08. März 2010

«Ablasshandel wie im tiefsten Mittelalter!»

Der Handel mit so genannten CO2-Zertifikaten ist gross in Mode. Auch die Autobranche mischt zunehmend mit. Die Idee dahinter: Mit dem Kauf von CO2-Zertifikaten sollen irgendwo auf der Welt Projekte finanziert werden, die einen Teil jenes CO2-Ausstosses kompensieren, den wir produzieren. Das scheint auf den ersten Blick einleuchtend, ist aber in Tat und Wahrheit hoch problematisch. Denn Alex Baurs Recherchen haben gezeigt, dass diese moderne Form des mittelalterlichen Ablasshandels zwar eine Goldgrube für die Hilfswerke ist – der Umwelt jedoch herzlich wenig bringt.

«Ablasshandel wie im tiefsten Mittelalter!»

«Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber.» Weltwoche-Redaktor Alex Baur hält es für keine gute Idee, wenn Autofirmen freiwillig beim «CO2-Ablasshandel» mitspielen.

AUTO&Wirtschaft: Herr Bauer. Ihre ausgiebigen Recherchen haben gezeigt, dass der Handel mit CO2-Zertifikaten vor allem eines ist: Selbstzweck. Denn ein Grossteil des Geldes verdampft innerhalb der Organisa­tionen, welche solche Zertifikate ausstellen. Nur gerade zehn Prozent des eingenommenen Geldes kommen auch tatsächlich bei irgendwelchen Projekten an. Doch selbst diese sind oft nicht über alle Zweifel erhaben. Ihr Weltwoche-Artikel zu dem Thema trug darum den Titel «Windige Geschäfte mit heisser Luft». Umso befremdlicher ist es, dass auch immer mehr Autohersteller und Importeure bei diesem fragwürdigen Ablasshandel mitspielen – zum Beispiel, indem sie bestimmte Modelle mit «lebenslanger CO2-Kompensation» verkaufen. Schneidet sich die ­Autobranche mit dieser Strategie nicht ins eigene Fleisch? 

Alex Baur: Was die Autobranche da macht, ist in der Tat problematisch. Diese Strategie mag zwar kurzfristig einen Werbeeffekt generieren – doch langfristig finanziert man doch genau diejenigen, die einem an den Kragen wollen! Das kann auf die Dauer nicht gut kommen. Wir wissen doch: «Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber.»

Wäre in Ihren Augen Konfrontation der bessere Weg?

Wenn man die Konfrontation scheut, fällt die Anbiederung früher oder später wie ein Bumerang auf den Absender zurück  …

Aber warum merkt das in der Autobranche keiner? Warum biedert man sich ausgerechnet bei den Automobilgegnern an? Hat die Autoindustrie die Kraft verloren, für ihre ureigenen Interessen einzustehen?

Es ist sicher nicht einfach, sich als Unternehmen gegen eine allgemeine Hysterie zu stellen. Schliesslich will man ja beliebt sein und Produkte verkaufen. Das ist überall so im Leben, den Konflikt kennen wir auch hier bei der Weltwoche: Unsere Werbeabteilung wird nicht müde uns daran zu erinnern, dass wir mit einer harten Linie Werbekunden vergraulen könnten. Aber da muss man standhaft bleiben. Am Beispiel Waldsterben habe ich das hautnah miterlebt: Wenn man damals sagte, das Waldsterben gibt es nicht, dann wurde man behandelt wie ein Holocaustleugner – es kam fast einem gesellschaftlichen Selbstmord gleich. Also passt man sich irgendwie an und meidet die Konfrontation.

Ist Anpassung also im Zweifel doch der bessere Weg?

Meine Erfahrung bei der Weltwoche zeigt, dass man auch sehr, sehr viel Zustimmung bekommen kann, wenn man sich getraut geradeaus etwas zu sagen, was gemäss allgemeinem Konsens «pfui» ist. Am Beispiel der Weltwoche sieht man, dass sich eine solche konsequente Haltung auch wirtschaftlich auszahlt: Trotz Krise schreiben wir schwarze Zahlen! Unsere klare Linie beschert uns eine sehr treue und begeisterte Leserschaft, die auf unser Produkt schwört.

Kann man diese Erfahrung auch auf die Autobranche übertragen?

Auf jeden Fall. Wenn die Autobranche jetzt sagen würde: Wir machen diese ganze Hysterie nicht mit, wir bleiben standhaft – ich bin überzeugt, mit dieser Haltung könnte man seine Kunden wirkungsvoll binden und viele neue dazugewinnen.

Warum handelt dann niemand so?

Eine solche Haltung braucht Mut. Ziemlich viel Mut. Und man muss damit rechnen, dass man von einigen Seiten auf Liebesentzug gesetzt wird. Aber wenn man als Unternehmen unbeirrt eine klare, offene Linie fährt, von der man überzeugt ist, dann gewinnt man neue Freunde hinzu. Und das sind dann die echten Freunde.

Die Weltwoche hat genau diese Entwicklung durchgemacht …

Wer würde heute in der Schweiz noch eine kritische und vom allgemeinen Konsens abweichende Linie fahren, wenn es die Weltwoche nicht gäbe, beziehungsweise wenn es Roger Köppel nicht gäbe, der dies möglich macht? Viele hassen uns, aber man respektiert uns, und sogar das linke Fernsehen kommt nicht darum herum, uns zu zitieren. Nehmen wir das Thema Sozialmissbrauch und Immigranten – vor zwei Jahren war das noch ein Tabu. Man warnte mich: Das Thema ist zu heiss, ihr landet in der Nazi-Ecke. Da gingen wir gleich mit doppeltem Elan dran. Das Resultat: Heute spricht man viel offener über diese Themen; das Tabu ist gefallen, wir leben immer noch – besser denn je.

Dennoch: Durch die andauernd geschürte Klimahysterie sind sehr viele Menschen stark verunsichert. Sie wissen nicht mehr, was sie glauben sollen. Wie soll ich als Importeur oder Garagist mit solchen Kunden umgehen?

Indem ich offen und klar mit ihnen kommuniziere. Gewiss, es ist unbestritten positiv, wenn man beim Fahren möglichst wenig Treibstoff verbrennt. Schön. Schliesslich spart man so auch eine Menge Geld. Auf der anderen Seite sollte man aber auch ganz offen dazu stehen, dass Autofahren Spass macht: Hey, wenn ich aufs Gas drücke und unter der Haube setzen sich 200 Pferde in Bewegung, ist das ein geiles Gefühl. Ganz zu schweigen von anderen Vorzügen: Flexibilität, Komfort, Freiheit!

Stichwort Umweltschutz: Interessanterweise werden Hybridfahrzeuge nach wie vor als DIE grosse Umwelterrungenschaft im Individualverkehr betrachtet. Sie haben fast schon den Nimbus umwelttechnischer Wundermaschinen. Dies, obwohl man längst weiss, dass ihre Ökobilanz wegen der riesigen Batterie alles andere als berauschend ist. Ausserdem kommen gewichtsreduzierte Modelle mit modernen Verbrennungsmotoren auf vergleichbare Verbrauchswerte – ganz ohne Hybrid-Hokuspokus. In den Verkaufszahlen schlägt sich das aber kaum nieder. Warum haben es die schlichten, vernünftigen Öko-Modelle so schwer?

Weil es hier längst nicht mehr um Vernunft oder Sparsamkeit geht, sondern darum, einen bestimmten Lifestyle zu zelebrieren. Die Käuferschicht, welche Hybrid-Autos wählt, will damit etwas Bestimmtes signalisieren. Hybrid-Fahrer leisten sich demonstrativ eine Art Umwelt-Ablass. Ein Auto das zwar sparsam ist, dem man es aber nicht ansieht und das erst noch wenig kostet, erfüllt diese Anforderung definitiv nicht.

Nach dem Motto: Ich fahre einen Hybrid, also bin ich ein besserer Mensch?

Genau! Es zeigt, wie wenig es hier um die Sache geht und wie sehr das Thema CO2 zu einer Ersatzreligion geworden ist – einer unheimlich mächtigen Ersatzreligion!

Religion hat wenig mit Vernunft, aber viel mit Glauben zu tun …

Glauben ist das Gegenteil von wissen. Was mich beunruhigt, ist die Tatsache, dass wir in eine Art voraufklärerische Zeit zurückfallen. Mit den CO2-Zertifikaten und Hybridfahrzeugen lebt der Ablasshandel wieder auf. So, wie man ihn im tiefsten Mittelalter kannte. Damals konnte man sich mit Geld aus dem Fegefeuer freikaufen. «Die Münze in der Kasse klingt, die Seele in den Himmel springt», hiess es. Dass CO2-Zertifikat ist nichts anderes als eine neue Variante dieser uralten Masche.

Man kauft also CO2-Zertifikate, damit man seine Umweltschuld los wird und sich als besserer Mensch fühlen darf?

Ja. Und diese Taktik kann mitunter absurde Züge annehmen. Zum Beispiel, wenn in der Stadt Zürich teure Windenergie verkauft wird. Weil in der Schweiz Windkraftwerke noch ineffizienter sind als in Küstengegenden, kauft man Windenergie-Zertifikate im Ausland. Der Mehrwert ist rein ideologischer Natur, in Tat und Wahrheit lediglich ein nutzloses Stück Papier. Letztlich subventioniert die Stadt Zürich über solche Zertifikate Windräder irgendwo in Norddeutschland – und fühlt sich wahnsinnig gut dabei.

Wie schwer wiegt denn überhaupt die CO2-Schuld in der Schweiz?

Wir sind Musterknaben, nur sagt das niemand. Das ist ja das Absurdeste an der ganzen Geschichte: Wir in der Schweiz produzieren pro Kopf nur halb so viel CO2 wie in Deutschland. Nur einen Viertel so viel wie in den USA und etwa einen Fünftel dessen, was in Russland pro Kopf an CO2 in die Atmosphäre geblasen wird. Trotzdem kaufen wir Zertifikate aus Russland ein – das ist doch pervers!

Die Schweiz ist als westliches Industrieland also eine Art CO2-Spar-Weltmeister?

Ja, vor allem dank dem Strom-Mix von Wasser- und Atomkraft. Zum Vergleich: Sogar das karibische Trinidad und Tobago hat einen viel höheren CO2-Ausstoss pro Kopf als die Schweiz. Dabei muss dort niemand heizen und der Motorisierungsgrad ist viel niedriger als bei uns.

Ist die Schweiz zu bescheiden?

Das ist schon eher Masochismus! Ich kann nicht verstehen, warum die Schweiz ihre weltweit fast einzigartigen positiven Eigenschaften und Verdienste nicht herausstreicht. Wir könnten in der internationalen Gemeinschaft hinstehen und laut rufen: «Seht her, wir haben andere Lösungen, die für euch interessant sein könnten». Stattdessen pilgern Heerscharen von Bundesbeamten, angeführt von Bundesrat Moritz Leuenberger, gesenkten Hauptes von einem Klimakongress zum nächsten, um irgendwelche nutzlosen Papiere zu produzieren – wobei sie mutmasslich mehr CO2 verpuffen als sie mit ihren bürokratischen Plänen einsparen würden.

Das ist das Problem, wenn etwas religiöse Züge annimmt…

Richtig. Denn über Glauben kann man nicht streiten – das ist das Fatale! Wenn jemand an den menschgemachten Klimawandel und den bevorstehenden Weltuntergang glaubt, obwohl das Klima offensichtlich seit Jahrtausenden immer Schwankungen unterlegen war, die der Mensch unmöglich beeinflussen konnte, dann wird jedes Argument wertlos. Man kann nicht mit ihm diskutieren. Diese Haltung gilt für einen grossen Teil der rotgrünen Öko-Bewegung: Sie beansprucht Wissenschaftlichkeit für sich, doch in Tat und Wahrheit hat sie religiöse oder sogar sektiererische Züge.

Aber was sind die Motive der CO2-Priester?

Die Sehnsucht nach einem Paradies, wo Mensch und Natur in Harmonie leben, und die Angst vor dem Weltuntergang sind menschliche Urmotive. Man muss sich aber auch vor Augen halten, dass die Bewirtschaftung dieser Öko-Themen ein boomendes Milliardengeschäft ist, bei dem mittlerweile auch Grosskonzerne mitmischen. Allein im so genannt freiwilligen CO2-Handel zum Beispiel gibt es 182 internationale NGOs, (NGO = non-governmental organisation; deutsch: Nichtregierungsorganisation; Anm. der Redaktion), die Zertifikate ausstellen. Im letzten Jahr haben sie deutlich über 700 Millionen Franken umgesetzt – und sie verdoppeln jedes Jahr ihr Volumen.


Aber nützt dieser riesige Aufwand, dieses viele Geld das bewegt wird, der Umwelt am Ende wenigstens etwas?

Kaum. Ich habe das am Beispiel eines aktuellen Projekts von «MyClimate» in Südamerika durchgerechnet: Von den eingenommenen 5,18 Mio. Franken werden 20 Prozent für die eigene Administration benötigt. Weitere 25 Prozent gehen an einen Intermediär, der die Projekte vor Ort verteilt und koordiniert. Zusätzliche 10 Prozent gehen weg für Zertifizierung und Kontrollorganisationen. Danach wollen die lokalen Partner auch noch Geld. Das ernüchternde Fazit: Von den eingenommenen 5,18 Millionen Franken landen gerade mal 760 000 Franken Sachwert bei den Indios in Peru. Das ganze restliche Geld – über 80 Prozent! – wird in einer gewaltigen Maschinerie verbrannt, die nur einen Zweck hat: sich selbst zu ernähren, um weiter zu existieren.

Die «heilige CO2-Mission» ist also vor allem Selbstzweck?

Ja. Darum besteht auch ein extrem wichtiger Teil der Tätigkeiten dieser NGOs aus Propaganda-Aktivitäten. Schon in der Primarschule wird den Kindern eingebläut: Wir sind Sünder, ihr müsst ein schlechtes Gewissen haben! Wir machen unser Klima kaputt! Wir müssen Busse tun! Ist das nicht ekelhaft?

So weit reicht der Einfluss dieser privaten Organisationen?

Absolut. Ein konkretes Beispiel: MyClimate gibt Lehrbücher heraus, welche über die kantonalen Lehrmittelverlage an unsere Schulen verteilt werden. Auf diese Weise bekommen sie ein offizielles Gütesiegel als staatliche Lehrmittel. Das ist der Katechismus, den die Kinder lernen müssen!

Eine Entwicklung, die einem beinahe Angst machen muss …

Immerhin regt sich allmählich doch da und dort Widerspruch und Widerstand, vor allem im angelsächsischen Raum. Der Climategate-Skandal* hat gezeigt, mit welchen Mitteln die Hohenpriester der Klimaindustrie arbeiten, Statistiken manipulieren und Skeptiker diffamieren. Leider war in der Schweiz die Weltwoche die einzige grössere Zeitung, die Climategate ernst genommen hat! Es war erschütternd zu beobachten, wie fast alle anderen Medien in unserem Land das Thema einfach unter den Teppich wischten, das in den USA und in Grossbritannien zu hitzigen Debatten führte. Ich sage ja nicht, die Klimaerwärmung sei eine reine Erfindung und man kann ja über mögliche Szenarien diskutieren – im Wissen darum, dass wir ja nicht einmal in der Lage sind, eine sichere Wetterprognose auf eine Woche hinaus zu machen – wie sollten wir denn wissen, wie das Klima in 50 Jahren sein wird. Aber es kann nicht sein, dass ein Weltklimarat nach politischen und ideologischen Kriterien die einzige wahre Lehre verkündet. Das hat mit Wissenschaft nichts mehr zu tun. Wie Climategate gezeigt hat, hat ein einzelner Klimafanatiker bei der Internet-Enzyklopädie Wikipedia alle Einträge zensiert und bewusst herausgefiltert oder gesperrt, was ihm nicht in den Kram passte. Doch in Kontinentaleuropa wurde kaum über diesen Skandal bereichtet. Ein Armutszeugnis für unsere Presse.

Werden wir also auch in der Schweiz weiter im Banne der Klimahysteriker leben müssen?

Jede Manipulation und jede Lüge fliegt früher oder später auf. Ich bin einigermassen zuversichtlich, dass sich die Realität auf Dauer durchsetzen wird. Dann werden wir sehen, was von den Klimatheorien übrig bleibt.

Im Moment gibt es in ganz Europa nur ein einziges Staatsoberhaupt, das nicht in den politischen Chor der vereinigten Klimafanatiker einstimmt: Václav Klaus, Präsident der Tschechischen Republik.
Er blieb in den letzten Jahren stets kritisch und liess sich nie von der kollektiven Weltuntergangsstimmung anstecken…


Von ihm könnte die Schweiz eine Menge lernen! Tschechien ist ein kleines Land, doch obwohl es sich bei der Klimahysterie quer stellt, ist es weder international isoliert, noch wurde Prag von Nato-Truppen besetzt. Es droht auch kein Peitschen-Peer mit grauen Listen – nichts. Tschechien floriert. Und Präsident Klaus wird – trotz abweichender Meinung – als Politiker und Person international respektiert. Denn: Václav Klaus hat – im Gegensatz zu den Duckmäusern in unserem Bundesrat – den Mut, Farbe zu bekennen und für die Interessen seines Landes einzustehen. Das gibt bisweilen Ärger, aber vor allem Achtung. Die Schweizer Regierung buhlt und hechelt auf allen Bühnen unterwürfig um Liebe und erntet damit bloss Verachtung.

Dabei war die Schweiz bisher stets ein Land, das sich besonnen verhielt, wenn
irgendwelche Hysterien um sich griffen…


Ich denke oft an die Dreissigerjahre, als der Faschismus, in der Form des nationalen oder des internationalen Sozialismus, ganz Kontinentaleuropa beherrschte. Die Schweiz machte oberflächliche Konzessionen, doch im Kern blieb sie sich selber treu, die direkte Demokratie stand nie in Frage. Wenn es Defätismus** und Anpasserei gab, dann kam er ganz klar von oben, von der politischen Elite. Letzteres ist auch heute nicht anders. Wir haben eine Regierung, die auf jeder der Hysterien mitsurft, die in regelmässigen Wellen über Europa hinweg schwappen. Doch das letzte Wort – das ist weltweit einzigartig, und das gibt Anlass zu Hoffnung – hat das Volk, der Souverän. Und der hat sich bislang als recht vernünftig erwiesen.

Kann man diese Entwicklung noch
aufhalten?

Ich hoffe einfach, dass es in diesem Land wieder Leute geben wird, die Rückgrat zeigen und Gegensteuer geben!

Rückgrat zeigen, Gegensteuer geben – wäre das nicht auch ein Rezept für die
unter Druck stehende Autobranche?


Absolut. Die Autobranche sollte endlich ein neues Selbstbewusstsein finden und aus dieser lähmenden Defensive herausgehen! Es gibt doch noch ein paar andere Argumente als der ewig gleiche Refrain: «Wir machen etwas für die Umwelt! Wir bieten Arbeitsplätze!»

Also das Auto nicht als «notwendiges Übel» betrachten, sondern als Chance,
als wichtigen Teil der Zukunft?


Ja. Man sollte endlich dazu stehen was man macht: Umweltschutz ist gut und recht, doch es ist nicht das einzige Thema, sondern eines unter vielen! Man muss wieder offen die Lust an der Technik zelebrieren können, an der Eleganz, am Komfort und vor allem an der Freiheit, welche das Automobil jedem einzelnen schenkt!

Und wie könnte man diese Haltung auf politischer Ebene umsetzen?

Indem die Autobranche ganz offen als Interessengemeinschaft Widerspruch einlegt. Indem man klar aufzeigt, wo die eigenen Interessen liegen. Und indem man zu dem steht, was man ist. Hört doch auf mit diesen voreiligen Kompromissen. Kompromisse sind gut und recht, doch vorweg sollte man für das einstehen, woran man ehrlich glaubt.

Sich also freiwillig der Kritik aussetzen?

Ja, warum nicht auch mal riskieren, dass man kritisiert wird? Die Konflikte die sich daraus ergeben, sollte man unbedingt offen austragen. Damit meine ich: Nicht so tun als spielte man mit, nach dem Motto «Friede, Freude, Eierkuchen, wir ziehen alle am selben Strick». Sondern klar sagen: Wir ziehen schon am selben Strick – aber an zwei entgegengesetzten Enden. Das ist Demokratie!

Kann ich mir so eine Haltung auch als
Garagist leisten? Oder geht das nur, wenn ich ein grosser Konzern bin?


Wenn wir etwas bewegen wollen, dann muss sich vor allem auf der oberen Ebene etwas ändern: bei den Herstellern, der Zulieferindustrie, den Importeuren. Vielleicht sollten sie etwas mehr aufs Fussvolk hören. Der Garagist, der tagtäglich mit seinen Kunden und ihren Autos zu tun hat, der weiss schon, was die Leute wollen – was Bullshit ist oder eben ein reales Anliegen.

www.weltwoche.ch


*Klima-Gate (oder engl. Climategate): Mitte November letzten Jahres veröffentlichten Hacker im Internet mehr als 1000 E-Mails, die sie vom Computer-Server der East Anglia University im englischen Norwich erbeutet hatten. Die Inhalte der Mails sind mehr als brisant, denn sie wecken begründete Zweifel an der Glaubwürdigkeit jener Wissenschaftler, die seit Jahren vor einer menschengemachten Klimakatastrophe warnen. So wurden in den vertraulichen Mails unter anderem Tricks ausgetauscht, mit denen sich Klimakurven «optimieren» lassen, um sinkende Temperaturverläufe zu kaschieren. Grund für die Manipulationen: Die Klimawarner stecken in Erklärungsnot, weil die Temperaturen seit zehn Jahren nicht mehr steigen.

** Defätismus: Systematisches Nähren von Mutlosigkeit, Resignation und Zweifeln; auch Zukunftspessimismus genannt.



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