17. September 2020 | KOMMENTAR

Zürichs Velohype und Autobashing

Am 27. September 2020 stimmen Stadt Zürcherinnen und Zürcher über ein neues Schnellroutennetz für Velofahrer ab. Die Krux an der Sache: Dort wo die Velowege entstehen sollen, soll der motorisierte Durchgangsverkehr künftig verboten sein.

Zürichs Velohype und Autobashing

Kommentar: Isabelle Riederer

 

Zürich soll zu einer Velostadt werden, das ist das erklärte Ziel der Stadtrats. Keine Autos mehr, nur noch Velofahrer. Eine Vision, die, wäre sie nicht so unheimlich, einem Schildbürgerstreich gleich käme.

 

Schon seit Jahren werkeln die Grünen, die SP und andere linke Parteien an ihrem Plan den motorisierten Verkehr gänzlich aus der Stadt Zürich zu verbannen. Ihr neuster Masterplan: Innerhalb von zehn Jahren soll ein 50 Kilometer langes Schnellstrassennetz auf dem ganzen Stadtgebiet für Velofahrer entstehen. Schon jetzt werden mit dem Ausbau von Velowegen mit einer Breite von 1,80 Meter massiv Park- und Güterumschlagplätze abgebaut. Zusätzliche Spurverengungen, weitere Temporeduktionen für den motorisierten Individualverkehr und ein zusätzlicher massiver Abbau von Park- und Güterumschlagplätzen sind die Folge. Zudem verlangt die Volksinitiative «Sichere Velorouten für Zürich» dass überall dort, wo das neue Schnellstrassen-Velonetz entsteht, der motorisierte Durchgangsverkehr verboten werden soll.

 

Damit aber nicht genug: Der Stadtrat will künftig auch die Parkkarte für die blaue Zone massiv verteuern. Statt 300 Franken pro Jahr, soll sie 780 Franken pro Jahr kosten. Kein Witz! Begründet wird der Preisaufschlag vom Stadtrat, dass private Parkplätze ja auch teurer seien. Tja Luxushotels sind auch teuer als Campingplätze.

 

Aber wenn der Stadtrat es lieber sieht, wenn allabendlich stundenlang Autos durchs Quartier fahren, in der Hoffnung irgendwann, einen der wenigen Parkplätze in der blauen Zone zu erwischen, dann soll es halt so sein. Und es dürfte noch schlimmer werden. Allein dieses Jahr sind bereits 300 blaue und 200 weisse Parkplätze verschwunden. Mal schauen, wann dann die nächste Volksinitiative kommt, um Autofahrer weiter zu schikanieren, vielleicht ein «Fahrverbot ab 18 Uhr», in der Hoffnung, dass das abendliche Treiben der Parkplatzsuche eine Ende hat. Nur zur Info: Es gibt Leute, die sind auf ihr Auto angewiesen!

 

Die Dreistigkeit und Frechheit mit der seit Jahren in Zürich auf den motorisierte Individualverkehr eingehauen wird, hat mittlerweile Dimensionen angenommen, die einfach nicht mehr hinnehmbar sind. Als ob das Velo das Wundermittel schlechthin ist. Kein Wunder wird der Streit zwischen Autofahrern und Velofahrern immer schlimmer. Und der Stadtrat hat nichts besseres zu tun, diesen Zwist weiter zu schüren.

 

Aber zurück zur Abstimmung vom 27. September 2020 und den «sicheren Velowegen für Zürich». Ich habe definitiv «NEIN» auf meinen Wahlzettel geschrieben. Nicht nur, weil ich täglich auf mein Auto angewiesen bin und auch gerne weiterhin in der Stadt Zürich wohnen möchte, sondern auch, weil die Initiative einzig und allein die Velofahrer bevorzugt und alle anderen haben das Nachsehen. Darunter auch die vielen Quartierläden, die kaum noch Kunden haben, weil Parkplätze fehlen oder wegen Fahrverboten Kunden ganz wegbleiben. Oder Restaurants, die nicht mehr mit Lebensmittel versorgt werden können, weil keine Lastwagen mehr ihre Ware umschlagen können. Oder auch die Fussgänger, weil Velofahrer in den seltensten Fällen am Zebrastreifen anhalten – im Gegensatz zu Autofahrern – oder Rücksicht auf dem Trottoir nehmen.

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