24. September 2010

(Strom-)spannende Geldanlage

«Da tut sich ein Multi-Milliarden­geschäft auf»

(Strom-)spannende Geldanlage

Franz Glinz, Wirtschaftsjournalist und profunder Kenner der internationalen Automobilbranche

Eine Million! Die hätte wohl jeder Normalverdiener gerne, der geplagt wird von steigenden Krankenkassenprämien und Wohnungsmietpreisen sowie andauernd ins Haus flatternden Steuerrechnungen. Eine Million, egal ob in Franken, Euro oder Dollar.

Kleingeld! Wer spricht denn heue noch von Millionen?! Zumindest in der Geschäftswelt und in der Politik zählen doch nur noch Milliarden. Nur einige Beispiele: Milliardenverluste machte die UBS noch vor nicht langer Zeit. Jetzt schreibt sie einen Zwei-Milliarden-Gewinn. Ein paar neue Kampfflugzeuge für unsere Luftwaffe kosten nicht wie einst einige hundert Millionen, sondern Milliarden Franken. Mit ix Milliarden sind Euro-Länder verschuldet. BP schreibt nach dem Öl-Desaster im Golf von Mexiko 18 Milliarden Verlust.

Auch mittlere Bankbeamte geben sich nicht mehr mit Millionen ab. «Da tut sich ein Multi-Milliardengeschäft auf», sagte mir kürzlich Michael Winkler, Senior Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Er schreibt im «ZKB-Wirtschaftsmagazin», dass «in zehn Jahren ein Markt für Batterien von Hybrid- und Elektrofahrzeugen von bis zu 50 Milliarden US-Dollar entstehen könnte». Leser meiner Kolumne kennen meine Skepsis gegenüber der Elektromania, die viele Politiker, Medien und auch Autohersteller erfasst hat. Obwohl Letztere wissen, dass der immer sparsamere Benzin- und Dieselmotor noch über Jahrzehnte dominieren wird.

Die grossen Autoproduzenten werden mit ihren Elektroautos noch lange keine riesigen Profite machen. Kleine Anleger und grosse Spekulanten aber vielleicht schon, wenn die Prognosen zutreffen, dass in 15 Jahren der Anteil von Hybrid- und Elektrovehikeln rund 30 Prozent ausmacht. Dafür hat die ZKB nun einen «Aktienbasket Hybrid- und Elektromobilität» lanciert. Mit dem Geld, das die Anleger in diesem «Aktien-Korb» werfen, investiert die Bank in 15 zumeist asiatische und US-amerikanische Firmen, die Batterien, Elektromotoren, Steuerungen und andere Komponenten zwecks Elektromobilität herstellen.
Wenns wie vorgesehen klappt, verdienen die Bank und die Investoren Geld. Flacht der Elektro-Boom aus irgendwelchen Gründen ab, dann nicht.  Etwa weil die Autohersteller immer sparsamere und sauberere Motoren auf den Markt bringen. VW beispielsweise machts mit der BlueMotion-Technologie vor, Seat mit dem 1.2 TDI CR-Motor (3,4l/89 g/km CO2), Nissan mit dem Dreizylinder-Benziner HR 12DDR, nur 95 g/km CO2.

Elektro- und Hybridfahrzeuge als künftiges Investitionsvehikel: Vorsicht, nicht gleich das ganze Geld in den Aktienbasket werfen. Denn ganz ohne Risiko ist diese Anlage nicht. Immerhin schreibt die ZKB: «Das vorliegende Finanzinstrument gilt in der Schweiz als strukturiertes Produkt; es gilt nicht als kollektive Kapitalanlage im Sinne des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG) und untersteht deshalb nicht den Schutzvorschriften dieses Gesetzes sowie auch nicht der Genehmigungspflicht und der Aufsicht der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht.»

Verfallen wir nicht allzu toll der Elektromania, auch wenn der federführende ZKB-Analyst Michael Winkler sich freut: «So dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir die Beschleunigung, die wir heute nur von Autos kennen, die weit über
100000 Franken kosten, auch in reinen Elektrofahrzeugen erleben dürfen - nur preiswerter und deutlich umweltfreundlicher.»

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