09. Mai 2010

Das Öl geht uns aus, warnen die einen. Unsinn, sagen andere

Verflixt: Wem sollen wir glauben?

Das Öl geht uns aus, warnen die einen. Unsinn, sagen andere

Franz Glinz

Noch läuft der allergrösste Teil unserer Automobile mit Derivaten aus Erdöl, mit Benzin und Diesel. Sie sind stets verfügbar, zu bezahlbaren Preisen. Nicht mehr sehr lange, wenn der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser (38) recht hat. Er glaubt, dass die Erdölförderung «irgendwo zwischen heute und 2025 schrumpfen wird, von heute 85 Millionen Fässern (à 159 Liter) pro Tag auf 80, 60, 40 Millionen Fässer täglich, Tendenz stetig abnehmend. Dies wiederholte er kürzlich in Kurt Aeschbachers TV-Talkshow.

Und dann, so fürchtet Ganser, gibts Krieg ums Öl. In einem Interview mit dem Investment-Magazin «dp payoff» prophezeit er unruhige, gefährliche Zeiten, «weil sich die fünf Geostrategen also China, Russland, Indien, die EU und die USA um die verbleibenden Erdöl- und Erdgas-Ressourcen streiten werden, mit Gewalt. Wir nennen das Ressourcenkriege. Denn wer die Ressourcen kontrolliert, kann indirekt die Rivalen in Schach halten».

Daniele Ganser, Dozent an der Uni Basel, ist einer der vielen «Peak Oil»-Propheten, die das schwächeln und Versiegen der Ölquellen an die Wand malen. Jene Zeit, da der Weltbedarf von 85 bis 95 Millionen Fass Erdöl täglich nicht mehr produziert werden könne und der Krieg beginnt.

«Peak Oil»-Apostel gibt es seit 140 Jahren und immer haben die Ökonomen gewonnen. «Das Öl wird uns nicht ausgehen. Öl und Treibstoffe können aus allem hergestellt werden, aus Ölsand, Ölschiefer, Biomasse, Kohle, ist alles nur eine Preisfrage.» Das sagte einer zu Auto&Wirtschaft, der dem Ölmarkt viel näher steht als der Schweizer Schwarzmaler: Christof Rühl (51), Chefökonom beim Energiemulti British Petroleum (BP), zuvor Ökonom bei der Weltbank in Washington, in Russland und Brasilien.

Rühl sieht mittelfristig gar ein Überangebot an Erdöl, wenn im Irak irgendwann wieder Ruhe einkehrt und das Land nicht nur zwei Millionen Fass Öl pro Tag produziert, sondern einige Millionen Fass mehr, wozu der Irak in der Lage wäre. Dann, so Rühl, fällt der Erdölpreis. Dazu komme, dass neue Quellen vor Brasilien und im Golf von Mexiko erschlossen werden.

Und dann sind da noch riesige gesicherte Reserven im Boden, die mit heutiger Technik und zu heutigen Preisen gefördert werden könnten: 1258 Milliarden Fass sind das gemäss Rühls BP-Energiestatistik-Bericht. Allein diese noch nicht angezapften Quellen würden, beim heutigen Welt-Produktionsstand, für weitere 42 Jahre reichen. Auf praktisch dieselben Werte kommt der «Oil Proved Reserves»-Bericht für 2009 der amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA).
Übrigens: Beim Erdgas, womit Autos auch angetrieben werden können, belaufen sich diese «Proved Reserves» auf 185 Trillionen Kubikmeter, beim heutigen Verbrauch eine Reserve für rund 60 Jahre.

Wem sollen wir nun glauben? Jenen mich immer wieder ärgernden Laien in den Medien, die vom baldigen Ende der Ölzeit wissen wollen? Oder den Profis der Multis, die uns seit mehr als hundert Jahren zuverlässig mit Öl und Gas versorgen? Und, zugegeben, sich dabei zu oft eine zu goldene Nase verdienten.

Eines möchte ich noch festhalten: ich besitze keine Aktien irgendeiner Ölgesellschaft. Mir widerstrebt einfach Panik- und Angstmacherei.























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