13. November 2019

Autonome Autos: Fahrausbildung muss sich grundlegend ändern

Selbstfahrende Autos werden kommen. Doch schon jetzt wird der Mensch am Steuer zunehmend entlastet. Stellt sich die Frage: Was hat das für Auswirkungen auf die Fahrausbildung? Die BFU erforscht das Thema intensiv.

Autonome Autos: Fahrausbildung muss sich grundlegend ändern

Selbstfahrende Autos ohne Lenkrad, Gas- und Bremspedal sind eine realistische Vision. Bis sie unsere Strassen erobern, werden noch Jahrzehnte vergehen – doch bis dahin wird die technische Unterstützung schrittweise zunehmen und der Mensch am Steuer entlastet. Somit stellt sich die Frage, was künftige Fahrschülerinnen und Fahrschüler überhaupt noch können müssen. Welche Theorie müssen sie büffeln? Und was wird an praktischen Prüfungen getestet, wenn Autos vermehrt selber fahren? Für die BFU ist klar: Die Fahrausbildung gilt es komplett neu zu konzipieren.

 

Bis alle Autos auf Schweizer Strassen ganz alleine fahren, während man auf dem Fahrersitz lesen, arbeiten oder schlafen darf, wird es noch einige Jahrzehnte dauern. Doch die Automatisierung ist schon jetzt sichtbar: Immer mehr Autos sind mit technischen Fahrerassistenzsystemen ausgestattet, die in gewissen Situationen beim Lenken, beim Abstandhalten oder beim Bremsen helfen.

 

 

Die Verkehrsexpertinnen und -experten der BFU rechnen mit deutlich tieferen Unfallzahlen, wenn dereinst alle Fahrzeuge vollautomatisiert fahren. Heikel ist allerdings die jahrzehntelange Übergangsphase, die neue Gefahren mit sich bringt: zum Beispiel, dass Automobilistinnen und Automobilisten die Wirksamkeit technischer Assistenzsysteme überschätzen oder ihre Funktionsweise missverstehen. Beides kann zu riskantem Fahrverhalten führen.

 

 

Entscheidend ist, dass die Fahrausbildung mit der Technologie schritthält. Eine Online-Umfrage der BFU, an der sich 338 Fahrlehrer und Fahrlehrerinnen in der Deutsch- und Westschweiz beteiligt haben, zeigt, dass 46 Prozent von ihnen schon heute Systeme wie Notbrems- oder Spurhalteassistenten konsequent im Unterricht ansprechen. Diese Eigeninitiative ist zwar zu begrüssen, doch entscheidend ist, welche Informationen im Theorieunterricht vermittelt werden. Dieser bietet die Chance, den Fahranfängerinnen und Fahranfängern nicht nur die Vorteile von Fahrerassistenzsystemen aufzuzeigen – sondern auch deren Grenzen und die neuen Risiken.

 

 

In Fahrzeugen mit einem niedrigen Automatisierungsgrad, die sich in einem ersten Schritt auf dem Automarkt ausbreiten werden, bleibt der Mensch am Steuer jederzeit verantwortlich für das Geschehen auf der Strasse. In einem nächsten Schritt wird der Mensch das Auto in bestimmten (vom Hersteller definierten) Situationen zwar selber fahren lassen können, doch bei Bedarf wird er rasch das Steuer übernehmen müssen. In Bezug auf die Fahrausbildung stellen sich somit viele Fragen, welche die BFU intensiv erforscht. Beispielsweise: Wie gelangen künftige Generationen zu einem routinierten Fahrstil, wenn sie ohnehin nur in Ausnahmesituationen selber eingreifen müssen? Wie sieht dereinst die Theorieprüfung aus, wenn Autos alle Verkehrsschilder per Sensor selber lesen? Müssen Fahrschülerinnen und Fahrschüler die Bedeutung der Schilder dann überhaupt noch lernen?

 

 

Denkbar ist, dass im Theorieteil der Fahrausbildung künftig das Verständnis für die Fahrzeugtechnik eine grössere Bedeutung erhält. Zu klären ist auch, ob an der praktischen Prüfung weiterhin konsequent selber gefahren wird. Oder ob es auch an der Prüfung irgendwann heisst: Eingreifen nur bei Bedarf.

Die Fülle an offenen Fragen zeigt: Die Fahrausbildung muss massgeblich angepasst werden, damit unter dem technologischen Fortschritt nicht die Sicherheit im Strassenverkehr leidet. (pd/mb)

 

 

www.bfu.ch

 

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