«Wenn ein Auto das Herz nicht berührt, wird es schwierig»
Posted by: Isabelle Riederer
Laurens van den Acker, Chief Design Officer der Renault Group spricht über Ikonen wie R4 und R5, Elektroplattformen und warum Design auch im Zeitalter von Software das stärkste Verkaufsargument bleibt.
Laurens van den Acker, Chief Design Officer der Renault Group.
Interview: Isabelle Riederer/ Bilder: Renault Group
AUTO&Wirtschaft: Herr van den Acker, wie hat sich der Beruf des Automobil-Designers in den letzten Jahren verändert?
Laurens van den Acker: Es hat sich alles verändert – und zugleich nichts. Heute braucht man fast einen PhD, um Autos zu entwerfen. Designer müssen nicht nur Exterieur und Interieur beherrschen, sondern auch Konnektivität, Elektroantriebe und User Experience verstehen. Der Beruf ist deutlich komplexer geworden. Früher gab es vielleicht drei oder vier Disziplinen im Automobildesign, heute sind es 15 oder mehr. Auch mein Team ist wesentlich diverser aufgestellt: Neben klassischen Automobildesignern arbeiten UX-, Sound- und Lichtdesigner mit. Was jedoch geblieben ist: Das Design ist nach wie vor das wichtigste Verkaufsargument – es macht bis zu 50 Prozent der Kaufentscheidung aus. Wenn ein Auto dein Herz nicht berührt, wird es schwierig.
Renault hat in der Vergangenheit einige ikonische Modelle auf den Markt gebracht. Was braucht ein Auto, um zur Ikone zu werden?
Man entwirft kein Auto mit dem Ziel, eine Ikone zu schaffen – so funktioniert es nicht. Ein gutes Beispiel ist der R4: Er ist eine Ikone, aber nicht, weil er besonders schön war, sondern weil er den Zeitgeist perfekt getroffen hat. Dasselbe gilt für den R5. Er verkörperte die Zeit der Emanzipation: Die Menschen verdienten mehr, der Zweitwagen hielt Einzug in die Haushalte, und Frauen setzten sich selbstverständlich selbst ans Steuer. Auch der Twingo wurde – trotz oder gerade wegen seines eigenwilligen Designs – zur Ikone. Ein Auto wird dann zur Ikone, wenn es zur richtigen Zeit den richtigen Spirit einfängt. Diese Zeitfenster muss man erkennen und nutzen – so wie bei der Alpine A110. Die Alpine war in den Sechzigerjahren eine Legende. Hätten wir zu lange gewartet, wäre die Generation, die noch eine emotionale Verbindung zu ihr hatte, verschwunden gewesen.
Mit Projekten wie dem R4 und dem R5 spielen Sie bewusst mit dem Erbe von Renault. Wie verhindert man, dass Nostalgie zur kreativen Bremse wird?
Der neue R4 und R5 sind nicht nostalgisch. Allein durch Technologie, Konnektivität und moderne Proportionen sind sie vollkommen eigenständige Fahrzeuge. Es geht auch nicht darum, einen historischen Nachfolger im Sinne eines Retro-Modells zu bauen. Entscheidend ist, zu verstehen, was von diesen Autos in den Köpfen der Menschen geblieben ist. Es geht nicht um Copy & Paste, sondern darum, den Geist der Modelle in die Gegenwart zu übertragen.
Lesen Sie das ganze Interview in der aktuellen Ausgabe von AUTO&Wirtschaft (Nr. 04/2026)



