06. November 2009

Nehmen Sie die Frauen ernst!

Verhält sich ein Garagist gegenüber einer Kundin anders als bei einem männlichen Kunden? Ja bitte, das liegt in der Natur und ist auch kein Problem – solange man sich so verhält, dass es gut ankommt.

Nehmen Sie die Frauen ernst!

Eine schöne Abwechslung in der Werkstatt: Trotzdem sollte man, wenn es schon sein muss, so auf den Damenpopo gucken, dass es niemand merkt.

Von Simon Tottoli

 

Was macht eine Frau im Autohaus? Sie hat sich verlaufen! Vor 50 Jahren wäre so ein blöder Spruch vielleicht noch gut angekommen, heute ist er in etwa so wenig angebracht wie nicht angegurtet Auto zu fahren. Denn aktuell sind laut einer Studie des Instituts für Umweltentscheidungen der ETH Zürich bei knapp drei Viertel aller Autokäufe Frauen indirekt oder direkt involviert. Das heisst, sie helfen bei der Entscheidung des Mannes mit oder aber sie kommen gleich selbst ins Autohaus, um sich ihren Traum auf vier Rädern zu erwerben. Hier nimmt die Tendenz sogar noch stark zu, denn 25-jährige, gutverdienende Frauen mit dem Hang zur Eigenständigkeit gibt es immer mehr.

 

Frau als Frau behandeln. Aber…

Auch kommerziell betrachtet sind die Frauen also wichtig. Nur könnte man glauben, das sei noch nicht zu allen Autohäusern durchgedrungen, wenn man die eine oder andere Damenstory über dortige Erlebnisse hört. Da wird für dumm verkauft, gegeifert, gegafft und oft sogar gewitzelt, wenn sich eine Frau in die Garage verirrt. Ja, ich weiss, es will niemand gewesen sein.

 

Aber woher stammen all diese Geschichten? Und wie kommt es, dass bei einer Umfrage der deutschen Internetseite www.frauen-auto-forum.de 75 Prozent von 503 befragten Frauen sich nicht ernst genommen fühlen und mehr als die Hälfte schon mal diskriminierende Äusserungen erlebt haben? Wir sind nicht Deutschland und Frauen fühlen sich halt schnell diskriminiert? Na und? Ich persönlich würde wetten, dass bei einer Schweizer Umfrage etwas Ähnliches rauskäme. Dabei ist es eine Tatsache, dass auch sehr empfindsame Frauen so behandelt werden können, dass sie sich mit Sicherheit nicht diskriminiert fühlen.

 

Respekt, Charme, Rücksicht

Die Zauberworte sind Respekt, Charme und Rücksicht. Und zwar im Verkaufsraum wie in der Werkstatt. Ein ernst gemeintes «Grüezi, kann ich Ihnen helfen?», begleitet von einem ehrlichen Lächeln, kommt mit Sicherheit besser an als ein Mechaniker, der sich während des Radwechsels schier den Hals verrenkt, um einen Blick auf den vorbeiwandelnden Damenpopo zu erhaschen. Man muss sich ja nicht gegen die Natur wehren, gucken ist erlaubt und stört die wenigsten Frauen, solange es mit einer gewissen Zurückhaltung gemacht wird.

 

Vorsicht: schlaue Dame

Das Wichtigste ist, dass sich eine Frau im Autohaus ernst genommen fühlt und zwar im Verkauf und in der Werkstatt. Wer das nicht schafft, sondern davon ausgeht, die Frau habe ja eh keine Ahnung, kann ganz grob auf die Nase fallen. Zwar gibt es auch heute noch Damen, die nur schon fasziniert sind, wenn ihnen jemand die Funktionsweise des ABS erklärt, aber es existieren auch solche, die ausserordentlich gut über Technik Bescheid wissen, vielleicht sogar besser als der Verkäufer. Ein Tipp: Fragen Sie im Gespräch mit der Kundin, ob sie zu diesem oder jenem Thema Fragen hat und zwar so, dass sie sich nicht dumm vorkommen muss, wenn sie wirklich keine Ahnung hat. Frauen, die gut Bescheid wissen, werden ihr nettes Nachfragen sicher mehr goutieren als unbestelltes Bombardieren mit für sie bekannten Daten und Fakten. 

 

Und noch ein Tipp: Wenn eine Frau Ihr Autohaus auf der Suche nach einem neuen Auto betritt, aber eigentlich nicht so recht weiss, was für eines sie will, schlagen Sie ihr bitte nicht direkt das kleinste, süsseste und typische Frauenmodell Ihrer Hausmarke vor. Es ist gut möglich, dass sie sich am Ende für den Luxusroadster oder den Geländewagen (Stichwort: Marge) entscheidet, weil Sie sich für sie Zeit genommen und die Wünsche und Bedürfnisse genauer abgeklärt haben.

 

Zusammenfassend: Eine Frau im Autohaus ist nicht aus Versehen da. Sie will etwas von Ihnen! Darum fragen Sie am besten gleich am Anfang, ob Sie etwas für sie tun können. Natürlich dürfen Sie dabei mehr Charme aufbringen als bei einem Mann. Natürlich dürfen Sie mit sanfter Stimme sprechen. Und natürlich dürfen Sie Ratschläge geben. Aber nehmen Sie die Dame bitte auf keinen Fall weniger ernst als einen Mann!

Simon Tottoli ist dipl. Kommunikator FH und unterstützt Garagen bei ihrer PR-Arbeit.

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