30. Oktober 2018

Schweizer PW-Markt: Diesel verliert gegen Benziner und Alternative

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres wurden in der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein 225'286 Neuwagen verkauft (-6197 PW, -2,7%). Angesichts anhaltend sinkender Grauimporte (-4737 PW, -28,4%) ist dieses Ergebnis positiv zu werten, obgleich die Margenerosion aufgrund wieder steigender Kurzzeitzulassungen (+1793 PW, +12,3%) anhält.

Schweizer PW-Markt: Diesel verliert gegen Benziner und Alternative

Erneut stark rückläufig waren die Verkäufe von Dieselfahrzeugen (-17'082 PW; 20,1%). Kompensiert wurden diese zur Hauptsache mit Benzinern sowie mit zweistelligen Zuwächsen bei alternativ motorisierten Personenwagen. Leicht besser als der Verkauf von Neuwagen entwickelte sich hingegen der rund dreimal grössere Gebrauchtwagenmarkt. Insgesamt wurden 643'248 Handänderungen registriert (-6987 PW; 1,1%). Die sich bereits im ersten Halbjahr abzeichnende Angebotsverknappung führte bis Ende September zu einem Rückgang der Angebotstage von online zum Verkauf stehenden Occasionsfahrzeugen. Über alle Antriebsvarianten und Segmente hinweg betrugen diese durchschnittlich noch 66 Tage (Q1-Q3/2017: 68 Tage).

 

Die Automobilwirtschaft hat hierzulande seit geraumer Zeit mit vielfältigen Herausforderungen zu kämpfen. Dies sind etwa starke Wechselkursschwankungen, die anhaltende und wenig sachliche Diesel-Thematik, das nach wie vor beschränkte Modellangebot von alternativ angetriebenen Fahrzeugen oder aber die für Lieferengpässe sorgende Umstellung der europäischen Typenzulassung auf den neuen WLTP-Prüfzyklus. Unter Berücksichtigung all dieser Herausforderungen sind die aktuellen Verkaufszahlen als überaus gut zu bewerten. Sie sind letztlich auch ein Merkmal für die Flexibilität und die Leistungsfähigkeit des Marktes und seiner Exponenten. Gestützt werden diese Bemühungen durch die anhaltend robuste Konjunktur. BAK Economics schätzt das Wachstum des Schweizer Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr auf 3 Prozent – diese wäre so viel wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

 

Kurzzeitzulassungen werden vom Fahrzeughandel seit jeher, ebenso wie Rabatte, als taktisches Mittel verwendet. Eine Zunahme ist überwiegend zum Quartals- und Jahresende zu beobachten oder aber vor grösseren Veränderungen der Rahmenbedingungen, wie beispielsweise anlässlich der verschärften CO2-Emissionsvorschriften im Jahre 2012. Das seit 1. September 2018 geltende Importverbot für Personenwagen, die nicht nach den neuen Abgasnormen Euro 6c oder 6d-temp homologiert sind, hätte in der Schweiz die Kurzzeitzulassungen theoretisch nicht beeinflussen sollen, da hierzulande als Stichtag für die Immatrikulation das Importdatum eines Fahrzeuges und nicht dessen Erstzulassung gilt.

 

Gleichwohl ist im dritten Quartal ein deutlicher Anstieg der Kurzzeitzulassungen (5207 PW; +10,4%) festzustellen. Die betreffenden Fahrzeuge sind deshalb wohl überwiegend unter statistischer Verkaufskosmetik zu verbuchen und nun als neuwertige Gebrauchtwagen auf dem Occasionsmarkt zu finden. Von Januar bis September summiert sich die Zahl aller kurzzeitig immatrikulierten Fahrzeuge auf 16'379 Personenwagen, was einem Marktanteil von 7,3 Prozent entspricht (Q1-Q3 2017: 14'586 PW, 6,3% MA).

 

Insgesamt vermochte Volkswagen (25'108 PW, -3,8%) seine Führung im Top-10-Marken-Segment trotz rückläufiger Verkaufszahlen zu festigen, da auch die unmittelbaren Verfolger schwächelten: Mercedes-Benz (18'221 PW, -9,0%), BMW (17'783 PW, -0,8%), Skoda (14'004 PW, -6,8%) und Audi (13'839 PW, -2,3%) verkauften in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres nämlich allesamt ebenfalls weniger Neuwagen als ein Jahr zuvor. Auch in der zweiten Tabellenhälfte ist die Entwicklung der Verkaufszahlen von Renault (10’057 PW, -4,0%), Opel (9128 PW, -12,2%) und Peugeot (7301 PW, -6,7%) im Vorjahresvergleich teilweise tiefrot. Gleichwohl vermochte Peugeot Toyota (7208 PW, -10,8%) vom 10. Ranglistenplatz zu verdrängen. Mit Ford (11'487 PW, +13,7%) und Seat (9064 PW, +3,1%) konnten schliesslich lediglich zwei Vertreter der Top-10-Marken-Rangliste ihre Verkäufe von Januar bis Ende September 2018 steigern.

 

Bei der quartalsweisen Auswertung der Zulassungsstatistik interessiert immer auch die Aggregation der Zahlen nach Antriebsart und Motorenvarianten. Während sich der Marktanteil von Fahrzeugen mit Allradantrieb (110'128 PW; +2,4%) der historischen 50-Prozent-Marke (aktuell: 48,9%) nähern, verlieren Dieselfahrzeuge weiter massiv an Bedeutung (67'974 PW; -20,1%). Ihr Marktanteil liegt neu bei ebenfalls historisch tiefen 30,2 Prozent. Im Gegensatz dazu erfreuen sich alternativ angetriebene Fahrzeuge einem anhaltend grossen Zuspruch (14'968 PW; +21,8%). Ihr Marktanteil beträgt neu 6,6 Prozent, wobei der Hauptanteil auf Benzin-Hybrid-Fahrzeuge (10'131 PW; +22,3%) und auf reine Elektrofahrzeuge (3'478 PW; +10,6%) entfällt. Es wird spannend sein, wie das Bundesamt für Energie (BFE) die Elektromobilität in der Schweiz zukünftig aktiv fördern will. Eine entsprechende «Road Map» soll in den nächsten Wochen gemeinsam mit Akteuren der Branche vorgestellt werden.

 

Wie der Verkauf von Neuwagen stagnierten im Vorjahresvergleich auch die Handänderungen. Insgesamt fanden in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 643'248 Gebrauchtwagen (-1,1%) einen neuen Besitzer. Lediglich Occasionen von BMW (50'412 PW, +3,6%) und von Mercedes-Benz (44'417 PW, +2,4%) wurden stärker nachgefragt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Alle übrigen Vertreter der Top-10-Markenrangliste büssten an verkauften Stückzahlen ein. Konkret: Volkswagen (85'742 PW, -4,1%), Audi (47'856 PW, 0,4%), Opel (36'523 PW,  6,6%), Renault (31'306 PW, -3,4%), Peugeot (28'836 PW, -5,4%), Ford (27'925 PW,  4,7%), Fiat (23'162 PW, -1,2%) und Toyota (22'833 PW, -4,9%). «Derzeit sind gebrauchte Dieselfahrzeuge generell betrachtet stabil im Wert. Da jedoch starke Flottenjahrgänge auf den Occasionsmarkt drängen, kann dies bei einzelnen Modellen trotzdem zu einem erhöhten Preisdruck führen», weiss Roland Strilka, Group Director Insights & Analysis DACH bei Eurotax. «Weil zudem in etlichen Fahrzeugsegmenten ein umfassendes Angebot an gebrauchten Benzinfahrzeugen fehlt, steigt aktuell der Dieselanteil leicht an. Die Veränderungen, die sich auf dem Neuwagenmarkt vollziehen, speisen allerdings den Occasionsmarkt von morgen und werden deshalb mit Sicherheit auch dort in Zukunft Realität».

 

Die daraus resultierende punktuelle Angebotsverknappung auf dem Gebrauchtwagenmarkt hat trotz leicht rückläufiger Nachfrage dennoch zu einem Rückgang der Angebotstage auf Online-Verkaufsplattformen geführt. Diese betrugen von Januar bis September im Durchschnitt 66 Tage (- 2 Tage). Besonders stark gefragt waren erneut Kleinwagen (55 Tage, -14,2%) sowie Fahrzeuge der Microklasse (59 Tage, -15,6%). Ebenfalls schneller als der Durchschnitt fanden SUVs und Geländewagen (62 Tage, -0,6%), Fahrzeuge der unteren Mittelklasse (65 Tage, -2,7%) sowie Kompakt- und Minivans (65 Tage, -0,1%) einen neuen Besitzer. Mehr Geduld benötigten Händler mit Occasionen der Mittelklasse (70 Tage, -3,4%), der oberen Mittelklasse (83 Tage, +0,2%), mit Cabriolets und Roadster (85 Tage, +4,1%), mit Coupés (86 Tage, +3,3%) sowie mit Fahrzeugen der Luxusklasse (94 Tage, +2,7%). (pd/ir)

 

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