16. Dezember 2009

ADAC testete 360 Fussgängerstreifen in Europa - auch in der Schweiz

Der ADAC überprüfte insgesamt 360 Fußgängerquerungen in den Zentren von 38 europäischen Großstädten, darunter auch in Genf. Getestet wurde ausschließlich die Sicherheit und zwar in den Kategorien Sichtbarkeit, Gestaltung sowie Zugang. Lesen Sie die Originalmitteilung vom ADAC:

ADAC testete 360 Fussgängerstreifen in Europa - auch in der Schweiz

Unterschiedliche Standards in Europa: Sicherheit von Fussgängerstreifen

Unterschiedliche Gepflogenheiten in den einzelnen Ländern machen das Miteinander von Fußgängern und Autofahrern an Fußgängerüberwegen in Europa problematisch. Gestaltung und Regelungen unterliegen den verschiedensten nationalen, wenn nicht sogar örtlichen Vorschriften. Das ist das wichtigste Ergebnis des diesjährigen ADAC-Tests von 360 Überwegen in 38 europäischen Großstädten. Eine Harmonisierung, zunächst wenigstens in Form von Mindeststandards, tut dringend Not.

 

Alle Autos stehen still, wenn der Fußgänger es will. Zumindest in Großbritannien. Dort nämlich hat der Fußgänger Vorrang vor einem Auto, sobald er den Bordstein betritt, um die Straße zu überqueren. Reist der in dieser Hinsicht verwöhnte Brite nach Italien, droht ihm Gefahr. Denn dort muss der Autofahrer nur anhalten, wenn der Fußgänger sich bereits auf dem Überweg befindet. Einige Staaten rüsten ihre Ampelwege grundsätzlich auch noch mit Zebrastreifen aus, in anderen Ländern wie zum Beispiel Deutschland ist genau das verboten. Soweit einige Beispiele.

 

Die Wertung: Jeder sechste der europäischen Testkandidaten fiel mit der Note bedenklich oder mangelhaft durch. Mit 58 Prozent gut die Hälfte lag im positiven Bereich: Nur 15 Überwege schafften die Bestnote sehr gut, 193 gut. 93 Querungen, also fast jede vierte, wurden als ausreichend beurteilt, und sind damit nicht frei von Verbesserungsbedarf. Die beiden als einzige im Test mit der Note mangelhaft bewerteten Überwege stellt Italien: Das Schlusslicht liegt in der Via Palestro, am Eingang des Giardini Indro Montanelli in Mailand. Die Adresse des zweitschlechtesten Überwegs lautet Via San Carlo/ Piazza Trieste e Trento in Neapel. Und nicht nur das: Kein einziger der neapolitanischen Testobjekte schnitt mit einer Note im positiven Bereich ab. Am entgegen gesetzten Ende der Skala liegt als beste Querung im Test eine Anlage im slowakischen Bratislava an der Kreuzung Klemensova/ Dostojevského rad. Sie präsentierte sich in Höchstform.

 

Zeit für den Blick nach Deutschland. Hier gab es kein Mangelhaft, aber immerhin zwölf Mal die Note bedenklich. Etwas mehr als die Hälfte der Überwege mit Ampeln oder Zebrastreifen waren sehr gut oder gut. Jeder Dritte kam über ein Ausreichend nicht hinaus. Schlechtester im deutschen Testfeld und in Europa unter den schlechtesten Zehn ist der auf der Rechtsabbiegespur liegende Zebrastreifen in der Lange-/ Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart. Das genaue Gegenteil und Klassenbester mit der Note sehr gut: Ein Überweg mit Zebrastreifen an der Kreuzung Brunn-/ Kreuzstraße in München, gefolgt von dem in der Lederer-/ Orlandostraße. Diese Münchner Kindl belegten gar die Plätze 3 und 4 im europäischen Vergleich. Die beiden weiteren sehr Gut bekamen der Zebrastreifen in der Hamburger Münzstraße/ Hühnerposten sowie eine komplexe Anlage mit einer Ampel und zwei Zebrastreifen auf den Rechtsabbiegespuren in der Eschersheimer Landstraße/ Adickesallee in Frankfurt am Main. Applaus für die Städte Dresden, Essen und Hannover, in denen kein einziges Testobjekt durchgefallen ist.

 

Die Unterschiede bei der Gestaltung und Instandhaltung von Fußgängerüberwegen machen sich auch innerhalb Deutschlands bemerkbar, trotz einheitlicher Straßenverkehrsordnung und einschlägiger Vorschriften. Bei den Rechtsabbiegespuren mit Dreiecksinseln zum Beispiel. Sie gibt es mit eigenen Ampeln, mit Zebrastreifen oder mit einem einfachen Nichts. Alles andere als ein Ruhmesblatt ist die oft im Test festgestellte Vernachlässigung behinderter Fußgänger: Da wird schon mal vergessen, den Bordstein auf einer Gehwegseite abzusenken, manchmal sogar auf beiden Seiten. Auch die Neigung des Gehwegs ist nicht selten zu stark und damit für Rollstuhlfahrer gefährlich. Wie ein roter Faden zog sich das Fehlen von Ampeln mit akustischen Signalen oder vibrierenden Tastern sowie Leitsystemen am Boden für Sehbehinderte und Blinde durch den Test. Zu oft mussten die Tester die Beleuchtung der Überwege bemängeln, ebenso wie Hindernisse, die den Sichtkontakt zwischen Autofahrer und Fußgänger beeinträchtigen, und sei es nur eine harmlose Grünpflanze. Konflikte mit Radfahrern entstehen durch das nicht zu Ende gedachte Anlegen von Radwegen, nämlich dann, wenn sie die Wartezone für die Fußgänger durchschneiden und dadurch verkleinern.

 

Selbst Ampeln funktionieren durchaus unterschiedlich. Fußgänger nerven lange Rot- und zu kurze Grün-Phasen. Gefreut haben sich die Experten über die (wenigen) Countdown-Anzeigen an Ampeln in Hamburg, die den Fußgängern die verbleibende Zeit der Grün-Phase signalisieren. Oder über ein Signal bei Bedarfsampeln in Dresden und Leipzig, das dem Fußgänger nach der Grünanforderung mittels „Warte" oder „Signal kommt" meldet, dass er „verstanden" worden ist, und das verhindern soll, dass er die Wartezeit als zu lang empfindet und bei Rot über die Straße geht.

 

Defizite bei der Instandhaltung können fatale Folgen haben. Am Zebrastreifen beispielsweise. Die weiße Fahrbahn-Markierung zeigt dem Autofahrer an, dass der Fußgänger hier Vorrang hat. Ist sie zu sehr abgenutzt, wiegt sich der Fußgänger in trügerischer Sicherheit. Denn ab einer bestimmten Stufe der Abnutzung gilt dieser Vorrang nicht mehr. Das aber kann er nicht wissen. Fehlen die Hinweisschilder am Zebrastreifen, kann sich der Autofahrer nicht rechtzeitig auf den Zebrastreifen und damit das Vorrecht des Fußgängers einstellen.


Fazit: Auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich nicht schlecht abgeschnitten hat, gibt es keinen Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Zu oft muss auch hierzulande nachgerüstet werden - und zwar, bevor etwas passiert.

 

Mehr Informationen auf

www.adac.de (Suchbegriff: Fussgängerüberwege)

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