02. Juni 2009

Zahl der möglichen Lernenden nimmt ab

Ein Garagist konnte sich in der Schweiz bisher nicht über mangelnden Nachwuchs beklagen. Dank der Attraktivität unserer Branche wählen viele Jugendliche eine Berufsausbildung im Autogewerbe. In den vergangenen Jahren stellt man aber fest, dass der Ansturm für eine Schnupperwoche oder auch die Anzahl Bewerber für eine offene Ausbildungsstelle geringer wird.

Attraktives Berufsumfeld

Der Grund liegt sicherlich nicht in der Fahrzeugtechnik: Innovativere Technologie fordert alle Werkstattmitarbeitenden mehr heraus. Für Diagnosen an elektronischen Systemen sind Fachleute immer mehr gesucht. Sich dieser Herausforderung zu stellen und in einem dynamischen Umfeld zu arbeiten, kann als Pluspunkt für das Garagengewerbe gewertet werden.

Warum also wird es schwieriger, interessierte Jugendliche für die technischen Berufe zu begeistern, die auch die Anforderungen des Gewerbes erfüllen? Die Resultate der Eignungstest zeigen, dass tendenziell weniger qualifizierte Schüler sich fürs Autogewerbe interessieren. Bisher wählte jeder sechste Jugendliche den Beruf des Automechanikers. Durch die gestiegenen Anforderungen beim Automobilmechatroniker/in wird sich dieser Trend vielleicht in eine andere Richtung bewegen.

Zwei Faktoren spielen dabei eine grosse Rolle: Die berufliche Grundbildung wird von den Jugendlichen immer weniger gewählt (siehe Kasten) und die Anzahl von Jugendlichen, die vor dem Übertritt in die Sekundarstufe 2 sind (Berufslehre, Gymnasium), nimmt kontinuierlich ab. Das Bundesamt für Statistik hat aufgrund der aktuellen Datenlage eine Hochrechnung der Geburtenzahl bis ins Jahr 2017 zusammengestellt. Der Trend ähnelt stark der aktuellen Wirtschaftslage. Die Zahl nimmt kontinuierlich ab.

Informations-Marketing

In einigen Jahren wird das Autogewerbe – allen voran der Autogewerbeverband Schweiz AGVS – nicht darum herum kommen, seine Marketingaktivitäten in der beruflichen Grundbildung noch zu verstärken. Mit Imagefilmen und einigen Flyern lässt sich die geringere Zahl von Jugendlichen nicht mehr ins Garagengewerbe locken. Der Kuchen wird merklich kleiner.

Es genügt künftig nicht mehr, die kantonalen Berufsinformationszentren mit Informationsmaterial zu beliefern. Unser Gewerbe wird sich im Konkurrenzkampf mit anderen Branchen behaupten müssen.
Als mögliche Instrumente haben sich zwei Vorgehensweisen bisher bewährt: Grosse Garagen laden Schulen zum Tag der offenen Tür ein oder Garagisten besuchen Schüler der 8./9. Klasse und zeigen die Ausbildungsmöglichkeiten in der beruflichen Grund- und Weiterbildung im Autogewerbe auf. Für diese Anstrengungen müssen aber zuerst Freiwillige gefunden oder entsprechend finanzielle Mittel vom Verband zur Verfügung gestellt werden.

Rahmenbedingungen

Eine weitere Hürde ist die Lohnentwicklung im Garagengewerbe. Erst wenn ein(e) ausgebildete(r) Berufsmann/-frau eine der Ausbildung entsprechende Entlöhnung erwarten darf, können Schüler, die mit einer Ausbildung im gymnasialen Bereich liebäugeln, für eine Ausbildung im Autogewerbe motiviert werden. Dieser Umstand wird mit der Struktur im Garagengewerbe allerdings verstärkt. Dank der Anzahl eher kleiner und mittlerer Unternehmen werden mehr gut ausgebildete Spezialisten für Diagnosen und komplizierte Reparaturen benötigt als beispielsweise im Ausland. Die Betriebsgrössen lassen sich nicht mit helvetischen Verhältnissen vergleichen.
Kleinstbetriebe können die anfallende Lohnsumme nicht auf mehr Angestellte mit geringem Verdienst aufteilen. Somit muss die Rentabilität durch andere Massnahmen erhöht werden.
Ein weiteres Problem ist die Abwanderung in andere Branchen nach der Ausbildung. Stellt sich beispielsweise die Frage der Familienplanung und wird das Budget durchgerechnet, stellt der/die junge Berufsmann/-frau rasch fest, dass die Lohntüte im Vergleich zu anderen Branchen bescheiden gefüllt ist. Dank der breiten mechanischen Ausbildung stehen den jungen Berufsleuten nach ein paar Jahren im Garagengewerbe die Türen in andere Branchen weit offen.

Einbezug aller Fakten

Dem Garagengewerbe muss es gelingen, diese Trends zu seinen Gunsten zu drehen. Die Bewerbung der beruflichen Grundbildung muss verbessert werden, und es muss den Garagisten gelingen, den wertvollen Werkstattmitarbeitenden angemessene Saläre zu zahlen, um sie auch langfristig an sich binden zu können.
Jeder achte Arbeitsplatz hängt in der Schweiz vom Automobil ab. Rund 5300 Garagen und knapp 40’000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sorgen für die Wartung und Reparatur des Fahrzeugparkes. Obwohl der Neuwagenverkauf wegen der Wirtschaftskrise eingebrochen ist, wird der Unterhalt der Fahrzeugflotte nicht geringer werden.

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