10.02.2026

«Ohne China kein Auto»: Warum Europa im globalen Markt zurückfällt

Rekordverkäufe, China-Boom und ein strauchelndes Europa: Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer erklärt, warum 2026 von chinesischen Marken geprägt wird – und weshalb Europa technologisch den Anschluss verliert.

«Ohne China kein Auto»: Warum Europa im globalen Markt zurückfällt

Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer.

Interview: Isabelle Riederer

 

AUTO&Wirtschaft: Herr Professor Dudenhöffer, 2025 wurde mit über 81 Millionen verkauften PWs einer neuer Rekord erreicht. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Treiber dieses weltweiten Wachstums- und wo liegen die strukturellen Risiken?

Ferdinand Dudenhöffer: Die kurzfristige Automobilnachfrage richtet sich sehr stark nach dem Wachstum des Bruttosozialproduktes und da sieht man in Ländern wie China, wie stark dieses Wachstum eben sein kann – gerade auch im Vergleich zu Europa, wo das Wachstum und die Nachfrage doch eher klein sind. Wie es in den USA aussieht, ist schwierig zu sagen, da man nicht genau weiss, was da noch kommt. 

 

China erreicht spätestens 2026 einen Weltmarkanteil von 30 Prozent. Was bedeutet diese Marktkonzentration für die globale Autoindustrie?

Langfristig bedeutet das, wer im Autogeschäft bleiben will, muss in China präsent sein. China ist hoch-technologisiert, vor allem auch in den Bereichen autonomes Fahren, smartes Cockpit und der Elektromobilität. Man darf hier den Anschluss nicht verlieren, weshalb man in China nicht nur Autos produzieren sollte, sondern auch entwickeln. Beispiele dafür gibt es, wie die aktuelle VW-Strategie «für China in China» oder auch Audi, die in China ihr erstes Fahrzeug, den Audi E5 auf den Markt gebracht haben, sowie Porsche, die sich dafür entschieden haben ein Entwicklungszentrum in China zu eröffnen. Wenn ein Autohersteller langfristig erfolgreich sein will, braucht er einen sehr starken Fuss in China. Kurzum: Ohne China, kein Auto!

 

Die EU hat das geplante Verbrenner-Aus für 2035 nun doch gekippt bzw. abgeschwächt. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung und welche Folgen wird das für die europäische Automobilindustrie haben?

Es ist erschütternd, was die EU-Kommission vorgelegt hat. Man hat zwar mitgeteilt, dass 90% der Neuwagen im Jahr 2035 Null-CO2-Fahrzeuge sein sollen, aber mehr nicht. 10% könnten Verbrenner sein, welche ist ebenso wenig bekannt, wie die kurios aufzählten Ausgleichs-Mechanismen. Ausgleich soll von grünem Stahl kommen, einer Art Super Boni für kleine Elektroautos, nachhaltige Treibstoffe, Subventionierung der europäischen Batterie-Produktion oder dann wieder 100% CO2-frei für grosse Flotten. Fabuliert wurde dann noch über Schnelllader für LKW.  Nichts konkretes, sondern Allgemeinplätze. Der Effekt, keiner weiss wie es weitergeht. Sowohl die Autobauer, wie etwa BMW, die stark für die Aufweichung gekämpft haben, als auch Politiker wie der bayrische Ministerpräsident Söder oder die Umweltfraktionen - alle waren baff, was das abgeliefert wurde. Die Verunsicherung bei Industrie und Verbrauchern hält an. Wir verschieben Investitionen in die Zukunft. Der Vorsprung von China wird grösser. 

 

Europa verliert immer mehr an Bedeutung, sowohl bei den Verkäufen als auch in der Produktion. Ist das aus Ihrer Sicht ein vorübergehendes Konjunkturproblem – oder ein dauerhaftes Strukturproblem Europas?

Es ist leider ein dauerhaftes Strukturplan. Deutschland hat eine sehr schlechte Wettbewerbsfähigkeit. Wir gehören zu den Schlechtesten der Welt. Deutschland befindet sich in einem De-Industrialisierungs-Prozess, nicht nur in der Autoindustrie. Es wird viel von Reformen gesprochen und angekündigt, aber leider Gottes bleibt es bei starken Worten ohne Taten. Auch die EU tut sich schwer. Es ist ein zu kompliziertes Gebilde aus 27 Individuen und einer sehr grossen Brüsseler-Behörde. Musterbeispiel ist die jahrelange Diskussion um das «Verbrenner-Verbot»  

 

Blicken wir auf 2026: Welche Entwicklungen erwarten Sie für das neue Jahr und wo sehen Sie für Hersteller noch echte Chancen in einem insgesamt stagnierenden Umfeld?

2026 wird kein einfacher Markt. In Deutschland wird man ein paar Autos mehr verkaufen, als im Vorjahr. Auch die Schweiz ist gesättigt und es ist kein grosses Wachstum mehr zu erwarten. Den Japanern und Koreanern geht es gleich wie uns in Europa. Das heisst: Die Stärken im Markt und die Entwicklungen im Markt werden durch neue Hersteller geprägt. Die alten Hersteller müssen gucken, wie sie ihre Rolle behalten können. Die Chinesen werden weiter zulegen – nicht nur mit neuen PHEV- und BEV-Modellen, sondern auch mit einem ganzen Schwarm an Unternehmungen, die nach Europa kommen werden. 2026 wird ein Jahr, in welchem die Chinesen sich weiter auf dem europäischen Markt etablieren werden. 

 

Das gesamte Interview lesen Sie in der Printausgabe von AUTO&Wirtschaft, die Januar-Februar-Doppelnummer liegt diese Woche in Ihren Briefkästen.

www.car-institute.com 

 

 

 

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