21. Juni 2010

«Wir geben den Garagisten Zeit für die Umstellung»

Ende Mai haben 21 Lancia- und 38 Chrysler/Dodge/Jeep-Vertriebshändler die Kündigung ihres Händlervertrags erhalten. Grund ist die Integration der Marken in die Fiat Group. Gegenüber AUTO&Wirtschaft erklärt Alexander Bleuel, Managing Director Fiat Group Automobiles Switzerland SA, wie die Integration in der Schweiz umgesetzt wird, welche neuen Modelle lanciert werden und was auf die Lancia- und Chrysler-Garagisten zukommt.

«Wir geben den Garagisten Zeit für die Umstellung»

Alexander Bleuel, Managing Director Fiat Group Automobiles Switzerland SA.

 

AUTO&Wirtschaft: Was erhoffen Sie sich von der Integration von Chrysler, Jeep und Dodge durch Fiat?

Alexander Bleuel: Massgeblicher Punkt bei der Integration von Chrysler, Jeep und Dodge war, dass man mit einem ebenbürtigen Partner mehr Volumen generiert und Synergieeffekte nutzen kann. Das Ziel sind sechs Millionen Einheiten bis zum Jahr 2014. Durch das grös­sere Volumen wollen wir die Gewinnschwelle senken und den Pro-Stück-Ertrag erhöhen. Durch die Integration haben wir zudem Zugang zu Märkten, welcher auf herkömmliche Weise, also durch Aufbau eines Händlernetzes, nicht möglich wäre. Einzelne Fiat-Marken wären ohne die Kooperation schwierig in den USA zu implementieren.  Durch den Zugang zum nordamerikanischen Markt kann Fiat die Abhängigkeit von Europa reduzieren und dadurch das Klumpenrisiko verringern. Bei Chrysler sieht es ähnlich aus, hatten sie doch bisher mit 90 Prozent in den USA verkauften Autos auch ein gewisses Risiko. Chrysler wird zukün ftig 42 Prozent in Nordamerika, 38 Prozent in Europa und 20 Prozent in Südamerika, Asien und Afrika verkaufen.

 

Wie hoch ist der Anteil von Fiat an Chrysler?

Die Fiat Group besitzt zurzeit 20 Prozent an Chrysler, Jeep und Dodge. Später sollen daraus 35 Prozent werden. Sergio Marchionne ist sowohl von der Fiat Group, als auch von Chrysler Group LLC der CEO.

 

Was passiert mit den Marken Chrysler, Jeep und Dodge?

Chrysler wird als Marke in Europa – mit Ausnahme von Grossbritannien und Irland, wo Lancia zur Zeit nicht vertrieben wird und die Autos rechtsgesteuert sind – verschwinden und bei Lancia integriert. Lancia wird dadurch zu einem Full-Line-Anbieter mit Modellen in jedem Segment. In den USA wiederum wird Chrysler mit adaptierten Lancia-Modellen sein Angebot ebenfalls ausbauen.  Der Dodge Caliber und Journey sind nach wie vor erhältlich, Adventure und Nitro sind im 2009 ausgelaufen. Dodge wird mittelfristig nicht mehr als Marke vertrieben. 2011 wird ein neuer Fiat auf Basis des Dodge Journey lanciert, der den 2013 auslaufenden Sedici ersetzt. Spezialitäten wie Viper, Challenger und Charger können über ausgesuchte Spezialanbieter gekauft werden. Jeep dagegen wird als eigenständige Marke bestehen bleiben.

 

Welche Auswirkungen hat die Integration auf das zukünftige Modellangebot?

Auf Lancia-Seite gibt es 2011 einen neuen Ypsilon. Der Delta wird weitergeführt. Hinzu kommt 2012 ein neues Modell im C-Segment als Kombi und Limousine auf Basis eines komplett neuen Fahrzeugs. Ab 2011 wird im E-Segment der neue 300C lanciert. Der Lancia Musa wird 2013 eingestellt und stattdessen kommt ein Crossover-SUV. Auch der Lancia Phedra läuft aus. Ab 2014 wird ein komplett neuer Voyager den Phedra ersetzen, bis dahin wird ein Facelift des bisherigen Voyagers als Lancia angeboten. Im D-Segment präsentieren wir 2013 ein neues Fahrzeug, das den heutigen Chrysler Sebring ablöst.

Das Jeep-Portfolio enthält einen komplett neuen Cherokee ab 2013, der Compass und Patriot werden im gleichen Jahr durch ein neues C-Klasse-SUV ersetzt.  Gleichzeitig soll es einen Alfa-Romeo-SUV im C- und D-Segment geben. 

 

Was bedeutet die Integration für die Schweizer Lancia- und Chrysler/Dodge/Jeep-Garagen?

Die bestehenden 21 Händlerverträge wurden auf Lancia-Seite per 31. Juni 2010 auf 31. Mai 2011 gekündet. Gleichzeitig wurde den Händlern ein sogenannter «letter of intent», eine Absichtserklärung, angeboten.  Dieser letter of intent beinhaltet eine Erklärung, per 1. Juni 2011 einen Händlervertrag als Lancia-Händler abzuschliessen. Das gleiche passiert auf Chrysler-Seite. Chrysler hat ebenfalls die Verträge der 38 Garagen und Händler auf den 31.5.2011 gekündet, bietet aber keinen neuen letter of intent an. Ab 1. Juli 2010 übernimmt die Fiat Group den Import von Chrysler, Jeep und Dodge und bietet den gekündigten Chrysler/Dodge/Jeep-Garagen gleichzeitig neue Lancia-Verträge an. 

 

Welche Rolle spielt dabei Jeep?

Jeep wird als eigenständige Marke weiterhin in der Schweiz angeboten. Vom neuen Lancia-Vertrag unabhängig, können neue Jeep-Verträge abgeschlossen werden. 

 

Was müssen die Garagisten aufgrund der neuen Verträge investieren?

Die bisherigen Lancia-Händler müssen sich lediglich hinsichtlich ihres Showrooms Gedanken machen, da sie nun statt bisher vier Modelle, fünf bis sechs Fahrzeuge im Angebot haben. Abgesehen davon müssen geringe Investitionen für Spezialwerkzeuge getätigt werden. Auch die Chrysler/Dodge/Jeep-Händler müssen in den nächsten zwei Jahren keine grös­seren Investitionen leisten. Wir geben den Händlern Zeit, um Kunden zu generieren und Erfahrungen mit dem neuen Modellangebot zu sammeln. Ab 2013 müssen die Garagen und Händler die derzeit gültige Lancia Corporate Identity (CI) erfüllen. 

 

Was bedeutet die Umstellung für die Werkstätten? Wird es allfällige technische Schulungen geben?

Da die Fiat Group ab Juli 2010 der neue Importeur für Chrysler/Dodge/Jeep ist, werden die Händler bis dahin geschult, um auf den Fiat-Systemen Chrysler, Jeep und Dodge zu ordern, auch die Fakturierung, Bestellsysteme etc. gehören dazu. Technische Schulungen für die Werkstattmitarbeiter gibt es im dritten Quartal 2010.

 

Wohin können heutige Chrysler-Fahrer mit ihren Autos für Service und Garantieleistungen in Zukunft gehen?

Die Servicearbeiten werden nach wie vor von den Chrysler/Jeep-Dodge-Garagen durchgeführt. Händler ohne Lancia-Vertrag können für ihren bestehenden Car Park einen Servicevertrag mit der Fiat Group als Servicepartner bekommen. Sämtliche Garantieleistungen werden natürlich auch in Zukunft erfüllt.

 

Was passiert mit den Lagerbeständen von Dodge?

Die Produkte von Dodge werden dosiert heruntergefahren, damit wir die Marke auslaufen lassen können.

 

Welche Zukunft erwartet die Chrysler-Mitarbeiter auf Importeursseite?

Die Chrysler-Mitarbeiter werden in diesen Tagen in Schlieren bei der Fiat Group angesiedelt. Alle Mitarbeiter in einem festen Vertragsverhältnis werden übernommen. 

 

Die Garagisten und Händler haben Sie ja bereits über die Neuerungen orientiert. Wie war das Feedback?

Die Lancia-Händler sehen die Zukunft sehr positiv, da ihre Marke weiter fortgesetzt wird. Die Chrysler-Händler sehen mehr Chancen als Nachteile in der Konvergenz. Ohne Fiat wäre die Zukunft von Chrysler sehr ungewiss. Generell wird Fiat als technologisches Flaggschiff gesehen, wodurch neue umweltorientierte Fahrzeuge angeboten werden können können.

 

Soll das neue Lancia-Händlernetz ausgebaut werden?

Bei einigen Händlern und Garagen wird es Überschneidungen geben. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit den Betroffenen eine Regelung finden werden. Zum heutigen Zeitpunkt haben wir drei Händler, die Lancia UND Chrysler/Dodge/Jeep abdecken. Da einige Händler in Zukunft nicht mit uns zusammenarbeiten werden, wird es von den bisherigen 21 Lancia- und 38 Chrysler/Dodge/Jeep-Garagen insgesamt  mehr als 50 «neue» Lancia-Garagen geben. 

 

Welche Auswirkungen hat die Integration auf die Ziele der Fiat Group Schweiz? 

Ein Lancia-Händler kann jetzt Kunden ansprechen, die lange nicht mehr da waren. Lancia wird mit der neuen Modellvielfalt ein «Full-Liner» mit der erweiterten Angebotspalette nach oben. Bis 2014 wollen wir den bisherigen Marktanteil von Chrysler, Jeep, Dodge und Lancia mehr als verdoppeln. Für Lancia bedeutet das in der Schweiz einen jährlichen Absatz von 5000 Fahrzeugen.

 

www.lancia.ch

www.chrysler.ch

 

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