27. März 2020

Neue Studie zeigt: So schlimm leidet die Automobilbranche wirklich

Die Autoindustrie befindet sich auf einer rasanten Talfahrt. Die Folgen der Corona-Krise sind nicht absehbar. Die aktuellen Zahlen lassen jedoch Schlimmes befürchten.

Neue Studie zeigt: So schlimm leidet die Automobilbranche wirklich

Bild: Auto-Medienportal.NET

Die europäische Autoindustrie leidet massiv unter den Folgen der Coronakrise. Nach einer exklusiven Berechnung des internationalen Marktbeobachters Berylls für die Zeitschrift «auto motor und sport» werden im März und im April in Europa 810’000 Autos weniger gebaut als geplant. 2019 wurden in Europa rund 15 Millionen Fahrzeuge produziert. Aktuell haben der Berylls-Analyse zufolge fast 100 Automobilwerke plus zahllose Produktionsstätten der Zulieferer ihre Arbeit unterbrochen. Am stärksten betroffen ist Deutschland. Hier erwarten die Analysten ein Minus von 249’000 Fahrzeugen. Stark unter der Krise leiden zudem Spanien mit einem Minus von 140’000 Fahrzeugen, Frankreich (-90’000), Grossbritannien (-54’600), Tschechien (-51’000) und Italien (-41’300).

 

Schaut man sich die einzelnen Autohersteller mit ihren Produktionsstätten in Europa an, muss PSA (Peugeot, Opel, Citroën, DS, Vauxhall) mit einem Minus von 137’000 Fahrzeugen die höchsten Ausfälle verkraften. Die Marke VW folgt mit 106’000 nicht produzierten Autos. BMW wird 98’000 Autos weniger Fahrzeuge in Europa herstellen, gefolgt von Renault-Nissan-Mitsubishi (-97’000), Daimler (-69’000), FCA (Fiat, Chrysler, Alfa Romeo, Jeep u.a., -55’000), Ford (-54’000) sowie die VW-Konzernmarken Skoda (-41’000), Seat (-39’000) und Audi (-28’000). Von den japanischen Herstellern leidet in Europa am stärksten Toyota mit einem Produktionsausfall von 35’500 Fahrzeugen. In Deutschland hat das grösste Minus BMW zu tragen (-83’000 Fahrzeuge), dann folgen die Marken VW (-68’000), Daimler (-47’000), Audi und Ford (jeweils -21’000), Opel (-5000) und Porsche (-4000).

 

Prof. Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach bei Köln, rechnet durch die Produktionsausfälle mit Umsatzverlusten von bis zu 80 Milliarden Euro. «Es ist klar, dass es zu Verlusten kommt, und es ist klar, dass diese Verluste nicht wieder aufzuholen sind», so Bratzel im Gespräch mit auto motor und sport. «Es kommt darauf an, wie gut die Corona-Schutzmassnahmen greifen und wie diszipliniert sich der Einzelne an die neuen Regeln hält.»

 

Im allerbesten Fall sei der Höhepunkt der Infektionen in Deutschland Mitte April erreicht, dann würde die Einnahmen-Delle laut Bratzel etwa zehn Prozent betragen. Das bedeutet, dass allein die deutsche Automobilindustrie auf mehr als 40 Milliarden Euro Umsatz verzichten müsste. Sollten die Neuinfektionszahlen erst Anfang bis Mitte Mai abflauen, würde es im Idealfall noch zwei bis drei Wochen dauern, bevor die Produktion wieder auf vollen Touren läuft. Dann könnten die Umsatzverluste leicht auf 20 Prozent steigen, so Bratzel. Das wären rund 80 Milliarden Euro.

 

Auch Andreas Radics, Geschäftsführender Partner bei Berylls, rechnet mit massiven Verlusten. «Der zu erwartende Einbruch durch die bevorstehende Krise wird grösser sein als der durch die Finanzkrise 2008/2009. Nicht zuletzt, weil sich auch das Verhalten der Konsumenten signifikant verändert», erwartet Radics im Gespräch mit auto motor und sport. «Selbst wenn die Produktion weltweit wieder anlaufen kann, ist offen, wie schnell sich das Kaufverhalten normalisiert und welche Prämissen dann für die Käufer von morgen gelten.» (pd/ir)

 

www.auto-motor-und-sport.de

www.berylls.com

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