02. Juni 2009

Jürg Rothen über die Erpressbarkeit der Schweiz

Sie erinnern sich bestimmt an meine Kolumne in der letzten Ausgabe von AUTO&Wirtschaft. Ich war nahe dran, meinen Fernseher durchs Fenster zu werfen. Gott sei Dank habe ich das nicht getan! Ich hätte glatt verpasst, dass ich – viel schneller als gedacht – Recht bekommen würde: Plötzlich hat jeder gemerkt, dass es Wichtigeres gibt, als die UBS- Boni!

Kurzentschlossen hat der Bundesrat UBS-Kundendaten an die amerikanischen Behörden übermittelt. Klar widerrechtlich – unter hilfloser Berufung auf das Notrecht. Innerhalb von 24 Stunden war plötzlich nicht mehr Marcel Ospel unser Staatsfeind Nummer 1, sondern der amerikanische Vize-Justizminister.

Nächster Kandidat auf der Liste der Schweizer Staatsfeinde: Gordon Brown, seines Zeichens Premierminister des Vereinigten Königreichs: Er hat die Schweiz gleich mehrmals wegen ihres Bankgeheimnisses und ihrer Steuergesetze angegriffen.  Notabene, um von seinen eigenen Problemen und den britischen Steueroasen Guernsey, Jersey etc. abzulenken. Schande über sein Haupt.

Die unangefochtene Nummer eins auf der Liste unserer Staatsfeinde ist selbstredend Peer «das Nashorn» Steinbrück. Zwei oder drei öffentliche Auftritte des deutschen Bundesfinanzministers haben gereicht, um unsere geliebte Heimat, die Schweiz, nicht nur in ihren Grundfesten zu erschüttern, sondern sie zur Kapitulation zu zwingen.

Viele hundert Jahre hat sich die Schweiz erfolgreich über das Grossmachtgehabe von allerlei Spinnern hinweggesetzt. Und auf einmal reichen ein paar grosskotzige Sprüche und ein paar fiktive schwarze Listen aus, um der Schweiz die Hose herunterzulassen und sie gleichzeitig nach allen Regeln der Kunst über den Tisch zu ziehen. Kompliment! So einfach geht das.

Es ist nicht schlimm, dass die ganze Welt die Schweiz beneidet. Es ist auch nicht schlimm, dass alle Länder am Vermögen der Schweiz teilhaben wollen. Das ist sogar verständlich, in Zeiten, in denen den grossen Wirtschaftsnationen die Ideen ausgehen, zur Lösung ihrer total verkorksten Wirtschafts- und Steuerpolitik. Es mag sogar o.k. sein, wenn Sprüche geklopft werden und gedroht wird. Aber nach 700 Jahren glorreicher Schweizer Geschichte auf so lächerliche und hilflose Weise einzuknicken, das ist schlicht widerwärtig! Da fehlen mir die Worte, um mein Entsetzen zu beschreiben.

Nun, nach eigenen Worten hat Peer Steinbrück mal ein Nashorn beobachtet, das losgerannt ist. Zuerst ganz langsam, bis seine Masse in Schwung kam und das Tier mit einem irrsinnigen Tempo und irrsinniger Wucht rannte. Das hat ihm so gefallen, dass er sich in Nashörner verliebte. Und darauf ist er stolz. Er hat sogar ein Bronze-Statue von einem Nashorn auf seinem Pult. Es ist offensichtlich, dass Steinbrücks Temperament und Regierungsstil viele Gemeinsamkeiten mit einem Nashorn aufweisen. Und genau dieses hohe Tempo, kombiniert mit einer irrsinnigen Wucht, hat den Bundesrat dermassen in Angst und Schrecken versetzt, dass er einfach nur leise umkippte. Dabei hat unser Bundesrat das Wichtigste vergessen: Befindet sich ein Nashorn einmal im rasenden Galopp, kann es kaum mehr bremsen oder ausweichen, wenn ein Hindernis auftaucht. Das arme Tier bricht sich das Genick. So einfach ist das.

Die traurige Tatsache ist: Wir befinden uns in einem veritablen Wirtschaftskrieg. Die Starken erpressen die Schwachen. Selbst in der hochheiligen EU schaut derzeit jeder nur für sich, das Bündnis wird hintenan gestellt. Die Staatschefs warnen einander gegenseitig vor Protektionismus, schwafeln von gemeinsamen Lösungen und wissen dabei genau, dass jedem – wirklich jedem – nur das eigene Hemd am nächsten ist. Nur der Schweiz nicht. Schade.

Dabei gäbe es für uns jede Menge Möglichkeiten, um ernst genommen zu werden! Zum Beispiel die folgende (nicht ganz ernst gemeinte): Mit der Aufkündigung des Bankgeheimnisses könnten wir auch gleich den Atom-Sperrvertrag kündigen. Dann lassen wir im Paul Scherer Institut Nuklearsprengköpfe bauen und positionieren sie an unseren Aussengrenzen – natürlich nur zur Selbstverteidigung. Und schon wird US-Präsident Obama eine TV-Ansprache an alle «lieben Schweizer» halten,  zur besten Sendezeit, in Schweizerdeutsch. Genau so, wie letzte Woche im Iran. Und ich wette darauf, dass Peer Steinbrück dann plötzlich eine Nashorn-Statue aus Schokolade in seinem Büro aufstellt!

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