04. September 2009

Die Wirtschaftskrise ist vorbei!

Verehrte Leserinnen und Leser, ich habe ausserordentlich gute Nachrichten für Sie: Die Wirtschaftskrise in der Autobranche ist vorbei, sie ist definitiv Vergangenheit. Und ich kann es Ihnen beweisen:

Die Wirtschaftskrise ist vorbei!

Jürg Rothen mit einer Beweisführung:

Eine gute Bekannte von mir, eine blonde und attraktive Enddreissigerin, hatte seit geraumer Zeit den Wunsch, sich endlich ihr Traumauto zu kaufen. Sie hatte den Wagen schon mehrfach bei der Vertretung einer bekannten deutschen Automarke gesehen. Er war nicht ganz billig: Gebraucht, aus erster Hand, etwa zwei Jahre alt und noch immer ungefähr 80‘000 Franken.

Der grosse Tag kam und meine Bekannte, die ein eigenes Unternehmen aufgebaut hat und erfolgreich führt, hat diesen Betrag bei ihrer Bank bar abgehoben. Bis auf die Zähne bewaffnet mit Geld in ihrer Handtasche, begab sie sich zur erwähnten Vertretung.

Nach einigem Warten und Herumstehen in den Verkaufsräumen wurde sie schliesslich bedient und ihrer Bitte nach einer Probefahrt mit dem besagten Fahrzeug wurde nachgekommen. Sie bekam die Schlüssel und durfte alleine, ohne grössere Instruktionen, mit dem Wagen auf Tuchfühlung gehen. Welche Freude! Der Wagen übertraf all ihre Erwartungen. Nach einiger Zeit kam sie mit glänzenden Augen in den Showroom der deutschen Edelmarke zurück.

Den Verkaufsberater sass an seinem Pültchen und war gerade wahnsinnig beschäftigt – mit seinem Natel. Meine Bekannte hatte den Eindruck, dass der Mann entweder intensiv am SMSeln war oder mitten in einem Spiel steckte. Jedenfalls übersah er bei seinem kurzen Aufblicken die glänzenden Augen der Kundin – oder er wollte sie gar nicht sehen. Er meinte nur lapidar: «Legen sie die Schlüssel dort drüben auf den Tisch, ist schon ok. Schönen Tag noch.»

Nun, die Augen meiner Kollegin verloren den Glanz schneller als Herr Usain Bolt rennen kann. Aus lauter Enttäuschung, Frust und Wut über so viel Ignoranz, entschied sie sich spontan bei der Konkurrenz, einem anderen deutschen Erbauer von Edelwagen, reinzuschauen. Das schöne Geld wollte sie jedenfalls nicht wieder bei der Bank einzahlen. Und es sah gut aus: Es waren nämlich gleich fünf Verkäufer verfügbar. Klar, sie sassen alle an einem runden Tisch und unterhielten sich angeregt. Naja, immerhin hatte die Schweizer Nati am Wochenende gerade ein Spiel. Jedenfalls wollte der Zufall, dass ein Wagen rumstand, der meiner attraktiven Kollegin sehr gut gefiel und als Alternativkauf durchaus in Frage kam.

Und natürlich würde jetzt dann gleich einer der fünf das Gespräch unterbrechen um zu fragen, ob sie denn eventuell an einem Wagen interessiert sein könnte, oder so ähnlich. Und natürlich ist die Schweizer Nati es wert, dass man zwanzig Minuten rumsteht und mit einem Ohr einer ausführlichen Fussballkenner-Analyse zuhört.

Aber das Gewicht des Geldes in der Tasche wird halt irgendwann zu schwer, beim rumstehen. Ich mach’s kurz: Meine Bekannte – sie ist unter anderem so erfolgreich, weil sie konsequent und stur ist – ging zum nächsten Konkurrenten von immer noch deutschen Erbauern von Luxuswagen. Und da wurde ihr, man glaubt es kaum, zuerst einmal ein Kaffee angeboten. Einfach so. Und es wurde ihr versprochen, dass sich gleich jemand um sie kümmern würde. Unglaublich aber wahr, sie konnte noch nicht einmal den ersten Schluck kosten (duftend frisch und heiss mit Schäumchen!), da stand auch schon besagter Berater vor ihr. Ich habe versprochen ich mache es kurz: Sie ging ohne Geld zurück ins Büro. Freudestrahlend über den Kauf des Geschosses, aber auch ernüchtert.

Und mit der definitiven Erkenntnis, dass die Wirtschaftskrise in der Autobranche offensichtlich vorbei ist, oder vielleicht gar nie stattgefunden hat.

Ich freue mich sehr darüber, dass es keine Krise in der Branche gibt: Man sollte die Lage jetzt unbedingt nutzen und weitere Arbeitsplätze schaffen! Dann könnten die Berater wenigstens zu zweit auf dem Natel spielen – das macht mehr Spass. Oder zu zehnt über Fussball diskutieren. Je mehr Meinungen, desto besser, oder?

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