08.04.2026

Autozubehör: Braucht es Multimedia & Co. zum Nachrüsten noch?

Auf den ersten Blick wirkt der Autozubehörmarkt wie ein Auslaufmodell. Fahrzeuge kommen heute ab Werk besser ausgestattet als früher. Infotainment, Konnektivität und Komfortfunktionen sind längst Standard oder zumindest breit verfügbar.

Autozubehör: Braucht es Multimedia & Co. zum Nachrüsten noch?

Das Geschäft mit Autozubehör verschwindet nicht. Der weltweite Markt lag 2025 bei rund 265 Milliarden Dollar. Bild: KI-generiert

Trotzdem verschwindet dieses Geschäft nicht. Es bekommt vielmehr eine neue Funktion. Der weltweite Personenwagen-Zubehörmarkt lag 2025 bei rund 265 Milliarden Dollar. Bis 2031 soll er auf gut 365 Milliarden Dollar wachsen. Entscheidend ist heute nicht mehr Zubehör als reine Verschönerung. Treiber des Markts sind andere Faktoren: der alternde Fahrzeugbestand, die Bedeutung des Occasionsmarkts und der Bedarf, Fahrzeuge länger aktuell zu halten.

 

Der Occasionsmarkt gibt den Takt vor

Laut einer für die ACEA erstellten Studie liegt das Gebrauchtwagen-Transaktionsvolumen in Europa rund dreimal so hoch wie jenes des Neuwagenmarkts. Rund 83 Prozent der Occasionskäufer sind Privatpersonen. Genau hier gewinnt Zubehör wieder an Gewicht. Nicht als Nebensache, sondern als Mittel, um ein Fahrzeug aufzuwerten, Ausstattungsdefizite zu schliessen, das Auto alltagstauglicher zu machen und die Wiederverkaufsattraktivität zu steigern.

 

Die Schweiz zeigt das Muster besonders deutlich

In der Schweiz ist diese Dynamik besonders gut sichtbar. Denn das Durchschnittsalter der Personenwagen steigt kontinuierlich, heute sind es rund 11 Jahre. Je länger ein Auto im Einsatz bleibt, desto grösser wird der Bedarf an allem, was es funktional, aktuell oder einfach angenehmer macht: Audiosysteme, Smartphone-Schnittstellen, saisonales Zubehör, Schutzkomponenten, Pflegeprodukte und Reifen. 

 

Klassiker und Youngtimer halten das Segment lebendig

Hinzu kommt das Klassiker- und Youngtimer-Segment, das in einem Land wie der Schweiz besonderes Gewicht hat. Gemäss Astra waren Anfang 2021 bereits mehr als 98’000 als Veteran registrierte Fahrzeuge auf Schweizer Strassen unterwegs. Dazu kommen rund 90’000 Autos und Motorräder, die älter als 30 Jahre sind. 

Gerade hier zeigt sich, wie spezifisch und zugleich lebendig dieser Teilmarkt sein kann. Blaupunkt bietet etwa Autoradios im Retro-Look an, kombiniert mit aktueller Technik wie Bluetooth, DAB, Apple CarPlay und Android Auto (siehe nächste Seite). Emil Frey Classics bietet DAB+-Lösungen, mit denen Originalradios optisch original bleiben und technisch aufgerüstet werden können. Alternativ gibt es Geräte im klassischen Stil mit aktueller Technik, inklusive USB, Bluetooth und Freisprecheinrichtung. Auch bei Reifen und Felgen gilt dieselbe Logik. Die Produkte sollen optisch zur jeweiligen Epoche passen, profitieren laut Hersteller aber von aktuellen Fortschritten bei Materialien und Technologie.

 

Der Zubehörmarkt ist kein Relikt

Der Autozubehörmarkt bleibt relevant, weil der Fahrzeugbestand in Europa und in der Schweiz gross, heterogen und vergleichsweise alt ist. Die Produkte verändern sich, und auch das Angebot verschiebt sich. Die wirtschaftliche Funktion des Zubehörs bleibt. Es begleitet das Auto über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus, vom Erstbesitz über den Occasionsmarkt bis hinein in die spezialisierte Welt der Klassiker. Und auch bei neuen, elektrifizierten und vernetzten Fahrzeugen entwickelt sich Zubehör weiter: in Verbindung mit Ladelösungen, Energiemanagement und neuen Nutzungsmodellen.

 

In der aktuellen Printausgabe von AUTO&Wirtschaft, die diese Woche erscheint, gibt es Autozubehör zu entdecken.

 

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