03.09.2026

REP-TALK #06: KI schafft Chancen – steigende Kosten erhöhen den Druck

Künstliche Intelligenz, steigende Kosten und wachsende Ansprüche von Flotten und Versicherungen verändern die Schweizer Reparaturbranche. REP-TALK #06 zeigt, wo die Chancen liegen – und weshalb effiziente Prozesse immer wichtiger werden.

REP-TALK #06: KI schafft Chancen – steigende Kosten erhöhen den Druck

Enzo Santarsiero und seine Talkgäste bei den Aufnahmen zu REP-TALK#06.

Die sechste Ausgabe von REP-TALK wurde am 28. August an der Swiss Automotive Show (SAS) in Bern aufgezeichnet. Moderator Enzo Santarsiero diskutierte mit Karl Heusi (Derendinger AG), Daniel Fuchs (CARTEC Autotechnik Fuchs GmbH), Alexander Grimm (aspaara AG) und Lars Frederiksen (Carrosserie Frederiksen AG). Im Zentrum standen KI in der Prozessplanung, die Erwartungen von Flotten-, Leasing- und Versicherungsunternehmen sowie die Entwicklung der Rohstoff- und Ersatzteilpreise.

 

KI unterstützt – der Mensch entscheidet

Künstliche Intelligenz ist in der Branche längst mehr als ein Zukunftsthema. Karl Heusi berichtete, dass Derendinger die Technologie bereits konkret einsetzt: «Wir setzen KI in der Teilidentifikation ein. Wir testen intensiv mit KI.» Gleichzeitig machte er deutlich, dass bei Aufgaben, die höchste Präzision verlangen, Fachwissen und Erfahrung entscheidend bleiben.

Alexander Grimm sieht grosses Potenzial vor allem bei komplexen Planungsaufgaben. KI könne eine Vielzahl von Einflussfaktoren gleichzeitig berücksichtigen und bei Veränderungen laufend neu planen. Sein Fazit: «Die KI kann jede Eventualität de facto in Real-Time analysieren, in Kontext setzen.» Der Mensch könne den daraus resultierenden Vorschlag anschliessend annehmen oder ablehnen.

Lars Frederiksen betrachtet eine vollständig KI-gesteuerte Werkstatt dagegen zurückhaltender. Auf die Frage, ob er der KI die Planung seines Betriebs komplett überlassen würde, antwortete er: «Dann würde ich sagen, nein.» Bei Planung und Administration sieht er zwar grosse Möglichkeiten, im Werkstattalltag gebe es aber immer wieder Situationen, in denen schnell und pragmatisch entschieden werden müsse.

 

Effizienz wird zum Wettbewerbsfaktor

Daniel Fuchs ist überzeugt, dass sich Betriebe mit hohem Anspruch an Durchsatz und Volumen intensiv mit neuen Technologien auseinandersetzen müssen. Dabei gehe es nicht nur darum, bestehende Abläufe digital zu optimieren. Vielmehr müsse hinterfragt werden, welche Arbeitsschritte ganz entfallen können. «Ich kann jeden bestehenden Prozess mit KI tot optimieren», warnte Fuchs. Entscheidend sei deshalb, Prozesse grundsätzlich neu zu denken.

Auch im Verhältnis zu Flotten, Leasinggesellschaften und Versicherungen spielt Effizienz eine immer grössere Rolle. Gefordert sind kurze Durchlaufzeiten, Transparenz und wettbewerbsfähige Kosten. Gleichzeitig steigen die Aufwendungen der Reparaturbetriebe. Digitalisierung, Automatisierung und durchgängige Datenflüsse können helfen, diesen Spagat besser zu bewältigen.

 

Steigende Preise erhöhen den Druck

Beim dritten Schwerpunkt ging es um die Preisentwicklung. Karl Heusi erwartet keine Entspannung: «Generell gehen die Preise nach oben. Die Teile werden komplexer.» Neben der Beschaffung verteuerten auch Daten und Kalibrierung die Reparatur. Alternative Ersatzteile könnten deshalb zusätzlich an Bedeutung gewinnen.

Auch Daniel Fuchs rechnet mit weiter steigenden Kosten: «Ich denke, Löhne werden weiter steigen, Ersatzteilpreise werden weiter steigen.» Die Betriebe müssten sich deshalb auf jene Bereiche konzentrieren, die sie selbst beeinflussen können – insbesondere ihre Prozesse.

Lars Frederiksen zog beim Preisdruck eine klare Grenze. Auf die Frage, ob er einen Auftrag bei einem nicht mehr wirtschaftlichen Preis ablehnen würde, antwortete er: «Ja, natürlich.» Volumen, Digitalisierung und KI könnten viel bewirken, doch irgendwann seien die Möglichkeiten eines Betriebs ausgeschöpft.

 

Technologie allein reicht nicht

REP-TALK #06 zeigt damit: KI und Digitalisierung eröffnen der Reparaturbranche erhebliche Chancen. Sie lösen aber nicht jedes Problem. Entscheidend ist, Technologie dort einzusetzen, wo sie Abläufe tatsächlich verbessert – und gleichzeitig unternehmerisches Denken, Fachwissen und wirtschaftliche Grenzen nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Die Sendung ist ab Freitag, 4. September 2026, 17 Uhr, online verfügbar.

 

www.reptalk.ch 

 

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