23. September 2019

eFuels sind ein Baustein für weniger CO₂

Die Hälfte der Fahrzeuge, die 2030 auf der Strasse sein werden, dürften mit Benzin- oder Dieselmotoren betrieben sein. Auch dieser Fahrzeugbestand muss und kann einen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten. Möglich ist das mit synthetischen Triebstoffen, den sogenannten eFuels.

eFuels sind ein Baustein für weniger CO₂

Die Erderwärmung auf maximal zwei Grad gegenüber dem Beginn der Industrialisierung begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad – das verlangt das Pariser Klimaschutzabkommen. Dafür müssen auch die fossilen CO₂Emissionen des Verkehrs in den nächsten drei Jahrzehnten gegen Null gesenkt werden. Aber wie? Die Elektromobilität nimmt erst jetzt so richtig Fahrt auf und ist auch nur so emissionsfrei wie der Strom, mit dem die Batterie geladen wird. Vollsynthetische Treibstoffe sollte man aber ebenfalls auf dem Radar haben. Sieben Gründe, warum eFuels zum Mobilitätsmix der Zukunft gehören sollten:

 

 

1. Zeit 

Aus der Grundlagenforschung sind eFuels längst heraus. Technisch ist es schon heute möglich, synthetische Treibstoffe herzustellen: Mit Strom aus erneuerbaren Energien wird aus Wasser zunächst Wasserstoff produziert. Zudem wird Kohlenstoff benötigt. Aus CO₂ und H₂ gewinnt man anschliessend synthetische Treibstoffe – also Benzin, Diesel, Gas oder Kerosin. Die Produktionsverfahren sind etabliert. Die Kapazitäten müssen aber rasch ausgebaut werden, um den Bedarf zu decken. Investitionsanreize liessen sich durch Treibstoffquoten, die Anrechnung von CO₂-Einsparungen durch eFuels auf den Flottenverbrauch und langfristige Planungssicherheit schaffen.

 

 

2. Klimaneutralität 

eFuels werden ausschliesslich mit erneuerbaren Energien erzeugt, etwa aus Sonne oder Wind – daher auch das „e“ im Namen. Zudem stammt das in der Herstellung verwendete CO₂ idealerweise aus der Umgebungsluft. Damit wird das Treibhausgas zum Rohstoff. Es entsteht ein Kreislauf: Das auch bei der Verbrennung von eFuels entstehende und ausgestossene CO₂ kann sozusagen wiederverwertet und für die Herstellung neuen eFuels genutzt werden. So sind mit synthetischem Treibstoff betriebene Fahrzeuge klimaneutral unterwegs.

 

 

3. Infrastruktur und Antriebstechnik 

eFuels, die zum Beispiel im Fischer-Tropsch-Prozess hergestellt wurden, können in bestehenden Infrastrukturen und aktuellen Motoren genutzt werden. Experten sprechen dann von „drop-in“ eFuels. Sie wirken unmittelbar im Bestand und somit schneller als es bei einer Erneuerung von Infrastruktur und Fahrzeugen möglich wäre. Sie können auch herkömmlichem Treibstoff beigemischt werden und damit bereits zur CO₂-Senkung in der bestehenden Fahrzeugflotte beitragen, wenn sie noch nicht flächendeckend hergestellt werden können. Selbst Oldtimer bringt zum Beispiel synthetisch erstelltes Benzin zum Fahren – es bleibt von den chemischen Strukturen und grundsätzlichen Eigenschaften nach wie vor Benzin.

 

 

4. Kosten 

Noch ist die Herstellung von synthetischen Treibstoffen teuer. Mit dem Aufbau grösserer Produktionskapazitäten sowie sinkender Kosten für die Erzeugung erneuerbaren Stroms werden eFuels deutlich günstiger. Studien zufolge sind bis 2030 reine Treibstoffkosten von 1,20 bis 1,40 Euro pro Liter realisierbar (exklusive Steuer), bis 2050 sogar nur noch Kosten um einen Euro. Der Kostennachteil im Vergleich zu fossilen Treibstoffen liesse sich deutlich verringern, wenn der Umweltvorteil von eFuels einen Wert erhielte. Dass die bestehende Infrastruktur und Fahrzeugtechnik verwendet werden kann, ist ein Vorteil im Vergleich zu anderen alternativen Antriebsarten.

 

 

5. Einsatzmöglichkeiten 

Selbst wenn alle Autos und Lastwagen eines Tages batterieelektrisch oder mit Brennstoffzelle fahren: Flugzeuge, Schiffe und Teile des Güterschwerverkehrs werden auch künftig mit herkömmlichen Treibstoffen unterwegs sein. Verbrennungsmotoren, die mit CO₂-neutralen synthetischen Treibstoffen betrieben werden, sind deshalb ein unerlässlicher Pfad.

 

 

6. Ressourcen 

Tank oder Teller? Diese Frage stellt sich bei synthetischen strombasierten Treibstoffen nicht. Innovative Biotreibstoffe, die zum Beispiel aus Abfallstoffen gewonnen werden, sind sinnvoll, jedoch nicht unbegrenzt verfügbar. Mit erneuerbarem Strom lassen sich eFuels ohne Mengenbegrenzung herstellen. Der zur Herstellung erforderliche Bedarf an erneuerbaren Energien kann weltweit generiert werden, da Speicherung und Transport einfach möglich sind.

 

 

7. Speicherung und Transport

Synthetische Treibstoffe werden mit erneuerbarer Energie hergestellt. Sie liegen anschliessend in Form von Gas oder Flüssigkeit vor. Insofern ist es mit eFuels möglich, grosse Mengen erneuerbarer Energie zu speichern und günstig auch weltweit zu transportieren. Unregelmässigkeiten der Sonnen- oder Windenergie sowie regionale Restriktionen beim Ausbau erneuerbarer Energien liesse sich damit begegnen. Das ist auch interessant für die Frage der Wirkungsgrade: Der Wirkungsgrad eines Elektrofahrzeugs der Kompaktklasse, das in Deutschland mit regenerativem Strom aus Deutschland geladen wird, liegt bei etwa 60 bis 70 Prozent. Kommt der Strom aus entfernteren Regionen und muss für den Transport zunächst in einen chemischen Energieträger umgewandelt und anschliessend wieder rückverstromt werden, sinkt der Wirkungsgrad auf 20 bis 25 Prozent. Das entspricht dem eines mit eFuels betriebenen Fahrzeugs.(pd/eka)

 

 

www.bosch.com

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