24. Januar 2014

«Die Marke Chevrolet wird weiterleben»

Per Ende 2013 lag Chevrolet unter den Top-Aufsteigern des Jahres, per Ende November auf Platz 3 desselben Rankings. Doch kurz zuvor der Paukenschlag: Am 5. Dezember wurde verkündet, Chevrolet ziehe sich per Ende 2015 aus dem europäischen Markt zurück. Der Schweizer Country Director Roger Guerdi und Marketingleiter Daniel Schneller erklären im Interview, wie die Zukunft für Chevrolet, seine Kunden und Händler aussieht.

«Die Marke Chevrolet wird weiterleben»

Roger Guerdi (l.) und Daniel Schneller mit dem Chevrolet Camaro. Ob der Muscle Car auch in Zukunft offiziell in die Schweiz importiert wird, ist noch ungewiss.

Interview/Bild: Manuela Diethelm

 

AUTO&Wirtschaft: Chevrolet hat das letzte Jahr mit einem Rekord-Marktanteil von 1,44 Prozent abgeschlossen. 2013 gehörte Chevrolet zu den nur elf Volumenmarken mit positiven Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr. In Europa (EU und Efta) waren es in den ersten zehn Monaten 17,4 Prozent weniger. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz und den Erfolg in der Schweiz?

Roger Guerdi: Die Affinität der Schweizer zu amerikanischen Marken besteht, der zweitwichtigste Exportpartner der Schweiz ist die USA. Das Vertrauen in diese Produkte ist also da. Deshalb hatten wir auch eine so gute Zusammenarbeit mit den Händlern, da sie an die Marke geglaubt haben. So konnten wir entsprechend Gas geben, das ist in anderen Ländern nicht in dem Masse gelungen. Ausserdem ist die Schweiz kein Fahrzeug-Herstellerland und deshalb neutral beim Fahrzeug-Kauf.

 

An den europäischen Chevrolet-Modellen ist ja aber nicht mehr viel Amerikanisches dran, bei der Produktion in Südkorea und 70 Prozent baugleichen Teilen mit Opel.

Daniel Schneller: Trotzdem verbinden die Menschen das Amerikanische mit der Marke. Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 sieht der Schweizer Chevrolet als DIE uramerikanische Marke. Zudem haben wir in der Schweiz die Möglichkeiten, uns einen «American Dream» zu leisten - und bei Chevrolet bleibt der Preis nicht auch ein Traum. Das war die treibende Kraft der Marke in der Schweiz.

 

Im übrigen Europa hing der Stern Chevrolet bei Weitem nicht so hoch. Grund genug, die Marke völlig abzuziehen?

Schneller: Egal, wie man die Entscheidung bewertet, Fakt ist: Die Marke ist in Europa nicht auf den gewünschten grünen Zweig gekommen. Dann ist es ein legitimer unternehmerischer Entscheid, am einen Ort die Ressourcen einzusetzen, die sonst an einem anderen Ort gesperrt bleiben.

 

Sie sprechen von Konzernschwester Opel. Lässt sich die Marke denn so stärken? Sollen Chevrolet-Kunden jetzt Opel kaufen?

Guerdi: Das ist die grosse Frage, die bleibt. Vor noch anderthalb Jahren hat es ja eher so ausgesehen, als würde Opel verkauft, jetzt zieht sich die viertgrösste Marke weltweit aus Europa zurück. Den grossen Plan können wir nur vermuten. Das Ziel ist es natürlich, dass Opel fliegen kann. Und Opel ist sehr gut aufgestellt, die Marke beginnt wieder zu leben. Wie der Endkonsument schlussendlich reagiert, können wir nur spekulieren.

Schneller: Wie viele Chevrolet-Kunden sich von Opel überzeugen lassen, steht gar nicht im Vordergrund, sondern eher, welche finanziellen Mittel, Ressourcen und Know-how sich kanalisieren lassen.

 

Wie sieht denn nun die Zukunft aus?

Guerdi: Jeder Kunde, der heute einen Chevrolet kauft, kann sich darauf verlassen, dass der Service mindestens zehn Jahre nach 2015 gewährleistet bleibt. Unsere 50 Händler und 66 Servicepartner ergeben 116 Servicestützpunkte, die weiterhin Chevrolet aufnehmen. Zudem ist der Aftersales-Bereich bereits in die Serviceorganisation der GM Suisse SA integriert.

 

Also kann jeder Partner, der will, seinen Servicevertrag behalten?

Guerdi: Richtig. Wir haben nur die Händlerverträge gekündigt. Es steht jedem Partner frei, auch den Servicevertrag zu kündigen. Das empfehlen wir aber nicht, denn es dürfen noch immer 35'000 Chevrolets gewartet werden, die auf Schweizer Strassen unterwegs sind.

 

Wie hoch ist das Durchschnittsalter dieses Fahrzeugparks?

Schneller: Die Durchschnittsalter eines Autos in der Schweiz liegt etwa bei sechs Jahren. Chevrolet liegt bei fünf Jahren. Damit ist die Marke für den Handel lukrativ und somit auch für den Endkonsumenten. Hier kommt uns dann auch die gewisse Verwandtschaft mit der Modellpalette von Opel zugute.

 

Wie und wann haben Sie die Chevrolet-Händler über die Importaufhebung informiert?

Guerdi: Der Entscheid, auszusteigen, ist am 5. Dezember 2013 in Korea gefällt worden. Gleichzeitig haben wir die Händler informiert. Aufgrund dessen hatten wir den Auftrag, die Händlerverträge auf 24 Monate auf Ende 2015 zu künden.

 

Heisst das denn, dass ein Endkonsument noch bis Ende 2015 einen neuen Chevrolet bestellen und konfigurieren kann?

Guerdi: Ja, im Hinblick auf die Kündigungen der Verträge werden wir bis Ende 2015 Neuwagenbestellungen entgegennehmen, ausliefern und zu marktkonformen Preisen anbieten.

 

Wie wird sich der Preis für Chevrolet-Neuwagen in der Schweiz entwickeln? Sind hier Aktionen geplant?

Guerdi: Es läuft zurzeit eine Abverkaufskampagne: Auf über 2000 Lagerfahrzeugen gewährt Chevrolet unter dem Motto «So günstig wie noch nie» besonders lukrative Preise.

 

Wie unterstützen Sie als Importeur den Händler zusätzlich bei diesem Abverkauf?

Guerdi: Einerseits durch die Kommunikationsmassnahmen im Fernsehen und im Internet. Hier konnten wir bereits einigen Showroom-Traffic generieren. Zudem finanzieren wir die Abverkaufskampagne vollständig.

 

Welche Möglichkeiten haben die heutigen Chevrolet-Händler? Wird, wo sinnvoll, ein «Übertritt» ins Opel-Händlernetz angestrebt? Und was geschieht mit den vom Handel getätigten Investitionen?

Guerdi: Jetzt wird mit jedem Händler individuell besprochen, wie man sich partnerschaftlich einigen kann und für jeden eine faire Lösung findet. Für Opel können wir nicht sprechen, unsere District Manager unterstützen die Händler aber bei der Evaluierung einer neuen Markenvertretung, je nach der individuellen Konkurrenzsituation.

 

Findet ein Austausch mit dem Händlerverband Schweiz statt?

Guerdi: Je nach Bedarf ist es sogar ein täglicher Austausch.

 

Chevrolet Schweiz beschäftigt 25 Mitarbeiter, Chevrolet Europa 160, beide mit Standort Glattpark in Opfikon. Wie sieht die Zukunft für sie aus?

Guerdi: Jeder Mitarbeiter bekommt einen Sozialplan. Als Weltkonzern wird jedem Mitarbeiter die Möglichkeit zu geben versucht, ihm eine neue Anstellung aufgrund seines Profils anzubieten. Das Aftersales-Team ist bereits von unserer Schwestermarke übernommen worden.

 

Herr Schneller, Sie übernahmen per Anfang Jahr neben Ihrer Funktion als PR-Manager zusätzlich die Marketingleitung. Ist diese Kampagne mit ein Grund für diesen Schritt?

Schneller: Chevrolet hat sich vor einem Jahr entschlossen, die europäische Struktur in Form eines Clusters zusammenzustellen und gewisse Verantwortungsbereiche anders aufzuteilen. Da muss man zwischendrin Anpassungen vornehmen - und das geschah unabhängig vom Entscheid des 5. Dezember. Zudem lag der Entscheid nahe, da ich diese Position zuvor bei Opel innehatte.

 

Die Corvette wird auch nach 2015 noch offiziell importiert. Wie wird der Vertrieb dann geregelt sein?

Guerdi: Corvette will man weiter antreiben, die Marke wird also nicht verschwinden. Über welchen Vertriebskanal, ist aber noch nicht endgültig beschlossen, denn der Corvette-Vertrag war bisher Bestandteil des Chevrolet-Vertrags. Auch bezüglich Camaro werden die Weichen für die Zukunft noch gestellt.

 

Wird Chevrolet am Genfer Autosalon vertreten sein?

Guerdi: Ja. Das Modellangebot wird auf dem Chevrolet-Stand sehr exklusiv sein. Es werden ausschliesslich Corvette und Camaro gezeigt. Inklusive der neuen Z06 und dem Boliden aus der Rennserie von Le Mans, der C7.R. Auf dieses Highlight freuen wir uns besonders.

 

Wie sich der Schweizer Chevrolet-Händlerverband zum Thema äussert, lesen Sie in der Februar-Ausgabe von AUTO&Wirtschaft.

 

www.chevrolet.ch

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