19. November 2020 | KOMMENTAR

Ist die geplante Euro-7-Abgasnorm das Ende von Benziner und Diesel?

2021 wird entschieden, wie die neue, ab 2025 geltende Abgasnorm Euro-7 aussehen wird. Das zuständige Expertengremium schlägt gemäss deutschen Medien deutlich strengere Werte vor. Einige wittern nun das Ende des Verbrenners. Ist das wirklich so?

Ist die geplante Euro-7-Abgasnorm das Ende von Benziner und Diesel?

Bildmontage: Skender Hajdari

Kommentar: Mario Borri

Die deutsche Presse, allen voran die «Bild»-Zeitung, sieht den Untergang der deutschen Autoindustrie kommen. Gemäss dem Boulevardblatt drohen wegen der neuen, ab 2025 gültigen Abgasnorm Euro-7, dramatische Einbrüche beim Pw-Absatz. Den Ursprung hat das Horrorszenario in der Studie einer europäischen Expertengruppe, der «Advisory Group on Vehicle Emission Standards», welche Vorschläge zur Neugestaltung der nächsten Abgasnorm enthält.

Zum Beispiel sollen Neuwagen künftig nur noch 30 Milligramm Stickoxide (NOx) pro Kilometer ausstossen dürfen, in einem zweiten Szenario, das in der Studie skizziert wird, wären es sogar nur zehn Milligramm. Bisher dürfen Benziner 60 Milligramm pro Kilometer ausstossen, Diesel sogar 80. Neben den NOx-Werten sollen weitere Schadstoffemissionen sinken. Gleichzeitig soll der sogenannte RDE-Test, bei dem die Einhaltung der Schadstoffgrenzwerte im realen Fahrbetrieb überprüft wird, deutlich strenger werden.

Gemäss dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» bezeichnet ein nicht genannter Insider den Vorschlag der «Bild» gegenüber als «Kriegserklärung an Diesel und Benziner». Diese Werte schaffe kein Verbrennungsmotor. Die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, Hildergard Müller, warnte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur ebenfalls vor einem Todesstoss: «Mit der Einführung der geplanten EU-7-Norm wird die EU-Kommission Autos mit Verbrennungsmotor ab 2025 de facto verbieten.»

Doch welche tatsächlichen Konsequenzen hätten die strengeren Grenzwerte? Und sind sie wirklich nicht zu schaffen? Stefan Carstens, Abgasspezialist bei EngineSens Motorsensor hält im «Spiegel» den Vorschlag für technisch machbar. «30 Milligramm NOx pro Kilometer werden bereits heute von vielen Modellen sogar im RDE-Zyklus unterboten», sagt Carstens dem Nachrichtenmagazin.

Dass der deutlich niedrigere Wert zumindest für Stickoxide heute schon zu schaffen ist, zeigen auch Messdaten des ADAC. So unterboten gleich mehrere Fahrzeuge in RDE-Tests des Automobilclubs die Grenze von 30 Milligramm deutlich. «Auch die vorgeschlagenen Grenzwerte für Kohlenmonoxid, Methan und Feinstaub sind machbar», urteilt Carstens.

«Die vorgeschlagenen Grenzwerte für Euro 7 wären nicht das Ende von Diesel und Benzinern, sie sind auch kein Sargnagel», zieht der Abgasexperte Bilanz. Auch andere Experten sehen in Euro-7 nicht den Todesstoss für die Verbrenner. Der Haken allerdings: Es wird eine aufwändigere Abgasnachbehandlung nötig, was das gesamte Fahrzeug teurer macht.

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