21. Juni 2010

Elektrisch ins Milliardenloch

Die Elektromobilität wird langsam zur Elektromania. Immer mehr Strommobile werden in manchen den Medien gezeigt und gelobt.

Elektrisch ins Milliardenloch

Franz Glinz

Die Elektromobilität wird langsam zur Elektromania. Immer mehr Strommobile werden in manchen den Medien gezeigt und gelobt. Gewisse Kreise reden schon von Alltagstauglichkeit. Ansichtssache: Für mich heisst Alltagstauglichkeit mindestens vier Plätze, mindestens 500 ­Kilometer Reichweite ohne Tankstopp, volltankbar in maximal fünf Minuten. Als Erst- und Ferien­fahrt-Auto für Familienväter, die sich nur eines leisten können, taugen E-Mobile noch nicht.

 

Sie taugen jedoch, um sich grün zu geben, um zu zeigen, wie besorgt man um die Umwelt ist. Dafür investiert jetzt sogar die Migros. Ab Herbst will der Grossverteiler ab der haus­eigenen Tankstellen-Tochter Migrol Elektrofahrzeuge zum Kauf und zur Miete anbieten. Autos der norwegischen Marke «Think City» sollen es sein. Mietpreis pro Monat: ab 1200 Franken.

 

Im «Migros Magazin» Nr. 19 sagt Konzernchef Herbert Bolliger zum Projekt «M-way»: «Wir versuchen stets, mit unseren Aktivitäten das ­Leben unserer Kundinnen und Kunden besser zu machen. Sich auf umweltschonende Art fort­zubewegen, ist ein Ziel, das genau diesen Ansprüchen gerecht wird.» Schön gesagt. Die Elektroeuphoriker sagen aber nicht, was sein wird, sollten wir irgendwann einmal fast alle elektrisch fahren, mit Autos, die in gewissen Kantonen erst noch von der Automobilsteuer befreit sind.

 

Szenenwechsel: In derselben Woche als die  ­Migros ihr «M-way» publik machte, verschickte Andreas Burgener, Direktor  Autoimporteure-Vereinigung auto-schweiz sein «auto-dossier 04». Darin rechnet der Mann vor, dass sich die Einnahmen des Bundes  aus Strassen- und Autosteuern (inklusive LSVA) im Jahr 2008 auf 9,34 Milliarden Franken beliefen. Allein aus der Mineralölsteuer und dem Mineralölsteuerzuschlag resultierten über 5,2 Milliarden Franken. 2010 werden die ­Zahlen nicht wesentlich anders aussehen.

 

Frage an die extremen Elektroapostel: Wer bezahlt die Milliarden in die Bundeskasse, sollten wir in ferner Zukunft fast alle elektrisch fahren? Wird der Bund dann die Treibstoffsteuer-Millionen an der Stromtankstelle kassieren? Einfach ein Mil­-

l­iardenloch akzeptieren wird er nicht, so weit geht die Liebe zum Grünen bei keinem Bundes-Finanzminister. Auch nicht in ferner Zukunft.

 

Und Achtung! Da würde ja noch eine Einnahmequelle wegfallen, die auto-schweiz-Burgener an der Generalversammlung des Verbandes Schweizer Motorjournalisten aufs Tapet brachte. Sollte die Schweiz ab 2015 die EU-Regelung übernehmen, dass Autos nicht mehr als 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen dürfen, so müssten die Importeure für Autos, welche diese Marke überschreiten, Bussen bezahlen. Burgener rechnet mit  rund 400 Millionen Franken, die ­daraus ­resultieren würden.

 

Das Auto mit Benzin- oder Dieselmotor bleibt eine gute Milchkuh. Elektromobilfahrer wird es in Zukunft in Städten und Agglomerationen vermehrt geben. Das ist gut. Aber bitte, Damen und Herren, erfrecht euch nicht, die anderen Automobilisten abschätzig zu beaugapfeln und als Umweltsünder herabzutun. Denn sie sind es, die rund 90 Rappen an Steuern und Abgaben pro Liter Treibstoff bezahlen, damit die Milliarden ­zusammenkommen für Strassenbau, Strassenunterhalt und teure Eisenbahnprojekte.

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