15. Juli 2011

Chinesische Automobilzulieferer expandieren durch Übernahmen in Europa

Die Zeiten, in denen sich chinesische Investoren auf günstige Zukäufe angeschlagener Unternehmen fokussieren, ist längst vorbei. Neu wird gezielt und intensiv nach westlichen Unternehmen gesucht, mit denen die eigene technologische Wettbewerbsposition verbessert werden kann.

Chinesische Automobilzulieferer expandieren durch Übernahmen in Europa

Im Anschluss an die Krisenjahre 2008 und 2009 erholte sich der geschüttelte Markt für die weltweite Zulieferindustrie rasch - bereits im Jahr 2010 sank die Anzahl der Insolvenz meldenden Automobilzulieferer signifikant. «Seitdem sich die Automobilmärkte weltweit stabilisiert haben, kommen immer mehr Unternehmen auf den Markt, die nicht aus einer Zwangslage - wie etwa einer Insolvenz - heraus verkauft werden», erklärt Marcus Berret, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants. Der Grossteil der veräusserten Unternehmen seien bereits im Bestiz von Finanzinvestoren und besonders abhängig von der Unterstützung der Automobilhersteller gewesen. Auch die Zulieferer, die in den Krisenjahren Insolvenz anmelden mussten, wurden überwiegend weitergeführt und anschliessend veräussert. Eine Konsolidierung im Sinne einer Marktbereinigung blieb weitgehend aus. «Verantwortlich dafür sind vor allem die Automobilhersteller», erklärt Berger-Experte Berret. «Denn ihre Strategie liegt darin, die Marktanteile jedes einzelnen Zulieferers je nach Produktsegment unter maximal 40 Prozent zu halten. Zu grosse Marktanteile in einem bestimmten Marktsegment würden zu einer Übermacht der Zulieferer führen. Entsprechend könnten Lieferanten die Produktpreise selbst bestimmen - zu Lasten der Abnehmer.»

 

Auf dem Transaktionsmarkt verlagerte sich der Trend in den letzten Jahren von reinen Finanzinvestoren hin zu industriellen, strategischen Investoren. Vor allem asiatische Investoren - allen voran aus China - sind daran interessiert, sich durch Übernahmen in Europa Marktanteile zu sichern und technologisches Know-how zu erwerben. Die OEMs setzen dem nur wenig entgegen, weil sie eine weitere Qualifizierung der chinesischen Zuliefererbasis durchaus wünschen. Gleichzeitig besteht die Hoffnung auf eine Kombination von chinesischen Low Cost-Ansätzen mit westlicher Technologie. Vor der Krise seien solche Übernahmen durch chinesische Investoren aufgrund mangelnder Zahlungsbereitschaft und Professionalität nicht zustande gekommen, erkäutert Berger-Experte Kohlen. Dies habe sich mittlerweilen geändert: «Chinesische Investoren haben verstanden, dass gute Unternehmen entsprechend viel kosten und sind mittlerweile bereit, dafür zu zahlen. Ausserdem haben sie ihre Übernahmeprozesse erheblich professionalisiert.»

 

Das Vorgehen der chinesischen Investoren ist kein Zufall. Die Wirtschaftspolitik der Volksrepublik China setzt gezielt auf diese Strategie. Im Rahmen des aktuellen Fünfjahresplans fokussieren chinesische Unternehmen darauf, ihre technologische Position durch Investitionen im Ausland zu verbessern, zu global agierenden Marktführern in ihren jeweiligen Segmenten zu werden und der chinesischen Automotive-Branche dadurch zu einem Jahreswachstum von zehn Prozent zu verhelfen.

 

«Auch in der Schweiz klopfen diese Unternehmen schon an», sagt dazu Roland Berger Partner Sven Siepen aus Zürich, «bisher sehen wir Übernahmen eher in anderen Branchen wie der Uhrenindustrie, aber auch Schweizer Automobilzulieferer stellen attraktive Übernahmeziele dar, zumal viele über einen attraktiven Footprint in Europa und China verfügen.» Sollte diese Entwicklung so fortschreiten, wird das die Zulieferindustrie weltweit verändern. Der Integrationsaufwand dahinter ist immens - starke kulturelle Unterschiede müssen überwunden und Managementmethoden aufeinander angepasst werden. Der potenziell erhebliche Wettbewerbsvorteil dieser Unternehmen sei nicht zu unterschätzen, sagt Roland Berger Partner Marcus Berret: «Chinesische Investoren verfügen in der Regel über grosse Kapitalreserven, um das Unternehmenswachstum zu finanzieren. Ausserdem besteht in der Automotive-Branche die Hoffnung, dass chinesische Zulieferer in Zukunft niedrige Kosten mit den hohen Standards westlicher Technologie verbinden werden. Dadurch würden sie weiter an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen und ihren Marktanteil deutlich ausbauen.» (as)

 

 

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