TCS-Ganzjahresreifentest 2026: Nur ein Reifen fährt der Konkurrenz davon
Posted by: Mario Borri
Ganzjahresreifen werden immer beliebter – doch der aktuelle TCS-Test in der Dimension 185/65 R15 zeigt ernüchternde Resultate. Von 16 geprüften Modellen überzeugt nur ein Reifen auf ganzer Linie. Selbst bekannte Marken leisten sich überraschende Schwächen.
Der TCS und seine Partnerverbände haben 16 Ganzjahresreifen der weit verbreiteten Dimension 185/65 R15 auf einem Skoda Fabia in insgesamt 19 Einzelkriterien geprüft.
Ganzjahresreifen sollen das Beste aus zwei Welten vereinen: sichere Fahreigenschaften im Sommer und Winter, kombiniert mit möglichst geringer Umweltbelastung. Genau dieser Spagat macht ihre Entwicklung anspruchsvoll. Der TCS hat deshalb 16 Ganzjahresreifen der weit verbreiteten Dimension 185/65 R15 auf einem Skoda Fabia in insgesamt 19 Einzelkriterien geprüft.
Bewertet wurden die Reifen nach dem seit 2023 gültigen Zwei-Säulen-System. Die Gesamtnote setzt sich zu 70 Prozent aus der Fahrsicherheit und zu 30 Prozent aus der Umweltbilanz zusammen. Neben den Leistungen auf trockener, nasser und winterlicher Fahrbahn flossen auch Kriterien wie Laufleistung, Abrieb, Kraftstoffverbrauch, Geräuschentwicklung und Nachhaltigkeit in die Bewertung ein.
Ernüchterndes Gesamtbild
Die Ergebnisse fallen durchzogen aus. Nur ein einziges Modell erreicht die Bestnote «sehr empfehlenswert». Sieben Reifen erhalten ein «empfehlenswert», drei werden als «bedingt empfehlenswert» eingestuft. Für fünf Modelle spricht der TCS keine Empfehlung aus.
Damit zeigt sich erneut: Ein Ganzjahresreifen ist kein Selbstläufer. Zwischen den einzelnen Produkten liegen teils erhebliche Leistungsunterschiede. Weder ein bekannter Markenname noch gute Ergebnisse in anderen Reifendimensionen garantieren automatisch ein überzeugendes Resultat.
Continental setzt sich an die Spitze
Den Gesamtsieg sichert sich der Continental All Season Contact 2. Er überzeugt mit ausgewogenen Leistungen in allen sicherheitsrelevanten Disziplinen und zeigt weder auf trockener noch auf nasser oder winterlicher Fahrbahn gravierende Schwächen. Lediglich bei der Laufleistung kann er nicht ganz mit den Besten mithalten. Dennoch reicht es als einzigem Testkandidaten für die Höchstbewertung «sehr empfehlenswert».
Knapp dahinter folgen der Pirelli Cinturato All Season SF 3 und der Michelin Cross Climate 2. Beide verfehlen die Spitzenbewertung nur knapp. Während der Pirelli auf Schnee Schwächen zeigt, verliert der Michelin vor allem auf nasser Fahrbahn wichtige Punkte. In der Umweltbilanz gehören beide hingegen zu den Besten des Testfelds. Besonders der Michelin überzeugt mit hervorragenden Werten bei Laufleistung und Abrieb.
Bekannte Namen nicht immer vorne dabei
Zu den empfehlenswerten Modellen zählen zudem der Vredestein Quatrac, der Hankook Kinergy 4S 2, der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3, der Nokian Tyres Seasonproof 2 sowie der GT Radial Climate Active. Alle zeigen jedoch in mindestens einem Bereich erkennbare Schwächen.
Auffällig ist, dass einige Premiumhersteller in dieser Reifengrösse nicht ihre aktuellsten Produkte anbieten. So ist von Bridgestone weiterhin der Weather Control A005 Evo erhältlich, obwohl in grösseren Dimensionen bereits dessen Nachfolger verkauft wird. Auch Michelin setzt in dieser Grösse noch auf den Cross Climate 2 statt auf den neueren Cross Climate 3. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das: Die neueste Reifentechnologie steht nicht in jeder Dimension automatisch zur Verfügung.
Fünf Reifen fallen durch
Nicht empfehlenswert sind der Norauto 4 Seasons 2, der Bridgestone Weather Control A005 Evo, der Mastersteel All Weather 2, der Roadhog RGAS02 sowie der Tomason Allseason. Besonders auf winterlicher Fahrbahn zeigen diese Modelle deutliche Schwächen. Hinzu kommen Defizite in weiteren sicherheitsrelevanten Bereichen oder eine geringe prognostizierte Laufleistung.
Interessant dabei: Der Mastersteel All Weather 2 und der Roadhog RGAS02 verfügen über ein identisches Profil und stammen aus demselben Werk. Dennoch unterscheiden sich die Resultate messbar. Laut Hersteller kommen unterschiedliche Zulieferer für einzelne Materialien zum Einsatz – ein weiterer Beleg dafür, dass sich Reifen nicht allein anhand ihres Profils beurteilen lassen.
Die richtige Wahl hängt vom Fahrprofil ab
Der TCS empfiehlt, die Reifenwahl stets am persönlichen Einsatzprofil auszurichten. Wer häufig lange Autobahnstrecken fährt, hohe Geschwindigkeiten nutzt oder regelmässig mit voller Beladung unterwegs ist, fährt mit klassischen Sommer- und Winterreifen meist besser. Für überwiegend städtische Fahrten und moderate Jahreskilometer können gute Ganzjahresreifen hingegen eine interessante Alternative sein.
Der Test zeigt jedoch klar: Wer sich für einen Ganzjahresreifen entscheidet, sollte nicht nur auf Marke, Preis oder EU-Reifenlabel achten. Erst unabhängige Praxistests machen sichtbar, wie ausgewogen ein Reifen tatsächlich ist – und genau darauf kommt es letztlich an.



