwanischen Hersteller dazu bewegen, die Bestellungen der deutschen Automobilindustrie zu priorisieren, um den Mangel an Halbleitern zu lindern. (mb)

 

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