30. März 2011

Genf bietet ein Feuerwerk an Neuheiten, Faszination und Überraschungen

Ausstellungen gibt es für Bilder, für Briefmarken und über ägyptische Pharaonen. Ausstellungen gibt es mit Hunden, Kaninchen, Katzen und Vögel. Doch keine Ausstellung in der Schweiz vermag innert zehn Tagen so viele Besucher anzulocken wie der Genfer Automobilsalon. Hunderttausende werden es auch dieses Jahr wieder sein. Die Fangemeinde des Automobils ist gross. Und die Fahrzeughersteller rund um den Globus, nach der Weltwirtschaftskrise 2009 zumeist wieder in Bestform, tragen das Ihre dazu bei. Das Karussell der Neuheiten dreht auf Hochtouren.

Genf bietet ein Feuerwerk an Neuheiten, Faszination und Überraschungen

Maserati GranTurismo MC Stradale: Ein Stück Automobilgeschichte.

VON FRANZ GLINZ

Publikumsmagnete in Genf sind auch diesmal wieder die Exoten von Kleinstfirmen und Stardesignern. Dann auch die Polarisierenden wie etwa der Ferrari FF. Ein Ferrari für die Familie. Das «FF» steht offiziell für «four seats» und «four-wheel drive». Polarisieren wird das Design des FF, man wird es lieben oder verachten.
Publikums-Lockvögel sind erneut auch die Kuriosen, leicht verrückten wie der Rinspeed BamBoo des Schweizer Autovisionärs Frank M. Rinderknecht; ein offenes Livestyle-Vehikel mit Elektroantrieb. Und Nomen est omen: Im Innenraum bestehen einzelne Teile aus Bambusfasern.
Ein Eyecatcher (heisst auf deutsch wohl Hingucker) ist die Konzeptstudie MINAGI von Mazda mit dem fast esoterischen Designthema «Soul of motion». Sie hat das Zeug dazu, die Seelen mancher zu bewegen. Eyecatcher ebenso sind die Unkonventionellen wie das schnittige Coupé Veloster von Hyundai mit drei Seitentüren, nur eine auf der Fahrerseiten, zwei gegenüber, um die Fondspassagiere leichter einsteigen zu lassen.
Auch er ein Salon-Highlight; der Nachfolger des Lamborghini Murciélago mit dem klingenden Namen «Aventador LP 700-4», V12-Mittelmotor, 700 PS, null bis 100 km/h in 3 Sekunden. Ebenso faszinierend: Toyotas  Sportwagenstudie FT-86, die Bentleys, Rolls Royces & Co.

Überraschungen von VW

Ein grosser Abwesender ist das 1-Liter-Auto XL1 von VW. Das zweisitzige Plug-in-Hybrid-Sparmodell wurde ausgerechnet im Erdöl-Emirat Katar erstmals gezeigt. Die Ölscheichs wirds kaum gross gefreut haben. Dagegen bringen die Wolfsburger als Weltpremiere das neue Golf Cabrio mit Stoffdach nach Genf. Dieses wird rasch Kultstatus erreichen – und dem Cabrio Eos aus demselben Stall das Leben schwer machen. Weltpremiere feiert auch  der neue VW Tiguan. Und Donatus Grütter, Schweizer PR-Manager von Volkswagen, verspricht: «Es wird noch einige Überraschungen geben.»
Auf dem Stand der erfolgreichen VW-Tochter Skoda steht nebst anderen das Sondermodell Fabia «Monte Carlo» als Schweizerpremiere. Als Highlight soll in Genf eine Konzept-Studie präsentiert werden.
Seat, die südliche VW-Tochter, zeigt als Weltpremiere den Altea XL4 und natürlich den hübschen Familienvan New Alhambra, ab Juli 2011 auch als 4x4 erhältlich.

Firmen feiern Jubiläen

In Hochform, finanziell und absatzmässig, präsentieren sich wieder die Franzosen. Nach Renault schreibt auch die PSA (Peugeot-Citroën-Gruppe) wieder einen satten Euro-Milliardengewinn. Peugeot brach 2010, gerade 200 Jahre alt geworden, alle Rekorde: 2 142 000 Verkaufte Autos, plus 16 Prozent gegenüber Vorjahr. In Genf ist die Löwenmarke mit starkem Angebot, speziell auch dem Facelift der erfolgreichen Kompaktklasse 308 dabei. Citroën, Peugeots Konkurrenz aus demselben Haus, glänzt mit dem sportlichen DS3 Racing (270) PS, dem C4 und dem Grand C4 2.0 HDi.
Mit 2,6 Millionen verkauften Fahrzeugen feierte letztes Jahr auch Renault einen neuen Absatzrekord, plus 14 Prozent gegenüber 2009. Mit dem Latitude zeigt die Marke, wie sie die Oberklasse aufrollen will (siehe auch Modellvorschau in dieser Ausgabe). Spannend: Renaults neuer Chefdesigner Laurens van den Acker zeigt anhand der Studie «Capture», wie elegant künftig das «Renault-Gesicht» daherkommen soll.
Neben Peugeot sind in Genf auch andere Jubilare; Mercedes-Benz feiert das 125-jährige und brilliert am Salon mit dem neuen C-Klasse Coupé als Weltpremiere. Europa- und Schweizerpremieren sind die neue Generation der C-Klasse und der neue SLK. Eine Weltpremiere der kleinen Art aus dem Konzern: ein Showcar von Smart.

«Schweizer Marke» ist 100

Hundert Jahre alt geworden ist eben die Marke des Schweizer Autopioniers Louis Chevrolet. Und das Jubeljahr liess sich mit Verkaufsrekorden in der Schweiz und weltweit gut an. In Genf ist Chevrolet nebst anderem dabei mit dem Fliessheckmodell des Cruze als Weltpremiere. Als Europapremiere steht die kompakte viertürige Stufenhecklimousine Aveo da.
Auch Suzuki feiert: 30 Jahre Präsenz in der Schweiz. Die Top-Salonattraktion der Marke ist neben dem Swift 4x4 sicherlich der Kizashi Sport, der ab sofort ausgeliefert wird.
Ford seit gerade 125 Jahren prägend auf dem Welt-Automobilmarkt, bringt sich in Genf neben dem Erfolgsmodell Focus und dem Focus Station Wagon als Europapremiere mit vielen Innovationen ein. Gespannt sein darf man auf die Vorstellung eines «richtungweisenden komplett neuen Autos». Sein Weltdebüt erlebt der neue Ford Ranger Wildtrak, ein Pick-up, der auch nach Europa passt.  Erstmals in Europa sind die beiden Elektroautos Ford Focus Electric und Ford C-Max Energi plug-in Hybrid zu sehen.
Auch die Marke Audi hat zu feiern, ist sie doch mit 16 910 Verkäufen erneut die erfolgreichste Premiummarke der Schweiz. Audis Highlights am Salon: Der RS3, ab April im Handel, 340 PS und 4x4; der  Q5 Hybrid Quattro (ab Spätsommer); der Audi A8 lang mit V12-Maschine; die neue A6-Generation (siehe auch Modellvorschau in dieser Ausgabe); der Q3 (ab September).
Der andere Bayer, BMW, präsentiert unter anderem die Studie BMW «Vision ConnectedDrive», sie soll zukünftige Möglichkeiten der mobilen Vernetzung von Fahrzeug und Mensch ausloten. Darüber hinaus zeigt BMW diverse Weltpremieren: den X1 xDrive28i; das 1er Active E Elektrofahrzeug, das 2013 in Serie gehen soll; das 1er M Coupé; das wunderschöne 6er Cabrio; die 530 xDrive Limousine. Bei BMWs Britentochter ­Mini steht der Mini Cooper SD mit Zweiliter-Turbodiesel und 143 PS im Vordergrund.
Die Stuttgarter Sportwagenschmiede kommt mit dem sparsamsten Porsche aller Zeiten nach Genf. Je nach Reifenwahl ist der Panamera Hybrid S gemäss Werksangabe mit nur 6,8 bis 7,1 Liter Kraftstoff zu fahren, bei 159 resp. 167g/km CO2. Im Juni soll er auf den Markt kommen, zum Preis von 164 500 Franken. Daneben zeigt die Firma die Hybrid-Rennsportstudie 918 RSR, den besonders sportlichen Cayman R mit 330 PS und weitere automobile Leckerbissen.
Viel los auch bei Opel: Der einer Frischzellenkur unterzogene Corsa und der überarbeitete Antara sind da. Gerüchteweise vielleicht auch ein neues Astra Sportcoupé. Weltpremiere und Blickfang jedoch die Serienversion des Elektroautos Ampera von Opel. Er soll mit dem Range Extender eine Reichweite von 500 km mit einer Stromladung erreichen.

Jetzt ab ins Bel Paese

Der Fiat-Konzern, auch er finanziell wieder auf solidem Grund, bringt auf der Seite Lancia ein Feuerwerk an Neuheiten; den neuen Ypsilon in der 4. Generation als Weltpremiere, den Thema und den Lancia Grand Voyager, ebenso Weltpremieren. Die neuen Flavia- und Delta-Modelle. Dazu ein Flavia-Cabrio-Concept. Fiats Weltpremiere: der Fiat Freemont, ab zweiter Hälfte 2011 im Handel.
Und was zeigt Alfa Romeo? Neben dem 2011er-Mito die schöne Giulietta, neu mit Doppelkupplungsgetriebe «Alfa TCT»? Traut man Online-Berichten, dann wird Alfa den Salon mit einem heckgetriebenen  Mittelmotor-Sportler überraschen. Oder sind das doch nur Internet-Gerüchte? Neuheiten auch bei der Fiat-Beteiligung Chrysler: Der Jeep Compass als Weltpremiere und der Dodge Challenger SRT8 393.
Zwei wunderschöne Perlen bringt Maserati nach Genf. Dazu lassen wir gerne Lorenzo Dal Vi von Maserati Suisse SA schwärmen: «Der Countdown läuft! Nur noch wenige Wochen, dann schreibt Maserati ein Stück Geschichte. Mit dem GranTurismo MC Stradale wird erstmals ein Maserati Serienfahrzeug auf die Strassen kommen, das schneller als 300 km/h ist. Der 450 PS starke Zweisitzer ist das neue sportliche Spitzenmodell, das konsequent nach Motorsportgrundsätzen entwickelt wurde: mehr Leistung bei weniger Gewicht.» Der Basispreis: Fr. 239 888 – warum eigentlich nicht gleich 240 000 Franken? Die andere Perle ist das Maserati Gran Cabrio Sport, das in Genf sein Debut feiert. Pünktlich zum Sommer 2011 soll es zum Verkauf kommen.

Viel Neues aus Asien

Man sagt es nicht gerne, einem Mitteleuropäer tut es etwas weh. Dennoch: Wirtschaftlich spielt die Musik immer mehr in Asien. Und auch am Salon in der Rhonestadt spielen die Asiaten eine sackstarke Rolle.
Toyota verkaufte letztes Jahr
7 480 000 Fahrzeuge. Dieses Jahr sollen es 7 700 000 werden. Neben der heissen Sportwagenstudie FT-86 II concept bringt der grösste Japaner den Yaris HDS concept als Weltpremiere, Hybridantrieb im Kleinwagen-Segment. Sodann den Prius Plug-in Hybrid. Als Europapremiere steht der Prius+ auf dem Stand. Toyotas Nobeltochter Lexus zeigt neben dem CT 200h, dem ersten Hybridfahrzeug in der Premium-Kompaktklasse (siehe auch Modellvorschau in dieser Ausgabe), das Superpower-Paket LFA. Nur 500 Einheiten sollen produziert werden. Als Europapremiere und Zukunftsvision zeigt Toyota den jüngsten Prototyp eines kleinen E-Mobils auf der Basis des iQ. Das neue Elektrofahrzeug repräsentiert gemeinsam mit den parallel entwickelten Vollhybrid-, Plug-in-Hybrid- und Brennstoffzellenhybrid-Fahrzeugen die langfristige Vision Toyotas.
Japans Wachstums-Superstar Nissan schloss 2010 mit einem Rekordergebnis von 4 080 588 verkauften Einheiten ab, ein stolzer Zuwachs von 21 Prozent gegenüber Vorjahr. Nissan will die absolute Führerschaft im Bereich Null-Emission noch ausbauen und zeigt in Genf die Weltpremiere seiner Elektrosportwagen-Studie Esflow. Sie basiert auf der Technik des Elektrofahrzeugs Leaf. Der Esflow soll in fünf Sekunden auf 100 km/h sprinten und mit einer Batterieladung 240 km weit kommen. Natürlich ist auch das übrige Nissan-Angebot zu sehen.
Nach zwei Weltpremieren in Detroit doppelt Hyundai in Genf nach und zeigt erstmals die Serienversion des neuen Mittelklasse-Kombis i40cw. Hinzu kommen das Coupé Veloster (siehe oben), das Konzeptfahrzeug Curb sowie das sportliche Genesis Coupé, Markteinführung ab sofort.
Auch Honda setzt stark auf Hybrid- und Elektrotechnologie und zeigt den Jazz Hybrid wie auch das schnittige Sportcoupé CR-Z sowie den Null-Emission-Concept FCX Clarity.  Als weitere Neuheit steht der überarbeitete Accord auf dem Stand. Und im Herbst gibts die 9. Generation des Civic, ihn dann nur noch als Fünftürer.
Subaru macht den Impreza sportlicher. Der Kompakte wird in der nächsten Generation seinem grossen Bruder Legacy ähnlicher und bekommt mehr Kanten. Wie das aussehen könnte, zeigt der Impreza Concept bei seinem Europa-Debüt am Salon. Das Modell Trezia (Europapremiere) soll dem wachsenden Bedürfnis Europas nach kleineren und umweltverträglichen Autos Rechnung tragen, betont die Firma.
Gleich zwei Weltpremieren beim Korea-Autobauer Kia, der New Kia Picanto und der New Kia Rio, der dereinst gegen VW Polo & Co. antreten soll.

Spannende News aus den USA...

Cadillac kann am Internationalen Automobilsalon in Genf gleich mit zwei Europapremieren aufwarten: Der Sportkombi CTS-V Sport Wagon mit 564 PS ergänzt die Palette der leistungsstarken V8-Modelle CTS-V Sport Sedan und CTS-V Coupé. Als zweite Europapremiere präsentiert Cadillac das XTS Platinum Konzeptfahrzeug, eine Vision der Luxuslimousine der Zukunft mit Plug-in-Hybridsystem.

...und aus Schweden

Der Autobauer Volvo konnte unter seinem neuen chinesischen Eigentümer Geely das vergangene Jahr bereits mit einem Gewinn abschliessen. In Genf zeigt die Marke ihre eleganten 60er-Limousinen und Kombis. Zudem als Weltpremiere einen V60-Plug-in-Hybrid, der 2012 zum Verkauf kommen soll.
Die Schwedenfirma Saab kämpft noch um die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Haben alle die in Genf zu sehenden  Premieren Erfolg, müsste das gelingen. Es sind dies der Saab  9-5 SportCombi, der vierradgetriebene 9-4X, der 9-3 Range, das 9-3 Cabriolet. Blickfang auf dem Stand ist der technikschillernde Saab Concept Car.

The future is electric

Dies ist schon beinahe ein Schlachtruf, dem alle grossen Hersteller folgen. Jeder grosse Autokonzern hat heute ein Elektroauto in Arbeit oder bereits im Angebot. Die Ehre der Führerschaft auf diesem Gebiet steht sicher Nissan mit dem Modell Leaf zu. Aber beispielsweise auch Mitsubishi mit dem iMiEV und der US-Firma Tesla Motors mit ihrem teuren E-Roadster Tesla. Doch auch zahlreiche andere sind schon da. Gelegenheit, in Genf  Vergleiche anzustellen.

Gas hat Zukunft

An Autoshows etwas zu kurz kommen jeweils die mit Gas betriebenen Autos. Dabei dürften diese Umweltfreundlichen kurzfristig eine grössere Zukunft haben als Elektromobile. Denn seit grosse Energiekonzerne kürzlich neue, rentable Techniken entwickelt haben, um Gas aus Schiefergestein zu gewinnen, schwimmt die Welt im Gas. Somit wird sich der Gaspreis vom Erdöl nach unten abkoppeln. In Genf ist der Gasmobil-Stand in Halle 5 zu finden.

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