10. März 2011

E10 - Fluch oder Segen?

In Deutschland wird die Einführung des Benzin-Ethanol-Kraftstoffgemischs E10 derzeitig scharf diskutiert und nimmt daher nahezu chaotische Verhältnisse an.

E10 - Fluch oder Segen?

In unserem Nachbarland herrscht das Treibstoff-Chaos: Die Diskussionen um den neu eingeführten Ottokraftstoff E10, bei dem aus Argumenten des Umweltschutzes 10% Ethanol zu mineralischen Kraftstoffen beigemischt wird, werden immer lauter. In der Europäischen Union wurde die Einführung von E10 verpflichtend bis 2020 beschlossen. In Deutschland erfolgt die Umsetzung durch entsprechende Regelungen im Bundes-Immissionsschutzgesetz.

 

Nun werden jedoch Stimmen von Umweltorganisationen immer lauter, die die Effizienz der Umweltverträglichkeit kritisieren, da für den Gewinn von Ethanol eigens Wälder gerodet werden müssen und bei Erzeugung und Transport fossile Brennstoffe eingesetzt werden, wodurch sich die Klimabilanz sogar in einen Nachteil verkehren könnte.

 

Des Weiteren würde die Verdoppelung der benötigten landwirtschaftlichen Fläche für den Anbau von Monokulturen für die Herstellung von Bioethanol höhere Kohlendioxid-Emissionen verursachen und die Schadstoffbelastung durch den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden stark zunehmen. Die Umweltorganisationen raten daher vermehrt von einer Nutzung des Treibstoffs ab und fordern strengere Regeln für dessen Erzeugung.

 

Einen anderen, bitteren Beigeschmack des Einsatzes von E10 stellt dessen mangelnde Eignung für diverse Fahrzeuge dar: Bei älteren Autos besteht die Möglichkeit einer Korrosion bei Bauteilen aus Aluminium, insbesondere der Treibstoffversorgung, und Kunststoffen, die in Schläuchen und Dichtungen enthalten sind. Folge davon wären Motorschäden oder undichte Stellen. Aus diesem Grund schreckt laut der Zeitschrift "Focus" selbst manch staatliche Institution vor dem Ethanol-Benzin-Gemisch zurück: Sogar die Polizei in Schleswig-Holstein geht auf Nummer sicher und betankt ihre Autos vorerst nicht mit E10.

 

Was die Herren, die für Recht und Ordnung sorgen, verschmähen, kommt weiter auch beim gemeinen Volk nicht gut an: Der deutsche Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) gab am 3. März 2011 bekannt, die Einführung von E10 sollte aufgrund massiver Absatzprobleme sowie Versorgungsengpässen bei anderen Benzinsorten pausiert werden. Etwas später erklärte der Verband korrigierend, dass lediglich die Raffinerieproduktion der Nachfrage angepasst werde und die Einführung des Treibstoffes entsprechend der politischen Vorgaben der Bundesregierung weiterlaufe.

 

Der deutsche Bundesumweltminister Norbert Röttgen kritisierte das von der Mineralölwirtschaft verursachte Durcheinander und die von ihr ausgehenden Verunsicherung des Verbrauchers als inakzeptabel und forderte eine vernünftige Strategie ohne tägliche Widersprüche. Am 8. März berief Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle für alle Beteiligten den ersten «Benzin-Gipfel» ein, der die weitere Markeinführung befürwortete.

 

Und was ist mit der Schweiz? Laut dem TCS wären mehrere hundert Millionen Liter Ethanol nötig, um den gesamtschweizerischen Bedarf an Bleifrei 95 damit zu mischen. Zusätzlich schreibe das Gesetz vor, dass das Ethanol nachweislich in einer sehr hohen Qualität sowie ökologisch und sozial verträglich - also nicht in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion - hergestellt werden muss. Diese Art von Ethanol sei in grösseren Mengen noch sehr schwer auf dem Markt zu finden und ohne einen steuerbefreiten Import lohne sich die Einführung nicht. Mittelfristig sei daher in der Schweiz wohl kaum mit einem Ersatz des Bleifrei 95 durch E10 zu rechnen. Auch Dr. Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung ist überzeugt: «E10 ist in der Schweiz kein Thema, sie ist derzeit die biotreibstofffreie Insel Europas (as)

 

 

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