22. August 2019

WLTP 2: Kommt mit der Umstellung neuer Ärger?

Die Umstellung auf den WLTP-Zyklus im letzten Jahr hat für mächtig viel Chaos bei den Herstellern gesorgt. Jetzt folgt der zweite Streich. Ab dem 1. September 2019 gilt die zweite Stufe des WLTP-Testverfahrens. Ob die neue Norm Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC erneut zu Lieferschwierigkeiten bei zahlreichen Autoherstellern führen wird?

WLTP 2: Kommt mit der Umstellung neuer Ärger?

Text: Isabelle Riederer

 

Manch einem hängt die Umstellung auf das neue Abgastestverfahren WLTP im Herbst 2018 noch mächtig nach. Besonders deutsche Automobilhersteller, allen voran Audi, hatten mit der Umstellung von NEFZ auf WLTP grosse Probleme. «Wir können mit unserer Performance nicht zufrieden sein. Audi hat hervorragende Produkte im Markt, aber unternehmerisch haben wir vor allem WLTP als den ultimativen Stresstest nicht bestanden», verkündete der Audi-Vorstandsvorsitzende Bram Schot im Nachgang.

 

Zum Verhängnis wurde Audi, wie auch einigen anderen Herstellern, die gigantische Zahl an verschiedenen Motoren-Getriebe-Varianten. Da nahezu jede Konfiguration Auswirkung auf Gewicht, Spezifikation und damit auch auf den Verbrauch hat, war der Aufwand, den Motor auf den neuen WLTP-Zyklus abzustimmen, schlicht gigantisch.

 

Wer aber dachte, dass mit der Umstellung im Herbst alles erledigt sei, der irrt. Denn jetzt folgt die nächste Stufe des «World Light Test Vehicle Procedure», die Umstellung auf Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC. Diese zweite Stufe – der so genannte «Second Act» – beinhaltet eine modifizierte Version des obligatorischen Verdampfungstests (EVAP), bei der nahezu alle Motor-Getriebevariationen erforderlich sind, um die Fahrzeuge zu zertifizieren. Dabei wird überprüft, wie viel Treibstoff aus dem jeweiligen Modell in die Umgebungsluft verdampft, wenn es 48 Stunden nicht bewegt wurde.

 

Zwar ist der Test an sich nicht neu, jedoch betrug der Testzeitraum früher nur 24 Stunden und nicht 48 Stunden. Das heisst: die Tests dauern schlicht doppelt so lang wie bisher. Kurzum: Im schlimmsten Fall sind die neuen Tests pro Auto nicht unter 14 Tagen zu machen. Manche Modelle schaffen die aufwendige technische Abnahme gar erst nach drei Wochen. Entsprechend gross sei nicht nur der personelle, sondern auch der logistische Aufwand in den Entwicklungszentren.

 

Doch die meisten Automobilhersteller geben Entwarnung. So erklärt ein VW-Sprecher gegenüber der Automobilwoche: «Zum 1. September werden voraussichtlich bis auf sehr wenige Ausnahmen alle Motor-Getriebe-Varianten auf die neue Emissionsnorm Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC umgestellt sein.» Einziger Wehrmutstropfen könnte es bei den Nutzfahrzeugen geben. Wie das Fachmagazin berichtet, sei erst ein Drittel aller Motor-Getriebe-Varianten an die neuen Regeln angepasst. So könnte beispielsweise der Crafter erst 2020 wieder in allen Versionen erhältlich sein. Ein VW-Sprecher bestätigte, dass es «temporär zu Einschränkungen» kommen werde. Dies gelte jedoch nicht für die Modelle auf Caddy- und T6-Basis.

 

 

Zwar sind die meisten Hersteller auf die zweite Phase der WLTP-Umstellung besser vorbereitet, doch ist der Aufwand auch dieses Mal gross. Seit Monaten arbeiten die Testingenieure im Dauer-Drei-Schicht-Betrieb, um die Fahrzeuge so schnell wie möglich an die neuen, nachgeschärften Vorgaben anzupassen. Wie schon 2018 ist es auch in diesem Jahr kaum noch möglich, in Europa irgendeinen Testprüfstand zu ergattern. Doch der Einsatz lohnt sich, wie die Automobilwoche berichtet, sind bereits jetzt schon fast alle Motor-Getriebe-Kombinationen der deutschen Automobilhersteller nach Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC genormt.

 

Auch bei Audi sieht es heuer besser aus. Die Ingolstädter haben inzwischen nicht nur ein Drittel mehr Prüfkapazitäten, sie haben zugleich die Anzahl der Motor-Getriebe-Varianten um ein Drittel gekürzt. Und tatsächlich müssen diesmal nicht alle auf den Prüfstand. «Viele erfüllen schon seit der Umstellung 2018 auch die neuen Anforderungen, dann können die Genehmigungen umgeschrieben werden. Fast alle Varianten von Audi seien schon zugelassen», erklärte Audi-Sprecher Udo Rügheimer gegenüber autoflotte.de . Der Rest soll in wenigen Wochen folgen.

 

Für andere Hersteller war die Umstellung auf die neue Norm weniger nervenaufreibend. Ford, Seat und der PSA-Konzern haben die Umstellungen bereits weitgehend abgeschlossen. Für Hersteller wie Renault, Nissan, Volvo, Kia, Hyundai, Toyota oder Mazda verlief die erneute Umstellung des Zyklus problemlos. Zugegeben sie haben in den meisten Fällen auch ein kleineres Modellportfolio und deutlich weniger Varianten.

 

Leider ist das aber nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn noch schärfere Abgasnormen sind bereits im Anmarsch. Ab Jahresbeginn 2020 (Typzulassungen) bzw. 2021 (jede PW-Neuzulassung) gilt die noch schärfere Abgasnorm Euro 6d. Dann muss ein Auto nachweisen, dass es im Strassenbetrieb nur noch das 1,5-fache an Stickoxiden ausstösst wie auf dem Prüfstand. Euro 6d-TEMP erlaubt noch das 2,1-fache. Einige Marken bauen ihr Angebot an Euro 6d-Autos bereits jetzt kontinuierlich aus, darunter besonders BMW, Mercedes und jene der PSA-Gruppe. Ein Konzern ist in puncto Euro 6d dagegen noch komplett blank: Volkswagen.

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