09. Juni 2020

Neuer GIMS-Direktor: «Eine zweite Absage würde das Ende bedeuten»

Seit dem 1. Mai 2020 ist Sandro Mesquita neuer Generaldirektor der Geneva International Motor Show (GIMS) und tritt damit die Nachfolge von Olivier Rihs an. Als erfahrener Kommunikations- und Marketingprofi ist Mesquita bereit für eine neue Herausforderung. Wie der 45-Jährige die GIMS retten möchte, erzählt er im Interview.

Neuer GIMS-Direktor: «Eine zweite Absage würde das Ende bedeuten»

Interview: Isabelle Riederer

 

AUTO&Wirtschaft: Herr Mesquita, Sie sind ziemlich neu in der Automobilbranche, welchen Bezug haben Sie zur Branche?

Sandro Mesquita: Ich hatte schon immer eine sehr starke und emotionale Bindung zum Produkt Auto, insbesondere was das Design und die Technologie betrifft. Sehr spannend finde ich auch die Geschichte und die Bedeutung des Automobils für die Entwicklung unserer Gesellschaft, dazu gehört auch die Entwicklung der Mobilität von morgen. Als ich noch bei Alpiq gearbeitet habe, war ich dort unter anderem auch für den Bereich Elektromobilität zuständig und zweimal mit Alpiq als Aussteller am Autosalon Genf präsent. Ich bin zwar neu in der Branche, aber sie ist mir nicht fremd.

 

Welche Bedeutung hat das Auto für Sie?

Das Auto ist für mich nicht nur ein Transportmittel um von A nach B zu kommen, sondern vor allem auch ein Vergnügen. Ich fahre sehr gerne Auto, wobei ich auch die öffentlichen Verkehrsmittel nutze. Für mich ist es wichtig, intelligent mobil zu sein und das heisst auch ab und zu das Auto stehen zu lassen.

 

Seit dem 1. Mai sind Sie der neue GIMS-Direktor, keine leichte Aufgabe, die Sie da übernommen habe. Bereuen Sie Ihre Entscheidung?

Nein, absolut nicht. Ich stehe zu 100 Prozent hinter dieser Entscheidung und bin voller Energie mich dieser Herausforderung zu stellen. Natürlich hätte ich nicht gedacht, dass gleich so viele Herausforderungen auf uns warten. Aber ich freue mich darauf und werde alles tun, um Lösungen zu finden. Der erste und wichtigste Punkt für eine Fortsetzung der GIMS ist eine solide finanzielle Basis aufzubauen. Die Absage der GIMS im März hinterliess ein grosses finanzielles Loch.

 

Die finanziellen Probleme der GIMS sind hoch. Das Darlehen des Kanton Genf haben Sie in erster Distanz abgelehnt. Warum?

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir direkt nach der Absage der GIMS im März, beim Kanton Genf finanzielle Unterstützung beantragten. Der Kanton bietet uns einen Kredit von rund 17 Millionen Franken an, damit könnten wir nicht nur die Verluste der Absage decken und diejenigen der Aussteller, sondern könnten uns auch um die Vorbereitungen der GIMS 2021 kümmern. Leider knüpfte der Kanton Genf den Kredit an Bedienungen, die wir so nicht akzeptieren konnten. Tatsächlich ist die vollständige Untervergabe der Messe inklusive Konzeptualisierung an die Palexpo SA  für die Stiftung nicht annehmbar.

 

Jetzt hat der Genfer Grossrat aber für das Darlehen grünes Licht gegeben. Werden Sie es annehmen?

Das sind grossartige Neuigkeiten! Wir freuen uns sehr, dass unsere Position vom Genfer Grossrat verstanden wurde. Denn die in der ersten Fassung des Gesetzentwurfs beabsichtigte Änderung der Führungsstruktur war weder ein Mehrwert noch eine Erfolgsgarantie für die GIMS, ganz im Gegenteil. Wir werden jetzt die Bedingungen des Darlehens mit dem Genfer Staatsrat besprechen, und dann muss das Darlehen formell vom Stiftungsrat angenommen werden.

 

Welche Bedingungen sind mit dem Darlehen verknüpft? Muss die GIMS ihre Aktien nicht mehr abgeben und behält die Oberhand?

Die von der Stiftung gehaltenen Palexpo-Aktien sind noch immer als Sicherheit erforderlich.

 

Kann die GIMS 2021 nun stattfinden?

Wir haben von der Mehrheit der Hersteller/Importeure sehr deutliche Signale erhalten, dass für sie eine Teilnahme an einer Ausgabe im Jahr 2021 nicht in Frage kommt, dies unabhängig vom Darlehen des Staates Genf. Ohne Aussteller macht es keinen Sinn, eine Ausstellung zu organisieren. Wir können uns jedoch vorstellen, dass die GIMS 2021 eine andere Form annehmen wird. Tatsächlich könnte das Jahr 2021 als ein Übergangsjahr zur Vorbereitung auf die Ausgabe 2022 betrachtet werden...

 

Steht die GIMS 2021 jetzt vor dem Aus? Wie geht es jetzt weiter?

Wir haben noch nicht entschieden, wann die nächste Ausgabe stattfindet. Es ist noch offen, ob dies 2021 oder 2022 sein wird.

 

Normalerweise war im Juni/Juli jeweils Stichtag für die Anmeldungen für die GIMS. Wenn noch so viele Fragen offen sind, können Sie da überhaupt mit den Vorbereitungen für eine GIMS 2021 beginnen?

Die Signale, die wir von Herstellern und Importeuren erhalten, deuten darauf hin, dass eine Ausgabe im Jahr 2021 in der Tat sehr riskant wäre. Es gibt viele Unsicherheiten, die einerseits mit der aktuellen Wirtschaftskrise im Automobilsektor und andererseits mit der Coronavirus-Pandemie verbunden sind. Wir werden bis Ende Juni eine Entscheidung über das Datum der nächsten Ausgabe treffen. Zwei Faktoren sind sicher: : Die Marken werden uns nicht folgen, wenn die GIMS nicht in einem ähnlichen  Rahmen wie die vorherigen Veranstaltungen stattfindet, und wir dürfen uns keine zweite Absage erlauben. Das würde das Ende der GIMS bedeuten.

 

Ihr Vorgänger wollte dieses Jahr mit der GIMS neu durchstarten – dann kam Corona. Passen die neuen Konzepte für die Zukunft der GIMS? Wird es eine GIMS 2021 geben?

Die Grundausrichtung für die GIMS 2020 war richtig. Die Entwicklung einer immersiven und interaktiven Show ist sicher der richtige Weg für eine erfolgreiche Zukunft der GIMS. Es liegt jetzt an uns, die GIMS zu einer starken Marke aufzubauen und das ist auch mein Ziel. Wir wollen eine Show aufbauen, die einen starken Markenwert hat, die lange Tradition und die Community der GIMS und natürlich die Hersteller miteinbezieht. Das Wichtigste bleibt aber die finanzielle Basis und wir brauchen die Hersteller. Ohne eine starke Beteilung von ihrer Seite her, können wir eine GIMS 2021 nicht organisieren. Eine weitere Schwierigkeit ist und bleibt aktuell auch die gesundheitliche Situation. Es gibt noch viele offene Fragen, die die Vorbereitungen für eine GIMS 2021 erschweren.

 

Schon vor Corona kämpfte die GIMS und auch andere Autoshows mit Ausstellerschwund. Die Absage der GIMS goss dann nochmal Öl ins Feuer und hinterliess bei vielen Ausstellern einen faden Geschmack. Wie wollen Sie diese zurückholen?

Es ist uns wichtig, dass die Hersteller wissen, wir sind ihr Partner. Wir müssen das Vertrauen wieder aufbauen und eine finanzielle Lösung finden. Natürlich ist das nicht ganz einfach und wir müssen proaktiv auf die Aussteller und Hersteller zugehen und den Dialog suchen. Innovation und Kreativität sollen dabei im Fokus stehen.

 

Nichtsdestotrotz fragt man sich ob Autoshows, wie die GIMS noch zeitgemäss sind…

Die Zeiten, wo man am Salon nur Autos gezeigt hat, sind vorbei. Das ist klar. Aber ich bin mir sicher, dass Autoshows eine Zukunft haben. Man muss aber die alten Formate abschütteln und neue kreieren. Natürlich ist das nicht leicht, aber diese Transformation ist wichtig. Dabei möchte ich klarstellen, dass diese Transformation, die wir anstreben, kohärent sein muss mit den Werten und Wurzeln der GIMS. Meiner Meinung nach wäre es falsch, eine Messe zur veranstalten, die alles Mögliche rund um das Thema Mobilität präsentiert ohne Sinn und Zweck. Das Auto muss im Mittelpunkt der GIMS bleiben, das ist wichtig, denn es die Seele der GIMS.

 

Was ist Ihr Ziel für die GIMS?

Der Autosalon Genf war und ist eine wichtige internationale Plattform für die Automobilhersteller, um Besuchern ihre neuen Technologien und Modelle zu präsentieren und ich denke, dass die GIMS das auch in Zukunft sein sollte. Mein Ziel ist die GIMS zu einer international unverzichtbaren Ausstellung für die Mobilität der Zukunft zu machen, wo das Auto nach wie vor im Mittelpunkt steht und die sowohl für die Aussteller als auch für die Besucher Sinn macht.

 

Es gab immer wieder Kritikpunkte an der GIMS, dazu gehören auch, dass viele Aussteller, besonders im Luxusbereich, Besuchern die Möglichkeit verweigern, die Autos wirklich anzuschauen. Dabei lebt doch eine Autoshow auch davon, dass man solche Autos aus der Nähe erleben darf. Wie stehen Sie dazu?

Ja, das ist richtig und dieser Punkt wird sicherlich auch Teil des Dialogs mit den Herstellern und Ausstellern sein. Wir wollen den Besuchern ein einzigartiges Erlebnis bieten und dazu gehört es auch, dass man spezielle Fahrzeuge aus der Nähe erleben darf. Luxusautos und Supercars waren immer ein wichtiger Teil der GIMS und das soll es auch in Zukunft sein.

 

Mit dem neuen Konzept für die GIMS, flog letztes Jahr die traditionelle Zulieferermesse in der Halle 7 raus. Gibt es aus Ihrer Sicht Platz an der GIMS für eine neue «Halle 7»?

Die Zulieferer haben am Autosalon Genf eine lange Tradition und es ist mir ein grosses Anliegen, dass wir hier eine Lösung finden. Ein erster Schritt in diese Richtung ist es, die Bedürfnisse der Zulieferer kennen zu lernen und zu verstehen. Ich hoffe sehr, dass wir eine Lösung finden werden, denn die Schweizer Aftersalesbranche ist sehr wichtig für die GIMS.

 

www.gims.swiss

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