TDC Hagel Drive-in: Nach dem Hagel kommt der Scanner
Posted by: Mario Borri
Der Hagel vom 28. August hat Zehntausende Autos beschädigt. Im besonders stark getroffenen Zürcher Unterland hat TDC deshalb in Bachenbülach einen temporären Hagel-Drive-in eingerichtet. Über 400 Fahrzeuge werden hier innert einer Woche begutachtet.
Familien, Einzelpersonen und Paare bringen ihre beschädigten Fahrzeuge zum Hagel-Drive-in von TDC in Bachenbülach.
Langsam rollt der weisse BMW in die Halle. Der Fahrer hat die ganze Familie mitgebracht, die Kinder schauen neugierig zu. Vor ihnen erhebt sich ein mächtiger weisser Bogen, bestückt mit Kameras und Leuchten. Das Auto fährt hindurch, auf den Bildschirmen daneben erscheinen die Aufnahmen. Delle um Delle wird sichtbar.
An diesem Samstagnachmittag wiederholt sich das Prozedere immer wieder. Einzelpersonen kommen, Paare, Familien mit Kindern. Sie alle wollen wissen, was der Hagel an ihrem Auto angerichtet hat – und wie es nun weitergeht.
Eine Schneise vom Seeland bis zum Bodensee
Zwei Wochen zuvor, am Freitagvormittag des 28. August, war ein aussergewöhnlich heftiges Hagelunwetter über Teile der Schweiz gezogen. Vom Bieler Seeland über Solothurn und Olten bis ins Zürcher Unterland und weiter über Bülach, Seuzach, Neftenbach, Winterthur bis an den Bodensee hinterliess es eine Schneise der Verwüstung.
Schätzungen zufolge wurden rund 100'000 Autos beschädigt. Hinzu kommen Schäden an Häusern und in der Landwirtschaft. Selbst Menschen wurden verletzt. Besonders stark traf es das Zürcher Unterland. Deshalb hat TDC seinen temporären Hagel-Drive-in in einer ehemaligen Halle des Transportunternehmens Planzer in Bachenbülach eingerichtet. Doch nicht nur Betroffene aus der näheren Umgebung fahren vor: Einige nehmen den Weg aus Olten oder Solothurn auf sich.
Über 400 Autos in einer Woche
Die TDC Technisches Dienstleistungs-Center AG ist auf Fahrzeugexpertisen, Schadenbeurteilungen und Wertschätzungen spezialisiert und übernimmt für Versicherungen auch das Management von Grossschäden. An diesem Samstag sind CEO Kurt Seiler und COO Massimo Di Giovanni ebenfalls vor Ort. Beide sind selbst Fahrzeugsachverständige und verfügen über langjährige Erfahrung in der Autobranche.
Im Auftrag verschiedener Versicherer beurteilen die TDC-Fachleute die verhagelten Fahrzeuge. Über ein von TDC selbst entwickeltes Termin-Tool können sich die Autobesitzer anmelden. Über 400 Fahrzeuge werden allein innerhalb einer Woche erwartet.
Unten stehen die Totalschäden
Noch bevor ein Auto zum Scanner darf, erfolgt die Triage. Die Experten nehmen das Fahrzeug unter die Lupe und entscheiden, wie es weitergeht. Ist offensichtlich, dass eine Reparatur wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt, wird es aussortiert, fotografiert und für die Restwertbörse erfasst. Dort kann es beispielsweise für den Export oder als Ersatzteilspender erworben werden.
Welche Dimension das Hagelereignis hat, zeigt sich ein Stockwerk tiefer. Im Untergeschoss der ehemaligen Planzer-Halle stehen bereits rund 200 Totalschäden dicht an dicht. Auch ein silbergrauer Subaru ist darunter: Motorhaube, Dach und Karosserie sind von unzähligen Hagelschlägen gezeichnet.
Scanner, Schadenexpertise – und Gipfeli
Oben hat der weisse BMW den Scanner inzwischen passiert. Ein Scan-Experte wertet die Aufnahmen aus, danach gehen die TDC-Fachleute die festgestellten Schäden mit den Besitzern durch. Was lässt sich reparieren? Wie hoch sind die Kosten? Und was übernimmt die Versicherung?
Trotz des enormen Schadenvolumens geht es in der Halle ruhig und geordnet zu. Während die nächsten Autos vorfahren, warten Familien auf die Beurteilung. Seiler und Di Giovanni haben für ihre Gäste Gipfeli und Nussgipfel bereitgestellt, dazu gibt es Kaffee und Wasser.
Für die Besitzer des weissen BMW ist die Ungewissheit bald vorbei. Der Schaden ist erfasst, die nächsten Schritte können besprochen werden. Draussen wartet bereits das nächste verhagelte Auto.



