Halbjahreszahlen: Schweizer Automarkt legt zu – E-Mobilität braucht neuen Schub
Posted by: Mario Borri
Der Schweizer Automobilmarkt ist im ersten Halbjahr um 3 Prozent gewachsen. Besonders Steckerfahrzeuge legten weiter zu und erreichten im Juni einen Rekordanteil von 40 Prozent. Dennoch bleibt die Nachfrage nach Elektroautos deutlich unter den politischen Erwartungen.
Der Schweizer Personenwagenmarkt schliesst das erste Halbjahr 2026 mit einem leichten Plus ab. Bis zum 30. Juni wurden in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein 116’584 neue Personenwagen immatrikuliert – das sind 3 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum (113'133). Im Juni lagen die Neuzulassungen mit 25'207 Fahrzeugen um 15,6 Prozent über dem Vorjahr. Dieser starke Zuwachs im Juni darf indes nicht überbewertet werden, weil dafür ein Kalendereffekt mitverantwortlich ist: Im Vergleich zum Vorjahr fielen 2026 weniger Feiertage auf Werktage, was mehr Verkaufstage zur Folge hatte.
Positive Entwicklung braucht stabile Rahmenbedingungen
Die leichte Erholung des Schweizer Automobilmarktes ist erfreulich, bleibt aber angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche fragil. Damit sich der positive Trend fortsetzen kann, braucht es verlässlichere und marktorientierte Rahmenbedingungen. Insbesondere bei der Umsetzung der CO₂-Regulierung sollte die Schweiz so rasch wie möglich die beschlossenen europäischen Erleichterungen übernehmen. Auf einen regulatorischen «Swiss Finish» ist zu verzichten, um Kosten- und Wettbewerbsnachteile gegenüber dem europäischen Umfeld zu vermeiden.
Elektrifizierung setzt Wachstum fort
Die Elektrifizierung des Neuwagenmarktes hat im ersten Halbjahr weiter zugelegt. Reinelektrische Personenwagen legten bis Ende Juni gegenüber dem Vorjahr um 20,2 Prozent auf 27’889 Fahrzeuge zu. Noch stärker fiel das Wachstum bei Plug-in-Hybriden aus, deren Immatrikulationen um 24,7 Prozent auf 14’456 Fahrzeuge stiegen. Gemeinsam erreichten die sogenannten Steckerfahrzeuge im Juni erstmals einen Marktanteil von 40 Prozent, kumuliert im ersten Halbjahr 2026 sind es 36,3 Prozent (23,9 Prozent BEV und 13,4 Prozent PHEV). Damit kommen die Steckerfahrzeuge erstmals an die Hybridantriebe heran, mit einem Anteil von 36,5 Prozent die bisher volumenstärkste Antriebskategorie. Herkömmliche Antriebe (27,2 Prozent) verlieren weiter an Bedeutung.
Obwohl die fossilen Antriebe (27,2 %) an Bedeutung verlieren, bliebt das Wachstum der E-Mobilität hinter den Erwartungen zurück. Thomas Rücker, Direktor bei Auto-Schweiz, ordnet ein: «Die Vielzahl von mehr als 350 elektrischen Modellen in allen Preisklassen überzeugen in der Mehrheit noch nicht alle Neuwagenkäufer. Offenbar konnten die bisherigen Markterfolge die Vorurteile noch nicht genügend abbauen.»
Attraktivere Rahmenbedingungen notwendig
Der Anteil der Steckerfahrzeuge am Gesamtfahrzeugbestand befindet sich erst auf einstelligen Prozentniveau. Für den Umstieg auf emissionsarme Antriebe sind daher attraktivere Rahmenbedingungen notwendig. Dazu gehören Steuererleichterungen statt -erhöhungen auf Elektroantrieben, der weitere Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, erst recht in den Städten, günstige Energiepreise sowie wirtschaftlich attraktive Voraussetzungen für das Laden zuhause und am Arbeitsplatz.
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