Ärger im Verkehr: Schuld sind die anderen
Posted by: Mario Borri
Rund die Hälfte der Bevölkerung nervt sich mehrmals pro Woche oder sogar täglich über andere Verkehrsteilnehmende. Das zeigt der AXA Mobilitätstacho.
Schuld sind immer die anderen.
Die Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist an einem normalen Wochentag mindestens eine Stunde unterwegs. Über ein Drittel täglich zwischen einer und zwei Stunden, 17 Prozent zwei Stunden oder mehr. Das Auto ist dabei das meistgenutzte Verkehrsmittel: 41 Prozent der Befragten nutzen es als Hauptfortbewegungsmittel, gefolgt vom öffentlichen Verkehr mit 24 Prozent. 20 Prozent sind vornehmlich zu Fuss unterwegs, rund 13 Prozent mit dem Velo (7 %) oder dem E-Bike (6 %). Das zeigt der AXA Mobilitätstacho, der in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo erstellt wurde.
Grösstes Ärgernis beim Unterwegssein sind die anderen. Rund die Hälfte der Bevölkerung nervt sich mehrmals pro Woche (26 %) oder sogar täglich (23 %) über andere Verkehrsteilnehmende. Personen, die hauptsächlich im Strassenverkehr unterwegs sind, tun dies deutlich häufiger als ÖV-Nutzende.
Personen, die im Alltag hauptsächlich mit dem Auto unterwegs sind, nerven sich dabei insbesondere über dichtes Auffahren (63 %) und die Tatsache, dass andere am Steuer abgelenkt sind (59 %), gefolgt vom ausbleibenden Blinken (57 %) und zu langsamem Fahren (51 %).
«Wer gestresst fährt, sich schnell aufregt oder aggressiv reagiert, ist weniger konzentriert und macht beim Fahren mehr Fehler. Das gefährdet die Verkehrssicherheit. Wir raten deshalb, ruhig zu bleiben, das Tempo anzupassen und Rücksicht zu nehmen», erklärt Luca Genovese, Leiter Forschung & Prävention und AXA Kompetenzzentrum Mobilität.
Am häufigsten stören sich ÖV-Nutzende an Lärm und Geräuschen: Fast drei Viertel ärgern sich über lautes Telefonieren oder Medienkonsum ohne Kopfhörer. Auch liegengelassener Müll (68 %), Füsse auf den Sitzpolstern (55 %) sowie starke Gerüche (53 %) führen zu Verärgerung.
Eine deutliche Mehrheit der Schweizer Bevölkerung fühlt sich sowohl im Strassen- als auch im öffentlichen Verkehr meistens oder immer sicher. Dies gilt besonders für Personen, die zu Fuss (89 %), im ÖV (86 %) oder mit dem Auto (83 %) unterwegs sind. Personen, die mit Motorrädern oder Mofas sowie mit Velos bzw. E-Bikes unterwegs sind, fühlen sich deutlich häufiger unsicher. Drei von vier Velo- oder E-Bike-Lenkenden haben denn auch mehr Angst davor, durch andere Verkehrsteilnehmende in einen Unfall verwickelt zu werden, als selbst einen zu verursachen.
Im Auto sitzt die Mehrheit bevorzugt selbst am Steuer. 66 Prozent präferieren die Fahrerrolle gegenüber der Beifahrerrolle – mit deutlichem Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während unter Männern 80 Prozent die Fahrerrolle bevorzugen, liegt dieser Anteil bei den Frauen lediglich bei 52 Prozent.
Unabhängig von der zurückgelegten Strecke, den verfügbaren Verkehrsmitteln und den Kosten sind Velofahrerinnen und Velofahrer am häufigsten zufrieden mit ihrem Hauptverkehrsmittel.
Auch Autofahrerinnen und Autofahrer zeigen sich zufrieden damit, wie sie sich hauptsächlich fortbewegen. Bei Personen, die vorwiegend den ÖV nutzen oder zu Fuss unterwegs sind, klafft hingegen eine grosse Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Jeweils beinahe die Hälfte würde sich in ihrem Alltag lieber anderweitig fortbewegen. Wenn es die Umstände zulassen würden, wären ÖV-Nutzende am liebsten mit dem Auto unterwegs, unglückliche Fussgängerinnen und Fussgänger bevorzugterweise mit dem ÖV.
71 Prozent empfinden ihre alltägliche Mobilität als wertvolle Zeit, knapp ein Viertel hingegen sieht sie als verlorene Zeit an. Besonders positiv wird sie von Personen erachtet, die zu Fuss oder mit dem Velo bzw. E-Bike unterwegs sind. Knapp ein Drittel der Autolenkenden und der ÖV-Nutzenden empfindet die Zeit unterwegs tendenziell als verloren.



