24. September 2010

Der Schweizer Franken als Fluchtwährung

«Die Kurse an den Devisenmärkten sind ein virtueller Wert, der Ängste und Hoffnungen widerspiegelt.»

Der Schweizer Franken als Fluchtwährung

Jürg Rothen, Finanz- und Wirtschaftsexperte

Liebe Leser, ich hoffe sehr, dass Sie unfallfreie und vergnügliche Ferien verbracht haben. Und natürlich hoffe ich, dass Sie ganz kräftig vom tiefen Euro profitiert haben. Obwohl der tiefe Eurokurs natürlich grosse Teile der Wirtschaft belastet, ist dieser Zustand für uns als Touristen im Ausland natürlich traumhaft. Umso mehr, als dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit nächsten Sommer so nicht mehr zu haben ist.
Denn in Wirklichkeit haben wir nicht so sehr einen schwachen Euro, als viel mehr einen starken Franken! Obwohl das rein rechnerisch keinen Unterschied ausmacht, so lässt sich daraus doch einiges lesen:
Wie wir mittlerweile wissen, sind die Kurse an den Börsen – genauso wie an den Devisenmärkten – vielmehr ein nahezu virtueller Wert, der Ängste und Hoffnungen widerspiegelt, als ein Faktor, der echte Marktkräfte repräsentiert. Dies gilt natürlich auch für das Verhältnis vom Schweizer Franken zum Euro.

Der Schweizer Franken ist seither eine so genannte Fluchtwährung. Gold hat eine ähnliche Funktion. Sind die Teilnehmer an den weltweiten Märkten verunsichert über den Zustand bestimmter Wirtschaftsregionen, dann verkaufen sie ihre Heimwährung gegen den Schweizer Franken. Dies löst bereits einen Kursanstieg beim CHF aus. Haben die Marktteilnehmer gar Angst vor der wirtschaftlichen Entwicklung, dann häufen sie den Franken, sie flüchten in den Franken. Deshalb eine Fluchtwährung, denn international gesehen hat die Schweiz immer noch den Ruf eines wirtschaftlich reichen und politisch kalkulierbaren und stabilen Landes.

Diese Trends werden von den Spekulanten bereits sehr früh erkannt. Und sie werden ausgenutzt. Es werden riesige Summen darauf gewettet, dass sich so ein Trend weiter verstärkt. Und genau diese Riesensummen, die verwettet werden, verstärken den Trend nochmals und stärken den Franken erneut. Dieses Spiel geht üblicherweise so lange, bis entweder die Marktteilnehmer von den schlechten Neuigkeiten langsam gelangweilt werden und glauben, dass es so schlecht nicht sein kann, oder sie aber mit den Wetten genug verdient haben und die grossen Gewinne nach Hause fahren. Beides kehrt den Trend um. Der Franken normalisiert sich wieder.

Genau so wird es auch dieses Mal funktionieren. So langsam ist der Franken überkauft. Die Verluste beim Euro sind übertrieben und spiegeln nicht mehr einen vertretbaren Durchschnittswert. Erst recht gilt dies für den Franken. Wenn wir bedenken, wie sehr der Erfolg unserer Schweizer Wirtschaft vom Export in den Euroraum abhängt, dann spiegelt objektiv gesehen der Wert des Frankens nicht mehr die reale Kraft.

Natürlich werden die reinen Spekulanten mit ihren Wetten noch testen, wie weit sie den Euro runterwetten können. Dies gehört zum Spiel. Und da der Euro bereits unter 1.30 Wert war, ist das Spiel durchaus erfolgreich. Aber eben, irgendwann haben sich genug Profite angehäuft, so dass der Franken wieder verkauft und der Trend gedreht wird.
Übrigens können in dieser Situation auch die viel zitierten Zentralbank-Interventionen nichts ändern. Sie kosten unglaublich viel Steuergeld, das irgendwo verpufft, ohne nennenswerten Effekt.

Für die, die unter dieser Situation leiden, oder sich nicht gegen die Währungsverluste abgesichert haben oder absichern konnten bleibt ein kleiner Trost: Die Herbstferien kommen bald und in der Eurozone sind sie so günstig wie selten zu haben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bereits jetzt eine erfolgreiche Ferienplanung!

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