10.07.2026

Bei BYD in China: Eine Reise in die Intelligente Zukunft der Automobilität

BYD begann einst als Hersteller von Handy-Akkus. Heute entwickelt der chinesische Konzern Elektroautos mit eigenen Batterien, Chips und Software. Eine Reise nach China zeigt, wie weit die Ambitionen inzwischen reichen.

Bei BYD in China: Eine Reise in die Intelligente Zukunft der Automobilität

Stella Li, Executive Vice President von BYD, stellt sich nach der Pressekonferenz den Fragen der Journalisten.

Text: Mario Borri

 

Wer verstehen will, weshalb chinesische Hersteller die Automobilindustrie derzeit so stark unter Druck setzen, kommt an BYD nicht vorbei. Kaum ein Unternehmen steht so exemplarisch für den technologischen Aufstieg Chinas wie Build Your Dreams.

Gegründet wurde BYD 1994 von Wang Chuanfu – nicht als Autobauer, sondern als Batteriehersteller. Damals boomte der Markt für Mobiltelefone, und BYD spezialisierte sich auf wiederaufladbare Akkus. Bereits wenige Jahre später belieferte das Unternehmen internationale Konzerne wie Nokia, Motorola und andere Elektronikhersteller. Die Batterien vieler Mobiltelefone der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre stammten aus den Fabriken des chinesischen Unternehmens. Erst 2003 wagte BYD den Einstieg ins Automobilgeschäft. Heute ist das Unternehmen der grösste Elektrofahrzeughersteller der Welt, grösser als Tesla. Und neben der Kernmarke gehören auch die Premiummarke Denza sowie die Luxusmarke Yangwang zum Konzern, erstere ist auch in der Schweiz erhältlich, die zweite (noch) nicht. 

Dass BYD sich aber längst nicht nur als klassischen Autobauer versteht, wurde bei der sogenannten «Tech Journey - Intelligence Drives the Future» in der 18-Millionen-Metropole Shenzhen, wo sich der BYD-Hauptsitz befindet, deutlich. Rund 50 Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt, darunter AUTO&Wirtschaft als eine von zwei Schweizer Medien, erhielten einen Einblick in die technologische Zukunftsstrategie des Konzerns.

 

Das Auto wird zum Computer auf Rädern

Im Zentrum der Präsentationen standen weniger die Fahrzeuge selbst als vielmehr die Technologien dahinter. Besonders eindrucksvoll war die Demonstration des neuen Flash-Charging-Systems. Mit Ladeleistungen von bis zu 1500 kW will BYD die Ladezeiten von Elektroautos drastisch verkürzen. Unter normalen Bedingungen lässt sich eine 120-kWh-Batterie damit von 10 auf 97 Prozent in rund neun Minuten laden. Dass dies nicht nur unter Idealbedingungen funktioniert, demonstrierte BYD vor Ort eindrücklich: Ein Denza Z9 GT stand während 24 Stunden in einer Kältekammer bei minus 30 Grad Celsius. Anschliessend wurde die Batterie ebenfalls von 10 auf 97 Prozent geladen – in weniger als zehn Minuten. Möglich wird dies durch die zweite Generation der Blade-Batterie mit neuer Hochvolt-Architektur und speziell entwickeltem Thermomanagement. Bereits heute sind in China über 6000 entsprechende Schnellladestationen in Betrieb, bis Ende Jahr sollen es mehr als 20'000 sein. Wann die ersten Flash-Charger in die Schweiz kommen, ist noch offen.

BYD denkt bereits weiter. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, Verkehrsunfälle langfristig gegen null zu reduzieren. Das neue System «God’s Eye», die nächste Generation der Fahrassistenz, soll künftig in immer mehr Modellen zum Einsatz kommen. Als weltweit erster Hersteller bietet BYD in China sogar eine umfassende Schadensabdeckung für Fahrzeuge an, die mit diesen Funktionen unterwegs sind. Kommt es bei regelkonformer Nutzung zu einem Unfall, übernimmt das Unternehmen die wirtschaftlichen Schäden. Die Grundlage dafür liefern enorme Datenmengen: Mehr als 3,15 Millionen Fahrzeuge erfassen täglich über 200 Millionen Kilometer Fahrdaten, die direkt in die Weiterentwicklung der Algorithmen einfliessen.

Ebenfalls vorgestellt wurde der «XUANJI A3», der erste von einem chinesischen Automobilhersteller selbst entwickelte 4-Nanometer-Chip für hochautomatisiertes Fahren. Mit einer Rechenleistung von über 2100 TOPS – mehr als zwei Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde – soll er die Datenflut moderner Assistenzsysteme in Echtzeit verarbeiten können.

 

Europa im Visier

Die spannende Frage lautet allerdings nicht, was heute in China möglich ist, sondern wann diese Technologien Europa erreichen. Hier bremsen vor allem regulatorische Vorgaben. Während viele Systeme technisch bereits einsatzbereit wären, unterscheiden sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen deutlich von jenen in China. Dennoch macht BYD keinen Hehl daraus, dass Europa zu den wichtigsten Wachstumsmärkten zählt.

Wie gross die Ambitionen sind, wurde auch in den Gesprächen mit Stella Li, Executive Vice President von BYD, und Europa-Berater Alfredo Altavilla deutlich. Beide sehen die Zukunft des Automobils weniger in der klassischen Fahrzeugtechnik als in Software, künstlicher Intelligenz und datengetriebenen Systemen.

 

Stella Li: «Wir wollen die Zahl der Unfälle gegen null bringen»

Für Stella Li steht nicht die Technologie selbst im Mittelpunkt, sondern ihr Nutzen. Das langfristige Ziel sei klar: intelligente Systeme sollen das Autofahren sicherer machen und die Zahl der Verkehrsunfälle drastisch reduzieren.

Europa spiele dabei eine zentrale Rolle. Viele Fahrzeuge seien technisch bereits vorbereitet, nun müsse man die Systeme an lokale Gegebenheiten und regulatorische Anforderungen anpassen.

Auf eine Frage von AUTO&Wirtschaft zur Schweiz verwies Li insbesondere auf Flash-Charging. Gerade in kalten Regionen könne diese zum entscheidenden Argument für die Elektromobilität werden. Auch bei winterlichen Strassenverhältnissen sieht sie Vorteile: Assistenzsysteme und intelligente Fahrfunktionen sollen künftig helfen, Fahrten auf Schnee und Eis sicherer und entspannter zu machen.

 

Alfredo Altavilla: «BYD denkt wie ein Technologieunternehmen»

Der frühere Fiat-Chrysler-Manager Alfredo Altavilla begleitet den Ausbau des Europageschäfts von BYD. Sein wichtigster Rat an die Chinesen lautete von Anfang an: Wer in Europa erfolgreich sein will, muss europäisch denken.

«Europäische Kunden fahren anders und haben andere Erwartungen als chinesische Käufer», sagt Altavilla. Deshalb seien zahlreiche Modelle gezielt an europäische Bedürfnisse angepasst worden – von der Fahrwerksabstimmung bis zur Fahrdynamik.

Besonders beeindruckt zeigt sich Altavilla von der Unternehmenskultur. Viele Menschen würden BYD noch immer als Autohersteller betrachten. Tatsächlich sei das Unternehmen vor allem ein Technologiekonzern. Genau darin sieht er auch den entscheidenden Unterschied im globalen Wettbewerb.

 

www.byd.com/de-ch 

 

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