09. September 2019

Stackmann: «Das Jahresvolumen von Tesla ist ein Bruchteil von unserem»

Im Rahmen der T-Roc Cabriolet Vorstellung traf AUTO&Wirtschaft, Jürgen Stackmann, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen PW, Geschäftsbereiche Vertrieb, Marketing und After Sales zum Interview und sprach mit ihm über die Zukunft, Traditionen und die Verschlankung der Modellpalette.

Stackmann: «Das Jahresvolumen von Tesla ist ein Bruchteil von unserem»

Jürgen Stackmann, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen PW, Geschäftsbereiche Vertrieb, Marketing und After Sales im grossen Interview mit AUTO&Wirtschaft.

Interview: Isabelle Riederer

 

AUTO&Wirtschaft: Herr Stackmann, warum lanciert Volkswagen jetzt ein Cabriolet des T-Roc und warum nicht ein Cabriolet des Golf?

Jürgen Stackmann: Sowohl der Golf-Markt als auch der Cabriolet-Markt in Europa werden kleiner. Der Cabriolet-Markt ist ohnehin nicht groß, nichtsdestotrotz hat Volkswagen eine lange Cabriolet-Tradition und wir waren der Meinung, wenn wir nochmal ein offenes Auto bauen, dann muss es schnell gehen, es muss schön sein und es muss anders sein. Unser T-Roc Cabriolet kombiniert die Vorteile aus dem Trendsegment CUV und den Vorteilen eines Soft-Top-Modells. Es ist ein Modell, das die Fahrzeugpalette von Volkswagen ideal ergänzt.

 

Ein Cabriolet muss aber nicht nur schön sein, es muss sich auch rechnen. Wie ist das beim T-Roc Cabriolet?

Natürlich rechnet sich das T-Roc Cabriolet, sonst hätten wir es nicht gemacht. Wir gehen davon aus, dass wir sicherlich die Profitabilitätsziele erreichen. Das T-Roc Cabriolet wird bei Volkswagen in Osnabrück gebaut. Ein Werk, dass ideal auf die Produktion kleiner Serien und offener Autos eingestellt ist. Das T-Roc Cabriolet ist ein ur-europäisches Projekt.

 

In Zeiten von Klimawandel, CO2-Ausstoss und Elektromobilität, wie passt da ein Cabriolet noch rein?

Ich glaube, dass das kein Widerspruch ist. Wir konzentrieren uns beim T-Roc Cabriolet auf die beliebtesten Motor-Getriebe-Varianten, so gibt es kein Allrad und keinen Diesel. Der Wagen hat zwei sehr effiziente Antriebe, darunter unser neuester 1,5-Liter Evo Benzinmotor, der zu den verbrauchsärmsten Ottomotoren gehört. Zudem handelt es sich beim T-Roc Cabriolet auch nicht um ein Langstreckenfahrzeug für Vielfahrer. Der Cabriolet-Markt spricht Kunden an, die etwas Besonderes suchen und schätzen. Die Kombination aus einem Lifestyle-CUV und Cabriolet bietet Kunden eine interessante Option, und ich denke, dass wir damit eine gute Chance haben.

 

Eine Hybridisierung des T-Roc Cabriolet steht nicht zur Diskussion?

Das macht aus Komplexitätsgründen keinen Sinn. Grundsätzlich ist es so, dass nur das, was es im T-Roc gibt, auch im T-Roc Cabriolet angeboten werden könnte. Beim T-Roc gibt es keinen Hybridantrieb und folglich auch nicht im Cabriolet.

 

Volkswagen möchte die Weltmarke für Elektromobilität werden, wie wollen Sie das schaffen?

Unsere Strategie ist es, die Elektromobilität von der Verbrennerwelt abzukoppeln. Wir haben vor knapp dreieinhalb Jahren mit der MEB-Plattform den Grundstein für die Elektromobilität bei Volkswagen gelegt. Dank dieser Plattform im modularen Aufbau ist Volkswagen in der Lage, sehr schnell skalierfähig in allen Werken rund um die Welt zu agieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass Volkswagen in allen wichtigen Segmenten und Regionen, wie Europa und China, wo sich die Elektromobilität in den nächsten Jahren durchsetzen wird, Marktführer ist. Deshalb glaube ich, dass wir in der Lage sind, die Weltmarke für Elektromobilität zu werden.

 

Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen Sie auch Ihr Händlernetz. Sind alle Händler auf diese Umstellung vorbereitet und machen auch alle mit?

Unserer Grundaufgabe besteht darin, Elektromobilität zur Normalität zu machen, und dazu gehören auch unsere Händler. Wir wollen Elektromobilität demokratisieren und für alle erreichbar machen, das heisst, auch für unsere Partner. Wir brauchen starke Partner, sowohl Importeure als auch Händler,

 

Von welchen Investitionen sprechen Sie? Muss der Händler für den Elektrobereich einen eigenen Showroom haben?

Nein, das muss er nicht. Auch der Volkswagen ID. wird ein Volkwagen sein, das war immer der Ansatz. Es ist eben keine neue Marke, weshalb der Händler jetzt auch nicht neue Bodenplatten verlegen muss. Es gibt Überlegungen, im Showroom einen Bereich für Elektromobilität zu schaffen, aber zu absolut nachvollziehbaren Investitionen. Dabei bezieht sich der höchste Anteil auf die technischen Umrüstungen.

 

Wie wichtig ist das Händlernetz in der Zukunft noch für VW? Braucht es die noch oder könnte man alles nach dem Tesla-Prinzip nur noch online machen?

Verglichen mit Volkswagen ist Tesla eine kleine Marke. Das Jahresvolumen von Tesla ist ein Bruchteil von unserem. Wir sind eine Volumenmarke, der die Kunden vertrauen, und sie verlangen auch einen entsprechenden Service. Zudem haben wir festgestellt, dass sich die Kunden zwar online informieren, dass sie vergleichen und auch ihr Wunschfahrzeug konfigurieren, aber beim Autokauf oder Leasing wollen sie einem Händler in die Augen sehen. Kunden reden gerne mit Menschen, insofern gehört der Handel auch in der Zukunft zu einem Kernelement unseres Geschäfts. Im Zuge der Digitalisierung werden Händler sich wohl weniger innerhalb der Verkaufsabwicklung und mehr in der Kundenberatung agieren, aber der Faktor Mensch wird ein elementarer Baustein bleiben und somit auch unsere Händler. Ein gutes Beispiel, wie es nicht sein sollte, sind die neuen Automarken aus China. Die haben zwar alle ein Werk und Auto gebaut, das auch funktioniert, aber sie haben keine Distribution und drohen, daran zu scheitern. Online ist ein alternativer Kanal, aber es kann nicht der einzige sein.

 

Aktuell muss der VW-Konzern ja zweigleisig fahren, Elektroautos und Verbrennerautos. Wird da die Modellpalette nicht irgendwann zu gross?

Natürlich beschäftigt uns dieses Thema sehr. Wir werden in den nächsten Jahren mehr Baureihen haben als noch vor zwei Jahren. Ziel ist es, die Komplexität der Modellreihen zurückzufahren. Wir werden sinnvoll entschlacken und vereinfachen. Wir werden Serienverästelungen und Einzelangebote zurückfahren und das Motorenprogramm weiter aufräumen. In den nächsten Jahren wird es wohl auch ein weiteres Phase-out einige Modelle geben, wie in der Vergangenheit mit dem Golf Cabriolet, dem Beetle und dem Scirocco geschehen. Wir wollen es unseren Kunden generell viel einfacher machen. Zum Beispiel beim Online-Konfigurator, der zu komplex und kompliziert geworden ist. Wie einfach es sein kann, zeigen wir beim neuen ID. 3, den man im Konfigurator mit gerade mal zehn Klicks komplett durchkonfigurieren kann. Das ist ein Mehrwert für Kunden und auch für den Händler, für den die Beratung damit auch viel einfacher wird.

 

Wäre der Arteon ein Streichkandidat?

Im Gegenteil, wir werden in der nächsten Phase noch ein weiteres Derivat vom Arteon präsentieren. Das wird ein absoluter Herzensbrecher. Er wird alle überraschen, denn den erwartet man so von Volkswagen nicht. Das wird ein Knaller.

 

Die IAA in Frankfurt steht vor der Tür, Volkswagen wird dort seinen neuen Markenauftritt präsentieren, was dürfen Besucher erwarten?

Neben dem neuen ID.3 und natürlich dem T-Roc Cabriolet steht unser neuer Markenauftritt im Vordergrund, das wird für viel Aufmerksamkeit sorgen. Der neue Auftritt wird empathischer und wärmer. In der Vergangenheit war Volkswagen im Auftritt etwas kühl, das wird sich mit dem neuen Markendesign ändern. Statt weißen, kühl wirkenden Farbtönen, vermittelt der neue Auftritt deutlich mehr Wärme. Unser IAA-Messestand, der farbenfroh und einladend gestaltet ist, wird das eindrucksvoll zeigen. Erstmals werden wir auf zwei Etagen unsere Neuheiten präsentieren. Ein weiteres Highlight wird natürlich unser neues Logo sein. Und Volkswagen wird erstmals ein Soundlogo haben.

 

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