30. März 2011

«Die Nachfrage bei der Erstausrüstung ist immens»

Ende März präsentiert Pirelli für den Sommer 2011 den neuen Reifen Cinturato P1, der zukünftig mit dem Cinturato P7 das automobile Mittelfeld abdecken wird. Dieter Jermann, Direktor Pirelli Schweiz, spricht im Interview über die Herausforderungen für den kommenden Sommer, die reduzierte Kalkulationsbasis und das Sportsponsoring von Pirelli.

«Die Nachfrage bei der  Erstausrüstung ist immens»

«Die neue Preisstrategie braucht mehr Disziplin und Aufwand.» Dieter Jermann, Direktor Pirelli Schweiz.

Mit Dieter Jermann sprach Lukas Hasselberg

AUTO&Wirtsschaft: Herr Jermann, was für Neuheiten können wir von Pirelli für den Sommer 2011 erwarten?


Dieter Jermann: Als Weltneuheit präsentieren wir Ende März 2011 den Cinturato P1. Der wird die älteren Modelle wie P3000, P6 und P4 ablösen. Daneben erwarten wir für den Cinturato P7, welcher im letzten Jahr in zahlreichen Reifentests als Sieger ausgezeichnet wurde, weiter eine  sehr hohe Nachfrage. Das ist unser Paradepferd und für die breite Mittelklasse  bis 18 Zoll geeignet. Das dritte Highlight ist der Scorpion Verde. Das ist der Reifen schlechthin für ökologische SUV-Fahrzeuge bis 20 Zoll. Der Scorpion Verde deckt 80 Prozent der gesamten SUV-Palette ab. Damit haben wir für unsere Green Performance-Linie eine Top-Angebotspalette und sind sehr gut aufgestellt.
Die sportliche Linie P Zero bleibt bestehen. Da zeigen wir in Genf wiederum eine grossartige P Zero-Show. Viele sportliche Fahrzeuge von Lamborghini bis Audi werden auf P Zero-Reifen in Genf ausgestellt.

Wie sieht die Verfügbarkeit aus?

Wir gehen 2011 von einer schwierigen Verfügbarkeit aus, da die Märkte und Lager in Europa leer sind. Obwohl massiv mehr produziert wird, ist generell zu wenig Ware vorhanden und die Nachfrage in der Erstausrüstung ist immens. Das ist für Pirelli zwar ein Luxusproblem, aber mit dieser markanten Zunahme bei der Erstausrüstung, speziell  von deutschen Fahrzeugherstellern und die grosse Zunahme durch den Ersatzhandel haben wir einen sehr guten Bestelleingang. Wir konnten rund einen Monat vorziehen, weil wir wissen, dass es eng wird. Speziell ab 17 Zoll wird es eine grosse Herausforderung sein. Daher empfehlen wir unseren Partnern, speziell ab diesem Bereich grosszügig einzulagern. Im Sommergeschäft wird es wie im Winter sein: Die Händler, die im Winter ein Risiko eingegangen sind, wurden alle belohnt und konnten sehr gute Verkaufszahlen tätigen. Wir gehen davon aus, dass dies im Sommer gleich sein wird. Generell wird die Nachfrage 2011 bedeutend höher sein als die Kapazitäten der Werke, welche alle ausgebaut und auf maximaler Leistung laufen. 2011 wird daher von der Verkaufsseite voraussichtlich sehr gut laufen. Etwas turbulent wegen der Preissituation auf dem Markt, aber schlussendlich wird das Thema sein, wer liefern kann.

Die Kalkulationsbasis wurde bei Pirelli bekanntlich zum 1.1.2011 um 50 Prozent reduziert. Was für Auswirkungen hat die neue Preispolitik der Hersteller wie Pirelli auf die Händler?


Wir haben erstmals die europäische Pirelli-Preispositionierung pro Dimension übernommen, was die Kalkulationsbasis anbelangt. Dadurch wurde der Breitreifenmarkt preislich attraktiver gestellt. Das ist eine gute Ausgangslage für ein erfolgreiches 2011.
Dass wir jetzt drei verschiedene Rabattebenen unter den Premium-Reifenanbietern haben, ist sicher nicht glücklich. Ich bin jedoch überzeugt, dass unsere Strategie, welche am ähnlichsten zum Marktführer ist,  die stabilste und sinnvollste Preisgestaltung ist. Ich gehe davon aus, dass die anderen sich da wohl früher oder später anpassen werden.
Für den Händler bedeutet diese neue Preisgestaltung sehr viel verschiedene Rabattsätze und er wird gezwungen, auf den Einkaufspreis runterzurechnen. Wir empfehlen ihm dann, den Aufschlag vom Einstandspreis raufzurechnen. Der Händler muss scharf kalkulieren und von unten hochrechnen – somit verliert er kein Geld und seine Preisgestaltung ist zum Europäischen Markt homogen. Das ist natürlich aufwändiger, aber in den meisten umliegenden europäischen Ländern wird so kalkuliert.

Wie kann der Händler die neuen Bruttopreise und die damit verbundenen tieferen Rabatte den Kunden erklären?

Wir haben den Händlern Berechnungstabellen abgegeben und Kalkulationsmodelle, die zur Verfügung stehen. Ich bin überzeugt, dass die heutige Generation von Kunden mit dieser Thematik besser umgehen kann wie früher. Es ist mehr Aufwand und es braucht Disziplin. Pirelli war immer Befürworter von Nettopreisstrategien im Wiederverkauf und gegenüber dem Endkonsumenten. IT-Systembedingt können das einige Wiederverkäufer, Händler und Garagen noch nicht. Da braucht es wohl noch etwas länger, bis das überall durch ist.

Kommen wir zum Sponsoring: Wie ist die erste Saison als Sponsor von Swiss-Ski angelaufen?

Die nationale Werbekampagne mit Swiss Ski ist von den Händlern und Konsumenten sehr positiv angenommen worden. Das ist die beste Kampagne, die wir bisher im Winter gemacht haben. Auch bei einer professionellen Konsumenten- und Händler- Befragungen kamen sehr positive Feedbacks zurück. Das bestätigt unser Kommunikationskonzept zusammen mit dem P Zero Club. Auch von den Skirennfahrern, die viele tausend Kilometer auf Pirelli-Reifen unterwegs sind, haben wir bereits gute Feedbacks bekommen.

Neben dem weiteren nationalen Sportsponsoring beim FC Basel ist Pirelli nun auch in die F1 eingestiegen. Was erhoffen Sie sich durch dieses Engagement?

Die Formel 1 ist eine riesige Kommunikationsplattform mit einem globalen, weltweiten Werbeauftritt. Natürlich sorgt Pirelli mit der auffälligen Beschriftung auf den Reifen und den Fahrzeugen für zusätzliche Attraktivität. Der Formel-1-Reifen wird interessant werden, weil sich Teams weichere Reifen gewünscht haben. Daher wird es wieder zu mindestens 2 Boxenstopps mit Reifenwechsel kommen. Wir erwarten weltweit eine sehr hohe Wahrnehmung. Für unsere Händler planen wir einen speziellen Event für den GP in Monza. National nutzen wir den Auftritt in der Formel 1 für unsere Kommunikation und die Händler-Dekoration.

Ist das nicht ein Nachteil ohne Wettbewerb?

Dass ein einziger Reifenlieferant gewählt wurde, war der Wunsch der Formel-1-Teams. Es ist für die Teams nicht mehr finanzierbar, wenn verschiedene Reifen zugelassen werden, da dann die Testkosten massiv zunehmen. Ich habe mit dem Team Sauber mir bestätigen lassen, dass die Entscheidung für einen Reifenlieferanten eine Anforderung der Teams und nicht von Pirelli war.

Steht das F1-Sponsoring nicht im Widerspruch zur Green Performance Strategie von Pirelli?

Die Formel 1 ist eine andere Strategie, eine Kommunikationsstrategie, worauf die ganze Welt schaut. Green Performance ist eine Strategie, die mehr auf Kunden umweltfreundlicher Fahrzeuge abzielt, vor allem in Europa und in der Schweiz. Daher kann man gut beide Strategien fahren.


www.pirelli.ch

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