Akzo Nobel feiert 50 Jahre Acoat Selected auf Sardinien
Posted by: Mario Borri
Vom 17. bis 19. Oktober feierte Akzo Nobel das 50-jährige Bestehen seines Carrosserie-Netzwerke Acoat Selected in Orosei. Die Konferenz verband Aktualität mit Branchenthemen und gemeinsamen Erlebnissen.
Am Samstag begann das Jubiläumswochenende im Marina Beach Resort Orosei auf Sardinien mit dem Eintreffen der Gäste und einem gemeinsamen Welcome Lunch. Amedeo Bonorva, Business Director bei Akzo Nobel Coatings AG, begrüsste die Teilnehmenden und erinnerte an die Gründung von Acoat Selected im Jahr 1976. In fünf Jahrzehnten habe sich die Branche grundlegend gewandelt – von den Fahrzeugen und Lacktechnologien bis zu Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Vertrauen, voneinander Lernen und gemeinsamer Fortschritt seien zugleich zentrale Bestandteile des Netzwerks geblieben. Das Motto «Focus on you» lenkte den Blick darauf, wie jeder Betrieb Veränderungen früh erkennen und für sich nutzen kann.
Axanzo soll Kräfte von Akzo Nobel und Axalta bündeln
Am Nachmittag stellte Sander Knip, verantwortlich für die Märkte Schweiz, Deutschland, Österreich und Grossbritannien bei Akzo Nobel, die geplante Verbindung von Akzo Nobel und Axalta vor. Die beiden Unternehmen ergänzten sich strategisch; Axanzo wurde als Name des geplanten gemeinsamen Unternehmens kommuniziert. Für den Zusammenschluss wurde ein erwarteter Umsatz von rund 25 Milliarden genannt. Geplante Synergien beträfen unter anderem Produktion, Einkauf und Organisation. Sander Knip betonte, dass Details zu möglichen Verkäufen noch mit den Wettbewerbsbehörden besprochen würden. Zu konkreten Massnahmen gebe es deshalb vorerst keine bestätigten Angaben.
Jetstream unterstützt die Lackiererei
Anschliessend präsentierte David Rau, an der Entwicklung von Jetstream bei Sata Automation beteiligt, das Robotiksystem für Lackierbetriebe. Es soll Fachkräfte angesichts des Personalmangels unterstützen und wiederkehrende Arbeitsschritte automatisieren. Nach Praxiserfahrungen kann Jetstream derzeit etwa 35 Prozent der Aufträge übernehmen. Dazu gehören Farb- und Pistolenwechsel, Spülen und Ablüften. Während die Anlage geeignete Arbeiten ausführt, können Lackierer andere Aufträge oder Vor- und Nachbereitungen übernehmen.
Im Anschluss an die Vorträge bot die Ausstellung im Nebenraum Gelegenheit, die Themen direkt mit den Partnern zu vertiefen. An ihren Ständen stellten sich unter anderem Carbesa, Green One und Swisscom, IR Technology, Catalfer, Südo Jasa AGm Auto-i Dat, BME und die Automobil Revue vor. Auch Vertreter von Akzo Nobel standen für Gespräche bereit. Die Aussteller präsentierten Produkte und Dienstleistungen und nutzten den Austausch mit den Betrieben, um Fragen aus dem Werkstattalltag aufzunehmen.
Am Abend klang der erste Konferenztag bei einem gemeinsamen Essen im Restaurant «Il Corallo» am Strand bei Orosei aus. Die sardische Küche und die Atmosphäre am Meer gaben den Gästen Zeit, die Eindrücke des Tages im Gespräch weiterzuführen. So setzte sich der Netzwerkgedanke vom Konferenzraum an den gemeinsamen Tisch fort.
Nachhaltigkeit wird messbar
Am Sonntag richtete das Fachprogramm den Blick auf konkrete Schritte für die Betriebe. Michele Savino und Res Witschi, Vertreter von Green One, stellten die Nachhaltigkeitsplattform für Carrosseriebetriebe vor. Green One soll Betriebsdaten zu Energieverbrauch und Emissionen zusammenführen, Handlungsbedarf sichtbar machen und Massnahmen nach ihrer Priorität ordnen. Für die Entwicklung wurden mehr als 35 Betriebe befragt. Akzo Nobel bringt Prozesswissen ein; Zürich und Allianz ergänzen das Ökosystem als Versicherungspartner. Als zentrale Hebel wurden Energie sparen, Emissionen senken und Reparieren statt Ersetzen hervorgehoben.
Salvatore Malomo, Business Development Manager bei Akzo Nobel Coatings AG, ordnete Green One in das Sustainable Repair Network (SRN) und Carbon Pulse ein. Anforderungen von Versicherungen, Herstellern, Flotten und Kunden nähmen zu; Betriebe müssten ihre Nachhaltigkeitsleistungen deshalb zunehmend messen und belegen. Ein schrittweises Vorgehen könne ökologische Verbesserungen mit wirtschaftlichem Nutzen verbinden. Salvatore Malomo erinnerte zudem daran, Aussagen zur Umweltwirkung nachvollziehbar zu belegen.
Fördergelder und konkrete Schritte
Welche Investitionen sich lohnen und welche Unterstützung verfügbar ist, erläuterte Luca Stauss-Rössner, Energieeffizienz- und Erneuerbare-Energien-Berater bei EBP Schweiz. Die PEIK-Energieberatung kann Einsparpotenziale in Bereichen wie Beleuchtung, Lüftung, Kompressoren und Lackieranlagen sichtbar machen. Das Förderprogramm Colorwatt unterstützt unter anderem effiziente Beleuchtung, Druckluftsysteme und Lüftungs- oder Lackieranlagen. Stauss-Rössner empfahl, Fördermöglichkeiten frühzeitig in die Investitionsplanung einzubeziehen und technische Einsparungen mit Kosten und Amortisationszeit zu vergleichen.
Reparieren statt Ersetzen im Schadenmarkt
Beim Roundtable diskutierten die Branchenvertreter Ralf Käser vom Mobilitätsverband Schweiz, Massimo Di Giovanni von TDC, Philipp Zimmermann von Auto-i Dat, Senad Ademi von Abt Automobile und Orlando Luongo vom Autospritzwerk Luongo die Entwicklung des Schadenmarkts. Steigende Schadenkosten, komplexere Fahrzeuge und die Beschaffung von Ersatzteilen stellen die Betriebe vor neue Aufgaben. Die Runde hielt fest, dass Reparieren nicht in jedem Fall günstiger oder technisch passend ist. Entscheidend seien, was der Kunde will, Qualität, Werterhalt und ein sorgfältiger Vergleich mit einem Ersatzteil. Verständliche Informationen zu Kosten und CO₂-Wirkung könnten Kundinnen und Kunden bei der Entscheidung helfen.
Danach stellte Claudio Vietri, Technical Manager bei Akzo Nobel Coatings AG, die Sikkens-Produktlinie Optima vor. Mauro Guarino, Carrossier bei Platin Automobile AG, und Marco Lau, Carrossier beim GTS Schadenzentrum Berlin, berichteten aus der Anwendung. Sie beschrieben ihre Erfahrungen mit Verarbeitung und Oberflächenergebnis sowie den Nutzen eines effizienten Ablaufs. Zugleich bleibt Autowave für ältere Fahrzeuge und Farbtöne ausserhalb der Optima-Abdeckung wichtig.
Andreas Koch «Die Pfeife»: Entscheiden unter Druck
Den Abschluss des offiziellen Programms gestaltete Andreas Koch, ehemaliger Profi-Eishockey-Schiedsrichter und Keynote-Speaker. In seiner Laufbahn leitete er mehr als 2500 Spiele. Er machte die Parallelen zwischen dem Eisfeld und dem Berufsalltag greifbar: In beiden Situationen müssen Entscheide oft unter Zeitdruck gefällt und auch dann vertreten werden, wenn sie auf Widerstand stossen. Mit Humor erzählte Andreas Koch von belastenden Momenten seiner Schiedsrichterkarriere, darunter einem Spiel, nach dem er wegen eines regelkonformen Entscheids heftige Reaktionen von Spielern, Trainern und Zuschauern erlebte.
Spektakulärer Abschluss der Konferenz
Nach dem gemeinsamen Mittagessen wechselten die Gäste vom Konferenzprogramm zum Rahmenprogramm. Sie konnten Orosei bei einer Rundfahrt beziehungsweise Stadtbesichtigung kennenlernen oder an einer Weindegustation teilnehmen. So blieb Zeit, die Umgebung ausserhalb des Hotels zu entdecken und die Gespräche des Wochenendes in entspannter Atmosphäre fortzusetzen.
Am Abend bildete das Jubiläumsdinner den festlichen Höhepunkt. Beim Empfang am Pool erwartete die Gäste ein Buffet mit sardischen Spezialitäten; Gitarre und Gesang sorgten mit bekannten Queen-Liedern für den musikalischen Auftakt. Im Pavillon übernahm anschliessend die Band «Radio Queen» und spielte die grossen Hits der britischen Gruppe. Die Gäste sangen und klatschten mit, und aus dem Galadinner wurde ein Konzertabend, der bis weit in die Nacht dauerte.
Die Jubiläumskonferenz verband damit den Rückblick auf 50 Jahre Acoat Selected mit aktuellen Fragen zu Nachhaltigkeit, Technik und Wirtschaftlichkeit. Vor allem aber bot das Treffen Gelegenheit, Beziehungen zu pflegen und neue Eindrücke miteinander zu teilen. Mit Musik, sardischer Gastfreundschaft und vielen Gesprächen klang das Wochenende aus – als Feier eines Netzwerks, das vom Austausch seiner Mitglieder lebt.
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