29. März 2011

«Der Autosalon wächst seit 100 Jahren stetig»

Nach sechs Jahren als Generaldirektor des Automobilsalons Genf gibt Rolf Studer (68) sein Amt ab. A&W sprach mit ihm über die Freuden und Leiden eines Salon-Chefs. Über prominente Besucher der Autoshow. Über die den Salon eröffnenden Bundespräsidenten, die er erlebte. Über die jüngsten Salon-Projekte und über seine Zukunftspläne.

«Der Autosalon wächst seit 100 Jahren stetig»

Es waren immer besondere Momente für mich, wenn ich den Bundespräsidenten während rund zwei ­Stunden durch den Salon begleiten durfte. Rolf Studer, Salon-Chef

Mit Rolf Studer sprach Franz Glinz

A&W: Herr Studer, mehr als sechs Jahre arbeiteten Sie als Generaldirektor des Genfer Automobilsalons. Was waren die Highlights?

Rolf Studer: Ein Highlight war sicher im Jahr 2005 das 100-Jahre-Jubiläum Gen­fer Automobilsalon. Wir zeigten eine grosse Ausstellung zum Thema 100 Jahre Automobil und erzielten dann auch prompt einen Besucherrekord.

Halt! 100 Jahre Autosalon. Dieses Jahr findet doch erst der 81. Salon statt.
Ja, der erste Salon war 1905 organisiert worden. Das war damals eine riesengrosse Sache. Dieses Jahr eröffnen wir «erst» die 81. Ausgabe, weil mehrere Salons wegen der beiden Weltkriege ausfielen.

Gab es auch Enttäuschungen für Sie?

Leider schon, zumeist aber nicht bei mir, sondern mit Leuten, die bei uns ausstellen wollten, die wir aber aus Platzmangel abweisen mussten. Da gab es grosse Enttäuschungen und teilweise auch Antragsteller, die sehr geharnischt reagierten. Das war für mich sehr unangenehm. Das waren Situationen wie bei einem Autoverkäufer, der Kunden hätte, aber das gewünschte Fahrzeug nicht liefern kann. So war es auch für mich ärgerlich, potenzielle Kunden geschäftlich nicht befriedigen zu können.

Gab es rührende Momente?

Rührende. Eigentlich vielmehr überraschende emotionale Momente. Da erinnere ich mich an die Episode mit Bundesrat Samuel Schmid. Als damals Zuständiger fürs Sponsoring bei Peugeot Suisse traf ich ihn einmal bei einem Eishockeymatch mit dem SCB. Jahre später eröffnete Schmid, dann Bundespräsident, den Salon. Er sah mich, lief erfreut auf mich zu und fragte spontan: «Wie geits em SCB?» Und das nach Jahren.
Ein weiterer schöner Moment dieser Art hatte ich mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Er hatte seinen Besuch angekündigt und wir machten uns daran, einen Empfang und einiges mehr zu organisieren. Dieser grosse Auftritte gewohnte Politiker wollte das alles dann aber nicht. Ganz bescheiden wollte er nur mit mir zusammen durch den Salon gehen. Das war ein schöner Moment.

Ärgerten Sie sich während Ihrer Zeit als Salon-Chef über eher autofeindliche Aktivitäten von Politik und Behörden?

Persönlich ärgerte ich mich mitunter schon. Aber meine beruflichen Arbeit für den Salon tangierte solches nie. Im Gegenteil haben wir mit Behörden ein ausgezeichnetes Verhältnis, besonders mit der Gemeinde Grand-Saconnex, wo das Palexpo steht. Obwohl wir mit dem Besucherverkehr während des Salons diese Gemeinde etwas auf den Kopf stellen, ist sie sehr kooperativ, sie hilft uns, wo immer sie kann.

Haben Sie viele prominente Salon-Besucher kennen gelernt, entwickelten sich daraus Freundschaften?

Es gab zahlreiche Treffen, aber enge Freundschaften resultierten daraus nicht. Die Prominenten kommen und gehen. Meist sind sie ja Gäste eines Ausstellers. Persönlich kennen lernte ich den Genfer Unternehmer Ernesto Bertarelli. Und dann natürlich die zahlreichen Autorennfahrer, die in der Umgebung des Lac Léman wohnen. Jean Todt kenne ich gut, ehemaliger Teamchef von Ferrari und heute neuer Präsident der FIA. Freilich bleibt mir auch der ehemalige Schweizer Formel-1-Star Clay Regazzoni in guter Erinnerung, er war am Salon immer Ehrengast. 

Und wie verstanden Sie sich mit den Bundespräsidenten, die jeweils den Salon eröffnen?

Es waren immer besondere Momente für mich, wenn ich den Bundespräsidenten während rund zwei Stunden durch den Salon begleiten durfte.

Sechs Bundespräsidenten haben Sie so erlebt. Welchen mochten Sie am liebsten?

Schwierige Frage. Mit besonders viel Humor und Witz würzte Pascale Couchepin seine Eröffnungsrede. Eigentlich war ich immer erstaunt, wie viel Verständnis die Bundespräsidenten für unsere Veranstaltung mitbrachten. Sie kamen und genossen einfach den Tag. Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Bundespräsident 2003, sagte einmal, dass die Eröffnung des Salons einer seiner schönsten Momente im Jahr gewesen sei. Das schätzten wir sehr.

Bundesrat Moritz Leuenberger ist nicht unbedingt ein grosser Autofan. War es schwierig mit ihm?

Gar nicht. Herr Leuenberger hat sich sehr interessiert für alle neuen Technologien. Er äusserte sich nie negativ über die Automobilindustrie.
Im Zusammenhang mit den Bundespräsidenten ist ein Bonmot von Micheline Calmy-Rey erwähnenswert. Sie sagte in ihrer Eröffnungsansprache: «l`avenir de la voiture est vert et sexy.» Grün und sexy sei die Zukunft des Autos. Das war eine gute Zusammenfassung von umweltfreundlich und trotzdem attraktiv. Das blieb mir in Erinnerung. Dieses Jahr wird Frau Calmy-Rey zu zweiten Mal den Salon eröffnen.

Im Internet steht zum diesjährigen Salon: «81. Auto-Salon Genf: Grün ist Trumpf, auch in 2011». Ist es nicht etwas traurig, dass das Otto- und Diesel-Vehikel, das uns mehr als 100 Jahre lang gute Dienste leistete, jetzt von der grünen Welle etwas in die Scham­ecke gedrängt wird. Früher kam man an die Salons aus Freude an den PS-Boliden, den schönen exklusiven Autos. Heute muss immer mehr Grün drin sein. Jeder grosse Hersteller muss schon fast eines der mäs­sig attraktiven Elektroautos auf dem Stand haben. Verliert der Salon damit nicht an Glanz und Glamour?


Nein. Das Interessens-Spektrum hat sich zwar erweitert. Aber ganz ehrlich, sehr viele Besucher kommen noch immer wegen den Boliden und wegen den Sonder-Traumautos, die es bei uns zu sehen gibt. Wir sind ja der einzige Salon in Europa, wo die berühmten Karosseriedesigner noch ausstellen, Pininfarina, Bertone, Giugiaro und wie sie alle heissen. Viele Besucher kommen wegen jenen Fahrzeugen, die man auf der Strasse selten bis nie sieht, die Lamborghinis, Bugattis, Bentleys, Ferraris & Co. Unsere Besucherumfrage zeigte aber auch, dass vermehrt Leute kommen, um sich über die Mobilität der Zukunft zu informieren. Dem widmen wir einen ganz besonderen Platz mit unserem «Pavillon vert», wo diese Exponate, Elektroautos und vieles mehr, zur Schau gestellt werden. Und wo man solche Autos, die teilweise noch nicht auf dem Markt sind, sogar fahren kann.

Erwarten Sie für 2011 wieder einen Besucherrekord?

Wir suchen diesen Rekord nicht. Klar sind wir nicht unglücklich, wenn es einen neuen Rekord gibt. Aber wir sehen, dass wir vor allem an Wochenenden an die Grenze unserer Kapazität stossen. Dann sind so zwischen 80 000 und 90 000 Menschen in unseren Hallen. Mehr geht vernünftigerweise nicht. Wir haben in elf Tagen zwischen 650 000 und 700 000 Besucher am Salon.

Treffen Sie Gegenmassnahmen?

Ja. Ganz neu versuchen wir dieses Jahr die Besucherströme besser zu verteilen. Wir haben beschlossen, täglich ab 16 Uhr den Eintrittspreis zu halbieren. So möchten wir erreichen, dass die Leute aus Genf und Agglomeration dann, nach 16 Uhr, an den Salon kommen, wenn sich die Besucher aus der Deutschschweiz per Bahn oder Auto auf den Heimweg machen.

Mussten Sie dieses Jahr wieder potenzielle Aussteller abweisen?

Leider ja, denn es fehlen uns über 6000 Quadratmeter netto Ausstellungsfläche. Das ist eine ganze Halle, die brutto 9000 bis 10 000 Quadratmeter beansprucht. Es ist vorgesehen, eine neue Halle aufzubauen, gerade anschlies­send an die Halle 6. Das Gebäude ist projektiert, die Kredite sind gesprochen, sie wird 2012 oder 2013 stehen.

Hat der Salon Genf bei den Autoherstellern, den Importeuren, den Garage-Ausrüstern und Zulieferern noch immer denselben hohen Stellenwert wie früher?

Ja, die Nachfrage hat in den 100 Jahren ständig zugenommen. Leider musste ich Chinesen abweisen, die gerne bei uns ausgestellt hätten. Gerade Hersteller solcher Länder sind an Genf interessiert, weil wir uns in einem produktionsneutralen Land befinden, wo nicht einheimische Firmen mit den besten Plätzen bevorzugt werden.

Was hat Rolf Studer in Zukunft vor?

Nicht mehr viel. Ich werde im April 69, da sollte man aufhören, loslassen, etwas anderes tun. Ich werde in Zukunft versuchen, ein anständiges Golf-Handicap zu erreichen. Sodann möchte ich meinem heute zweijährigen Grosskind endlich genügen Zeit und Liebe schenken und selbstverständlich mehr reisen. Sollten irgendwelche Vereine auf mich zukommen, liegt da vielleicht auch noch etwas drin.

Wie ist das Verhältnis zu Ihrem Nachfolger André Hefti, bisher Directeur de Communication bei Renault Suisse?

Hervorragend. Wir kennen uns seit Jahrzehnten, weil wir den gleichen Job hatten, er bei Renault, ich bei Peugeot.
Ich kann ihm hier via AUTO&Wirtschaft versichern, dass er einen tollen Job übernimmt, mit einer super Mannschaft hier im Palexpo.

www.salon-auto.ch

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