05. Juli 2010

Mensch ärgere dich nicht

Sommerzeit, herrliche Zeit. Eigentlich keine Zeit um sich zu ärgern. Ich ärgere mich jeden Tag, wenn ich meine Zeitungen lese oder fernsehe.

Mensch ärgere dich nicht

Franz Glinz, Wirtschaftsjournalist und profunder Kenner der internationalen Automobilbranche

Sommerzeit, herrliche Zeit. Eigentlich keine Zeit um sich zu ärgern. Ich ärgere mich jeden Tag, wenn ich meine Zeitungen lese oder fernsehe. Gerade kürzlich wieder beim «Club» des Schweizer Fernsehens. Thema war die Ölpest im Golf von Mexiko. Klar, eine Schweinerei, die nicht hätte passieren dürfen. Dennoch ist es unüberlegt, wenn Umweltschützer das Erdöl nun als Teufelszeug verdammen.

Mein Ärger: Da forderte ein Kampagnenleiter des WWF, sofort alle Offshore-Bohrungen zu verbieten, alle Ölquellen unter dem Meeresboden zu schliessen. Manche linksgrünen Umweltaktivisten wollen einfach nicht wahrhaben, dass das Naturprodukt Erdöl noch immer der wichtigste Schmierstoff für die Weltwirtschaft ist, dass eine extreme Verknappung und Verteuerung mittels eines Offshore-Verbots eine gewaltige Welt-Rezession auslösen und die Automobilbranche beinahe töten würde.

«Club»-Moderator Röbi Koller stellte dann auch noch die ziemlich naive Frage: «Was für gute Gründe für Erdöl gibt es denn eigentlich heute noch?» Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdölvereinigung, erwiderte, dass Erdöl eben ein exzellenter Energieträger sei. Hartl hätte dem Röbi noch viel mehr sagen sollen. Nämlich dass Erdöl nebst Heiz- und Treibstoffen zur Herstellung dient von vielen Kunststoffen, Chemikalien, Arzneimitteln und Pharmazeutikas, von Dünger, Textilstoffen wie Nylon und Kunstseide, Kosmetika, Farben, Wachsen Klebstoffen, Teer und noch mehr. 

Und noch mehr Ärger gabs: Etwa darüber, dass der Bund prüfe, die Autobahnvignette von 40 auf 100 Franken zu verteuern – um 150 Prozent auf einen Rutsch, statt über zwei, drei Jahre. Bei einem privaten Unternehmen müsste da der Preisüberwacher einschreiten. Bei administrierten Preisen des Bundes hat er keine Kompetenz.

Noch ein Ärger aus der Presse: Die grüne Zürcher Stadträtin und Tiefbauchefin Ruth Genner möchte etwas einführen, was in der Limmatstadt schon einmal verworfen wurde: das Roadpricing.

Auch das hat mich geärgert: Im «Migros-Magazin» lobte  Daniel Spreng, ETH-Professor für Energieanalyse, die Fortschritte bei elektrischen Autos und Velos. Sein gutes Recht. Nicht aber die anschliessende Bemerkung: «Bei anderen Systemen wie etwa Autos, die mit Wasserstoff (....) angetrieben werden, stossen wir bereits an Grenzen des Machbaren. Diese Vehikel werden wohl nie alltagstauglich sein.»

Und das noch: Eine repräsentative Umfrage des «Center for Security Studies der ETH Zürich soll gemäss eines Artikels in der NZZ ergeben haben, dass sich 88 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer in diesem Lande sicher fühlen. Ja zum Teufel, bei welchen Bevölkerungsschichten wurde diese Erhebung durchgeführt. Ich lese täglich in der Presse von Raubüberfällen, von Diebstählen, von Einbrüchen in Privathäuser, von Pöbeleien in öffentlichen Verkehrsmitteln, von Menschen, die von Fremden grundlos niedergeschlagen und verprügelt werden, von Vergewaltigungen, von gefährlichen Rasern auf den Strassen, auf denen wir alle uns auch bewegen.

Sommerzeit, herrliche Zeit. Geniessen Sie sie – und Ihre Ferien, falls Sie dazu­kom­men. Und ganz wichtig: Mensch ärgere dich nicht!

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